Gedankensplitter

 

Monatslosung September 2021 Haggai 1,6

זְרַעְתֶּם הַרְבֵּה וְהָבֵא מְעָט אָכוֹל וְאֵין לְשָׂבְעָה שָׁתוֹ וְאֵין לְשָׁכְרָה לָבוֹשׁ וְאֵין לְחֹם לוֹ וְהַמִּשְׂתַּכֵּר מִשְׂתַּכֵּר אֶל צְרוֹר נָקוּב

Gesät habt ihr viel, und einzubringen gibt es wenig, Essen - aber nicht zum Sattwerden, Trinken - aber nicht zum Rausch, Kleiden - aber nicht zum Erwärmen, und wer sich was verdient, verdient in löchrigen Beutel.

Semeais muito e recolheis pouco; comeis, mas não vos fartais; bebeis, mas não vos saciais; vestis-vos, mas ninguém se aquece; e o que recebe salário recebe salário num saquitel furado.

Gesprochen werden diese Wort vom Propheten Haggai etwa 520 vor Christus. Sein Name bedeutet, frei übersetzt, ‚Sonntagskind‘. Er gehörte zu den Rückkehrern aus dem babylonischen Exil, das 539 nach 50 Jahren vom Perserkönig Kyrios beendet wurde. Viele sind auch nicht zurückgekehrt.  Juda war ein armes, rückständiges Land. Kein Vergleich mit dem Leben in Babylon. Die Rückkehrer machten die Lage nicht unbedingt besser. Sie stellen Rückforderung an Besitz und Land. Gehörten sie doch der alten Oberschicht an. Die Folge waren erhebliche soziale Spannungen. Dazu kam eine mehrjährige Dürre. Darauf spielen die Worte Haggais an: Gesät habt ihr viel, und einzubringen gibt es wenig. Keine rosige Situation. Die Frage war: Wie deuten wir diese Situation und welche Konsequenzen ziehen wir daraus? Es gab zwei – heute würden wir sagen – unterschiedliche gesellschaftliche Diskurse, Deutungen. Die einen, wie Haggai argumentieren: wir müssen den alten Tempel wiederaufbauen. Die Dürre ist ein Zeichen Gottes. Der Tempel ist ein Symbol unserer Identität als Volk Israel. Sichtbares Zeichen unseres Glaubens. Wohnung des Gottes, der mit uns einen Bund auf ewig geschlossen hat. Die andere Gruppe, wahrscheinlich Schüler der großen Propheten Jesaja und Jeremia, meinte, die Dürre sei eben keine Zeichen Gottes. Jetzt einen Tempel zu bauen, vertusche die sozialen Probleme und Konflikte. Erst wenn die gelöst wären, können man über einen Tempelbau nachdenken. Dass fünf Jahre später (515) der aufgebaute Tempel eingeweiht wird heißt nicht, dass sich die Argumente der Jesaja/Jeremia Schüler erübrigt haben. Beide Diskurse wurden weitergeführt. Der Tempel stand immer wieder in der Kritik. Und was hat das mit uns zu tun? Das kennen wir doch. Da soll nach der deutschen Teilung zusammenwachsen, was zusammengehört. Von blühenden Landschaften erzählen die einen. Andere erleben das als Abwicklung ihres Lebenswerkes, als westliche Kolonisierung. Restitutionsansprüche schaffen zahlreiche Konflikte. Zwei unterschiedliche Erzählungen entstehen. Wie deuten wir unsere Situation, und welche Schlüsse ziehen wir daraus? Der Klimawandel zeigt sich immer deutlicher. Und wieder gibt es verschiedene Deutungen. Die einen sagen: Die Daten sind aufgebauscht. Alles nicht schlimm. Andere vertrauen auf technische Lösungen. Wieder andere halten eine grundsätzliche Änderung unseres Lebenswandels für notwendig. An Gottes Zeichen, sein unmittelbares Wirken glauben nur stramme Evangelikale. Die Forderung, in von der Flut zerstörten Gebieten zuerst die Kirchen wieder aufzubauen, würde bestenfalls ein Kopfschütteln hervorrufen. Vielleicht sind die Worte Haggais doch ein Hinweis. Nämlich dafür, dass wir für unsere Konflikte um den Klimawandel treffende Lösungen finden, wo das, was wir ‚säen‘ auch nachhaltig etwas einbringt, dass wir Lösungen finden, die Menschen nicht nur finanziell ‚satt‘ machen. Dass wir nicht in einen ‚löchrigen‘ Beutel investieren, so dass wir am Ende frierend und lebensdurstig dastehen. Also, dass wir unseren Lebenswandel deuten und angemessene Schlüsse daraus ziehen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Monat September.

P. i.R. J.-Stephan Lorenz, Urb. Sesmarias, Lote 84, 960 244 439; Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 Deutschsprachige Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve (DEKA)

 

Gottesdienst am 21. Sonnntag nach Trinitatis 2021

Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem. Römer 12

Glockengeläut 

 –  Musik Bachkantate 188 Unerforschlich ist die Weise 

Salutatio:
P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, P+G: der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Confiteor:
„Das Zeugnis des Herrn ist gewiss und macht Unverständige weise. Seine Gebote sind lauter und erleuchten die Augen.“ – so lesen wir lesen wir gleich im 19. Psalm. Glauben wir, dass Gottes Weisungen unsere Augen erleuchten? Das möge jeder für sich entscheiden. Wir kommen im Gottesdienst zusammen, um uns an unsere Sehnsucht und Hoffnung nach Erleuchtung erinnern. Auf dass es Licht werde in unserem Verstande. Deshalb beten wir am Anfang: Gott, erbarme dich unser, vergib uns unsere Verblendungen. Lass uns diesen Gottesdienst mit einem unbeschwerten Herzen und fröhlichen Lippen feiern durch Christum, unseren Herrn. Und wir erhalten gleich zu Beginn die Antwort, die sich durch diesen ganzen Gottesdienst bestätigen möge: Gott hat sich unserer erbarmt, hat uns seinen Sohn geschenkt. Er vergibt uns. Alle, die das glauben können, wird sein Heiliger Geist leiten und der wird auch selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen.

Lied EG 155 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend 

Psalm 19
Die Zeugnisse Gottes sind gewiss und machen die Unverständigen weise. Seine Gebote sind lauter und erleuchten die Augen.
     Ehrfurcht vor Gott ist rein und bleibt ewig. Die Urteile Gottes sind Wahrheit. Durch sie lässt ein Mensch sich warnen; wer sie hält, der hat großen Lohn.
Wer merkt, wie oft er fehlt? Verzeihe mir meine verborgenen Sünden!
     Lass dir wohlgefallen die Rede meines Mundes und das Gespräch meines Herzens vor dir, Gott, mein