Gedankensplitter

 

Monatslosung September 2021 Haggai 1,6

זְרַעְתֶּם הַרְבֵּה וְהָבֵא מְעָט אָכוֹל וְאֵין לְשָׂבְעָה שָׁתוֹ וְאֵין לְשָׁכְרָה לָבוֹשׁ וְאֵין לְחֹם לוֹ וְהַמִּשְׂתַּכֵּר מִשְׂתַּכֵּר אֶל צְרוֹר נָקוּב

Gesät habt ihr viel, und einzubringen gibt es wenig, Essen - aber nicht zum Sattwerden, Trinken - aber nicht zum Rausch, Kleiden - aber nicht zum Erwärmen, und wer sich was verdient, verdient in löchrigen Beutel.

Semeais muito e recolheis pouco; comeis, mas não vos fartais; bebeis, mas não vos saciais; vestis-vos, mas ninguém se aquece; e o que recebe salário recebe salário num saquitel furado.

Gesprochen werden diese Wort vom Propheten Haggai etwa 520 vor Christus. Sein Name bedeutet, frei übersetzt, ‚Sonntagskind‘. Er gehörte zu den Rückkehrern aus dem babylonischen Exil, das 539 nach 50 Jahren vom Perserkönig Kyrios beendet wurde. Viele sind auch nicht zurückgekehrt.  Juda war ein armes, rückständiges Land. Kein Vergleich mit dem Leben in Babylon. Die Rückkehrer machten die Lage nicht unbedingt besser. Sie stellen Rückforderung an Besitz und Land. Gehörten sie doch der alten Oberschicht an. Die Folge waren erhebliche soziale Spannungen. Dazu kam eine mehrjährige Dürre. Darauf spielen die Worte Haggais an: Gesät habt ihr viel, und einzubringen gibt es wenig. Keine rosige Situation. Die Frage war: Wie deuten wir diese Situation und welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Es gab zwei – heute würden wir sagen – unterschiedliche gesellschaftliche Diskurse, Deutungen. Die einen, wie Haggai argumentieren: wir müssen den alten Tempel wiederaufbauen. Die Dürre ist ein Zeichen Gottes. Der Tempel ist ein Symbol unserer Identität als Volk Israel. Sichtbares Zeichen unseres Glaubens. Wohnung des Gottes, der mit uns einen Bund auf ewig geschlossen hat. Die andere Gruppe, wahrscheinlich Schüler der großen Propheten Jesaja und Jeremia, meinte, die Dürre sei eben keine Zeichen Gottes. Jetzt einen Tempel zu bauen, vertusche die sozialen Probleme und Konflikte. Erst wenn die gelöst wären, können man über einen Tempelbau nachdenken. Dass fünf Jahre später (515) der aufgebaute Tempel eingeweiht wird heißt nicht, dass sich die Argumente der Jesaja/Jeremia Schüler erübrigt haben. Beide Diskurse wurden weitergeführt. Der Tempel stand immer wieder in der Kritik. Und was hat das mit uns zu tun? Das kennen wir doch. Da soll nach der deutschen Teilung zusammenwachsen, was zusammengehört. Von blühenden Landschaften erzählen die einen. Andere erleben das als Abwicklung ihres Lebenswerkes, als westliche Kolonisierung. Restitutionsansprüche schaffen zahlreiche Konflikte. Zwei unterschiedliche Erzählungen entstehen. Wie deuten wir unsere Situation, und welche Schlüsse ziehen wir daraus? Der Klimawandel zeigt sich immer deutlicher. Und wieder gibt es verschiedene Deutungen. Die einen sagen: Die Daten sind aufgebauscht. Alles nicht schlimm. Andere vertrauen auf technische Lösungen. Wieder andere halten eine grundsätzliche Änderung unseres Lebenswandels für notwendig. An Gottes Zeichen, sein unmittelbares Wirken glauben nur stramme Evangelikale. Die Forderung, in von der Flut zerstörten Gebieten zuerst die Kirchen wieder aufzubauen, würde bestenfalls ein Kopfschütteln hervorrufen. Vielleicht sind die Worte Haggais doch ein Hinweis. Nämlich dafür, dass wir für unsere Konflikte um den Klimawandel treffende Lösungen finden, wo das, was wir ‚säen‘ auch nachhaltig etwas einbringt, dass wir Lösungen finden, die Menschen nicht nur finanziell ‚satt‘ machen. Dass wir nicht in einen ‚löchrigen‘ Beutel investieren, so dass wir am Ende frierend und lebensdurstig dastehen. Also, dass wir unseren Lebenswandel deuten und angemessene Schlüsse daraus ziehen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Monat September.

P. i.R. J.-Stephan Lorenz, Urb. Sesmarias, Lote 84, 960 244 439; Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 Deutschsprachige Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve (DEKA)

Gottesdienst am 16. Sonntag nach Trinitatis, 19. September 2021

Christus hat dem Tod die Macht genommen und das Leben und ein unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch das Evangelium. 2.Tim 1,10

 

Glockengeläut 

 – Musik (Mein Leben hat kein ander Ziel, BW27) 

Salutatio:
P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, P+G: der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Confiteor:
Huch, werden Sie denken, was lässt der Pastor da spielen: „Mein Leben hat kein ander Ziel, als dass ich möge selig sterben.“ Welches Lebensziel ist denn gemeint? Die Auferstehung! Jesus lebt mit ihm auch ich. Tod wo sind nun deine Schrecken. Schon im Psalm 68 heißt es: „Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum. ER wird seinen Menschen Macht und Kraft verleihen.“ Wir hören das, aber glauben wir es? Erwarten wir von Gott, dass er uns Macht, Kraft, Anteil an seiner Auferstehung gibt? Medizin, Pillen, Energiedrinks, Ausbildung, Leistung, Geld – das gibt uns Kraft und Macht – so denken wir doch eher. Wir gehen Christen in den Gottesdienst, um zur üblichen Sicht der Dinge, Gottes Perspektive zu hören und seine Einschätzung auf unser Leben zu bedenken. Und dabei merken wir dann sehr schnell: wir Menschen machen bei dem Versuch unsere Macht und Kraft woanders als bei Gott zu suchen unser eigenes und das Leben vieler anderer Menschen oft noch mehr zur Hölle, als es ohnehin schon ist. Deshalb beten wir am Anfang: Allmächtiger Gott, erbarme dich unser, vergib uns unsere Versuche, nur auf unsere Kraft zu setzen. Lass uns diesen Gottesdienst mit einem unbeschwerten Herzen und fröhlichen Lippen feiern durch Christum, unseren Herrn. Und wir erhalten gleich zu Beginn die Antwort, die sich durch diesen ganzen Gottesdienst bestätigen möge: Gott hat sich schon lange unserer erbarmt, er hat uns seinen Sohn gegeben, hat uns vergeben und alle, die das glauben können, befähigt, Gottes Kinder zu sein. Sein Heiliger Geist wird uns Macht und Kraft geben. Wer das glauben kann, der wird auch selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen.

Lied EG 166 Tut mir auf die schöne Pforte 

Psalm 68
Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum. Er wird seinem Volke Macht und Kraft geben.
     Singt Gott, lobsingt seinem Namen! Er heißt Gott. Freut euch vor ihm!
Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung.
     Gelobt sei Gott täglich, ER legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch.
Wir haben einen Gott, der da hilft, einen, der vom Tode errettet.
     Wundersam ist Gott in seinem Heiligtum. Er wird seinem Volke Macht und Kraft geben.

Gloria
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
P: Kyrie eleison G: Herr erbarme dich
P: Christe eleison G: Christe erbarme dich
P: Kyrie eleison G: Herr erbarm dich über uns
P. Ehre sei Gott in der Höhe – G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen

Gloria in excelsis
Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum das nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgfalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.
P: Der Herr sei mit euch - G: Und mit deinem Geist.

Kollektengebet
Gott, der Du uns tröstest in unserer Angst, sei uns gnädig und erhöre unser Gebet. Du hast Jesus Christus von den Toten auferweckt und uns damit das ewige Leben gegeben. In der Überwindung des Todes zeigst Du deine Kraft und Macht. Wir bitten Dich, erhalte uns in unserem Glauben, bestärke in diesem Gottesdienst unsere Hoffnung, dass uns niemand und nichts dieses Leben in Gemeinschaf mit Dir wieder entreißen kann. Sie Du ein Trost für alle Traurigen, Kraft für die Schwachen und höre die Bitten aller, die unter ihrer Lebenslast zu tragen haben. Lass uns hier alle den Atem des Lebens wiederentdecken! Das bitten wir dich durch Jesus Christus, der mit Dir und dem Heiligen Geist uns Kraft gibt, heute, morgen und alle Zeit. Amen

Lied EG 364, 1.2.4 Was mein Gott will gescheh allzeit 

Die Lesung des heutigen 16. Sonntages nach Trinitatis steht im 2. Brief an Thimotheus

Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern der Kraft und der Liebe und der Selbstzucht. So schäme dich also nicht, Zeugnis von unserm Herrn abzulegen; auch meiner nicht, der ich um seinetwillen ein Gefangener bin, sondern nimm an den Leiden für die Heilsbotschaft teil nach Maßgabe der Kraft Gottes, der uns errettet hat und berufen mit einer heiligen Berufung, nicht auf Grund unserer Werke, sondern nach seinem Vorsatz und nach seiner Gnade, die uns in Christus Jesus vor ewigen Zeiten verliehen, jetzt aber durch die Erscheinung unsers Retters Jesus Christus geoffenbart worden ist. Der hat die Macht des Todes vernichtet, dafür aber Leben und unvergängliches Wesen ans Licht gebracht durch die Heilsbotschaft.

Hallelujavers Halleluja. Halleluja. Halleluja. Wir haben einen Gott, der hilft, einen Gott, der vom Tod errettet. (Psalm 68,21) Halleluja. Halleluja. Halleluja

Lied EG 346 Such wird a will ein ander Ziel 

Die Lesung des Evangeliums steht im Johannesevangelium im 11. Kapitel
P+G: Ehre sei dir Herre
Es lag aber ein Mann krank darnieder, Lazarus von Bethanien, aus dem Dorfe, in welchem Maria und ihre Schwester Martha wohnten... Da sandten die Schwestern zu Jesus und ließen ihm sagen: »Herr, siehe, der, den du lieb hast, der ist krank!« Als Jesus das vernahm, sagte er: »Diese Krankheit führt nicht zum Tode, sondern dient zur Verherrlichung Gottes, weil der Sohn Gottes durch sie verherrlicht werden soll.« Jesus hatte aber die Martha und ihre Schwester und auch den Lazarus lieb. Als er nun von dessen Krankheit gehört hatte, blieb er zunächst noch zwei Tage an dem Orte, wo er sich befand; dann erst sagte er zu seinen Jüngern: »Wir wollen wieder nach Judäa ziehen!« Die Jünger erwiderten ihm: »Rabbi, soeben erst haben die Juden dich steinigen wollen, und nun willst du wieder dorthin gehen?« Jesus antwortete: »Hat der Tag nicht zwölf Stunden? Wenn man am Tage wandert, stößt man nicht an, weil man das Licht dieser Welt sieht; wenn man aber bei Nacht wandert, stößt man an, weil man kein Licht in sich hat, um zu sehen.« So sagte er und fuhr dann fort: »Unser Freund Lazarus ist eingeschlafen; aber ich gehe hin, um ihn aus dem Schlaf zu wecken.« Da erwiderten ihm die Jünger: »Herr, wenn er eingeschlafen ist, wird er wieder gesund werden.« Jesus hatte den Tod des Lazarus gemeint, sie dagegen waren der Meinung, er rede vom gewöhnlichen Schlaf. Da sagte Jesus ihnen denn mit klaren Worten: »Lazarus ist gestorben, und ich freue mich euretwegen, dass ich nicht dort gewesen bin, damit ihr glauben lernt. Doch nun lasst uns zu ihm gehen!« Da sagte Thomas, der auch den Namen ›Zwilling‹ führt, zu seinen Mitjüngern: »Lasst uns hingehen, um mit ihm zu sterben!« Als nun Jesus hinkam, fand er ihn schon seit vier Tagen im Grabe liegen. Bethanien lag aber in der Nähe von Jerusalem, etwa fünfzehn Stadien von dort entfernt; darum hatten sich viele von den Juden bei Martha und Maria eingefunden, um sie über den Tod ihres Bruders zu trösten. Als nun Martha von der Ankunft Jesu hörte, ging sie ihm entgegen; Maria aber blieb im Hause sitzen. Da sagte Martha zu Jesus: »Herr, wärest du hier gewesen, so wäre mein Bruder nicht gestorben! Doch auch so weiß ich, dass Gott dir alles gewähren wird, um was du Gott bittest.« Jesus erwiderte ihr: »Dein Bruder wird auferstehen!« Martha antwortete ihm: »Ich weiß, dass er bei der Auferstehung am jüngsten Tage auferstehen wird.« Jesus entgegnete ihr: »Ich bin die Auferstehung und das Leben; wer an mich glaubt, wird leben, wenn er auch stirbt, und wer da lebt und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben! Glaubst du das?« Sie antwortete ihm: »Ja, Herr, ich habe den Glauben gewonnen, dass du Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt kommen soll.«… Jesus sagte: »Hebt den Stein weg!« Martha, die Schwester des Verstorbenen, erwiderte ihm: »Herr, er ist schon in Verwesung; es ist ja schon der vierte Tag seit seinem Tode.« Jesus entgegnete ihr: »Habe ich dir nicht gesagt, dass, wenn du glaubst, du die Herrlichkeit Gottes sehen wirst?« Da hoben sie den Stein weg; Jesus aber richtete die Augen empor und betete: »Vater, ich danke dir, dass du mich erhört hast! Ich wusste wohl, dass du mich allezeit erhörst; aber um des Volkes willen, das hier rings steht, habe ich’s gesagt, damit sie zum Glauben kommen, dass du mich gesandt hast.« Nach diesen Worten rief er mit lauter Stimme: »Lazarus, komm heraus!« Da kam der Gestorbene heraus, an den Beinen und Armen mit Binden umwickelt, und sein Gesicht war mit einem Schweißtuch umbunden. Jesus sagte zu ihnen: »Macht ihn los und lasst ihn gehen!« Viele nun von den Juden, die zu Maria gekommen waren und zugeschaut hatten bei dem, was Jesus getan hatte, wurden an ihn gläubig.
P+G: Lob sei Dir, o Christus

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied EG 115 Jesus lebt, mit ihm auch ich 

Predigt
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Heute hören wir einen kleinen Abschnitt aus einem Buch der Bibel, welches nicht sehr oft aufgeschlagen wird. Klagelieder, die dem Propheten Jeremia zugeschrieben werden. Sie sind Dokumente der Trauer. Mehr noch, sie sind Totenklage über die Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des salomonischen Tempels durch den assyrischen König Nebukadnezar. Damit hatte die jüdische Religion ihren Mittelpunkt verloren. So, als ob hier in Carvoeiro diese schöne Kapelle bis auf die Grundmauern zerstört wäre. Wo der Tempel war, standen nur noch rauchende Trümmer und die Bilder des assyrischen Gottes. Die Gläubigen hatten keinen Ort mehr, wo sie hingehen und beten, mit Gott ins Gespräch kommen und IHM ihr Leid klagen und für ihr Glück danken konnten. Noch heute lesen fromme jüdische Menschen am Tisha beAv, einem Gedenk- und Fastentag, diese Klagelieder an der Tempelmauer in Jerusalem. Aber jetzt hören wir endlich den Text, um den es heute gehen soll (Klgl 3,22-32):
Die Güte Gottes ist's, dass wir nicht ganz alle sind, Gottes Barmherzigkeit hat kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, Seine Treue ist groß. Gott ist ein Teil von mir, spricht meine Seele; darum hoffe ich auf IHN. Gott ist freundlich dem, der auf ihn hofft, und dem, der nach ihm fragt. Es ist ein köstlich‘ Ding, geduldig sein und auf die Hilfe Gottes hoffen. Es ist ein köstlich‘ Ding für einen Menschen, dass er das Joch in seiner Jugend trage. Er sitze einsam und schweige, wenn Gott es ihm auferlegt, und stecke seinen Mund in den Staub; vielleicht ist noch Hoffnung. Er biete die Backe dar dem, der ihn schlägt, und lasse sich viel Schmach antun. Denn Gott verstößt nicht für immer, wohl macht er uns traurig, aber er erbarmt sich immer wieder in seiner großen Güte.

Was ist die Lebensfrage, um es geht? Ich würde sie etwa so formulieren: Haben wir Christen der Zerstörung, der Hölle, die das Leben manchmal mit sich bringt, der Angst, vor Vernichtung, die uns mal mehr, mal weniger begleiten, etwas entgegenzusetzen?

Bill Gates, der Besitzer des Windows-Konzerns soll einmal gesagt haben: „Wer die Bilder beherrscht, beherrscht die Köpfe der Menschen.“ Also welche Bilder steuern unsere Herzen, haben Einfluss auf unser Fühlen und Verhalten in der Welt? Der Gedanke ist doch der: Nur wer wirksame Bilder im Kopf und Herzen in sich trägt, wird der Hinterhältigkeit, die das Leben für uns bereithält, standhalten können.

Schon im 68. Psalm, den wir gelesen haben, klingt er an. Er zeichnet Bilder von Einsamen, die in einem Haus beieinander wohnen, von Gefangenen, die ins Glück hinausgeführt werden, von Begleitung durch die Wüstenstrecken des Lebens und der Rückkehr in die Heimat, aus den tiefen Abgründen des Unglücks, das uns ersäufen will. Unmittelbar vor unserem Text benutzt Jeremia ähnliche Bilder. Bilder von Menschen, die ihr Joch tragen müssen, das so schlimm ist, dass sie es nur noch einsam und schweigend ertragen können. Er spricht von Menschen, die mit ihrem Gesicht „im Dreck liegen“, weil sie der Gewalt willkürlich beschämend ausgesetzt sind. So haben Menschen schon zu biblischen Zeiten die Welt und ihr Leben erfahren müssen. Auch wir könnten solche Bilder in uns wachrufen. Sie werden uns ja täglich gezeigt. In dieser Woche wurde der Terroranschläge vom 11.9. 2001 in den USA gedacht. 3000 Tote gab es zu beklagen. Bilder vom Hunger in Somalia – dort sind in den letzten Monaten 30.000 Kinder verhungert. Bilder verzweifelter Menschen, deren Existenz durch die Flutkatastrophen beschädigt wurde. Aber auch ganz nahe bei uns sehen immer wir Menschen, die „Gras fressen“ müssen, deren Joch so schwer ist, dass sie es nur noch einsam und schweigend ertragen können. Manchmal sind wir es sogar selber, die solches und noch viel mehr erlitten haben oder erleiden müssen. Wir alle könnten, in die Klagelieder Jeremias einstimmen.

Haben wir Christen der Zerstörung, der Hölle, die das Leben mit sich bringt, etwas entgegenzusetzen? Wie können wir der Angst vor Vernichtung begegnen? Welche Bilder haben wir Bilder im Kopf?

An diese Stelle denke ich immer an F. M. Dostojewski ein. In seinen „Aufzeichnungen aus dem Totenhaus“ beschreibt er die ersten Tage seiner Gefangenschaft in Sibirien, die er in Omsk verbringen musste, bevor er an seinen endgültigen Verbannungsort geschickt wurde. F.M. Dostojewski beschreibt ein solches inneres Bild. 29 Jahre war er alt, es war der zweite Ostertag, ein arbeitsfreier Tag. Die Verbannten tranken und spielten, um zu vergessen. Dostojewski erinnert sich an ein Erlebnis, das er als 9jähriger hatte. Plötzlich ruft jemand: „Ein Wolf kommt!“ Er erschrickt zu Tode und läuft in Panik zu einem Bauern, der sein Feld pflügt. Erschrocken keucht er: „Ein Wolf kommt!“ Der Bauer streicht ihm über die Haare und sagt: „Na sieh mal, du hast dich aber erschreckt! Lass man gut sein Jungchen… Christus ist mit dir!“

Dann schreibt er: „Ich erinnerte mich an das zärtliche mütterliche Lächeln des armen leibeigenen Bauern, an das Bekreuzen seiner Hand…und wie er vor Verwunderung den Kopf wiegte: „Sieh mal an, Du hast dich aber erschreckt, Jungchen!“ Er erfuhr, welches tiefe Menschengefühl, welche fast weiblicher Zärtlichkeit das Herz manch eines tierisch unwissenden leibeigenen russischen Bauern erfüllt sein kann.
„Als ich…von der Pritsche aufstand und um mich schaute, fühlte ich plötzlich, ich weiß es noch, dass ich diese Unglücklichen mit ganz anderem Blick betrachten konnte, und dass auf einmal wie durch ein Wunder jeder Hass und jede Wut aus meinem Herzen verschwunden waren. Ich ging und beobachtete aufmerksam die Gesichter, denen ich begegnete. Dieser Kerl mit dem rasierten Schädel und dem gebranntmarkten Gesicht, der betrunken mit heiserer Stimme sein Lied gröhlt, kann doch vielleicht auch so ein Bauer sein…“

Die Bilder, die wir im Kopf haben, bestimmen, wie wir uns dieser Welt fühlen. Was wir schon jetzt der Angst vor Vernichtung entgegensetzen können. Jesus sagt in unserem heutigen Evangelium: „Wer an mich glaubt, wird leben, auch wenn er stirbt, und jeder der lebt, und an mich glaubt, wird in Ewigkeit nicht sterben.“  Jesus meint damit eine Auferstehung aus dem Reich des Todes in unser irdisches Leben schon jetzt. Wir können erfahren: Die Hölle, die uns bedrängt, der Tod, der uns angrinst, ist nicht alles. Was der Tod an Macht hat, die würgende Angst, die drückende Schuld, die unendlich scheinende Trauer über das, was unser Leben und das Leben der anderen Menschen so schlimm macht, kann überwunden werden durch das Vertrauens, dass Jesus Christus das Leben ist, wie es von Gott seit Urzeiten gewollt war.

Diese überschreitende, transzendierende Erfahrung der Grenzen, die sich immer wieder in unserem Leben zeigen, beschreibt Jeremia. Die Güte des Gottes ist's, dass wir nicht ganz alle sind, seine Barmherzigkeit hat kein Ende, sie ist alle Morgen neu, seine Treue ist groß. Gott ist bei mir, spricht meine Seele; darum hoffe ich auf ihn. Gott ist freundlich dem, der auf ihn hofft, und dem, der nach ihm sucht. Es ist ein köstlich‘ Ding, geduldig sein und auf Gottes Hilfe zu hoffen. Denn Gott verstößt nicht ewig, er betrübt wohl und erbarmt sich immer wieder in seiner großen Güte.

Jeremia beschreibt die Macht und Kraft des Vertrauens auf Gott. Es ist die Auferstehung in das Leben hinein. Das können wir der Dramaturgie des Todes in unserem Leben entgegenhalten. So fangen wir an, die Welt, unser eigenes Leben, wie grausam sie sich zeigen mögen, aus der Perspektive Gottes zu sehen. Wir spüren: Gott hat uns ganz persönlich gewollt. Er wird uns erhalten in aller Not und Bitterkeit.

Nun sehen wir die Dinge in einem anderen Licht, und wir werden handlungsfähig, stehen auf. Warum denn erschrecken uns die Bilder der Bombenopfer, die Bilder der Todesangst der Kinder von Somalia und das Schreien ihrer Mütter? Warum empören wir uns und verlangen nach Abhilfe? Doch nur, weil wir dieses Bild des unzerstörbaren, auferstandenen Lebens in uns tragen, dass Jesus uns in seinen Tagen vorgelebt hat. Weil wir seinen Geist spüren, der uns kräftig macht, klug und ganz liebend.

Vielleicht weil wir nun begreifen, was Paulus scheibt:
Gott hat uns ganz persönlich gewollt, und seine Absicht war es schon vor ewigen Zeiten, uns ganz eng an Jesus Christus zu binden. Diese Gnade Gottes ist jetzt sichtbar geworden, da Jesus, der Messias, unser Befreier, in unserem Herzen erschienen ist. Er hat den Tod besiegt und uns Menschen durch das Evangelium mit dem Licht und der Klarheit erfüllt, die Leben, unzerstörbares Leben bedeutet

Dostojewski hat auf seinem Sterbebett seinen Kindern gesagt:
„Habt unbedingtes Vertrauen auf Gott und verzweifelt niemals an seiner Verzeihung. Ich liebe euch sehr, aber meine Liebe ist nichts neben der unendlichen Liebe Gottes für alle Menschen, die er geschaffen hat.“

Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur gehört, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr endlich selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen

Lied EG 134 Komm o komm du Geist des Lebens 

 Abkündigungen
1. Am nächste Gottesdienst, dem 26. September feiern wir das Erntedankfest. Wir haben den Termin vorgezogen, weil viele aus unserer Gemeinde vom 1.-3- Oktober an der Gemeindetagung in Porto teilnehmen. Zum Erntedankgottesdienst möchten wir den Altarraum mit den Früchten schmücken, die wir in unseren Gärten ernten konnten. Wir bitten darum, dass Sie uns einiges zur Verfügung stellen. Wir möchten die Erntefrüchte im Anschluss an den Gottesdienst die Gaben an Bedürftige unserer katholischen Schwestergemeinde verteilen.
2. Die aktuellen Termine finden Sie immer auf unsere Webseite. www.deka-algarve.com
3. Am 26. September feiern wir den Gottesdienst zum Erntedankfest in dieser Kirche.
4.Der Chor trifft sich am nächsten Donnerstag, dem 23 und am 30. September. Auskünfte erteil Annemarie Webster Tel. 282 356 231.
5. Die Kollekte vom letzten Sonntag (12. September) ergab 42,50€. Die heutige Kollekte ist für unsere Gemeindearbeit bestimmt. Sie können ihre Kollekte auch auf unser Konto überweisen: IBAN PT50 0045 7063 4028 3045 9748 8 BIC CCCMPTOL
7. Herzliche Einladung zum gemeinsamen Mittagessen im Restaurant „Taste“.
Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied EG 506 Wenn ich o Schöpfer, deine Macht 

Fürbitte
P: Gott hilf uns, dass wir den Geist der Furcht immer wieder ablegen können. Stärke unseren Glauben, in dem Du uns den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit schenken willst.

A: Gott, wir glauben dich als Quelle unseres Lebens. Wir bitten um den Geist der Kraft: für Menschen, die am Boden liegen, die verzweifelt sind, trauern und den Tod fürchten, die Schmerzen haben und sich nach Heilung sehnen. Wir rufen: Kyrie eleison

B: Gott wir bitten dich um den Geist der Kraft: für die Menschen, die Neues beginnen, aufbrechen, einen langen Weg vor sich haben. Du Gott des Lebens - Höre uns. Wir rufen: Kyrie eleison

C: Gott, wir bitten um den Geist der Liebe: für die Menschen, die Kranke pflegen, die verzichten, damit andere leben, die Einfluss haben und deren Meinung zählt. Wir rufen: Kyrie eleison

D: Gott, wir bitten dich um den Geist der Besonnenheit für alle, die Verantwortung übernehmen, die über das Geschick von Menschen und Ländern entscheiden, dass sie sich für unsere Umwelt, die leidet und die Klimakatastrophe abwenden. Wir rufen: Kyrie eleison

P: Gott wir bitten dich um den Geist der Geschwisterlichkeit für unsere Gemeinden in Portugal, in Deutschland und aller Welt. Dein Geist der Liebe und des Friedens möge unsere Zusammenarbeit bestimmen. Sei mit uns heute und an allen Tagen, die du uns schenkst. Amen. Laudate omnes gentes

Vater unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Demissio/Entlassung
P: Gehet hin im Frieden des Herrn – G: Gott sei ewiglich Dank  Lied EG 421 Verleih uns Frieden gnädiglich 

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Musik zum Ausgang (Was willst du dich meine Geist entsetzen, BW 8) 

DEKA – Deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve. E-Mail¬: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Web: www.deka-algarve.com
Vorsitzende: Annemarie Webster: Tel. 282 356 231.
Pastor i.R. Stephan Lorenz: Tel: : 282 341 214; Mobil: 960 244 439; +49 171 68 20 295; 8400-565 Carvoeiro Uz Sesmarias 84. Wenn Sie mich sprechen wollen, rufen oder mailen Sie mich einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unsere Gemeindearbeit finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wir freuen uns über jede Spende auf unser Konto IBAN : PT50 0045 7063 4029 9611 0208 7 SWIFT/BIC : CCCMPTPL - BIC CCCMPTOL

 

 

 

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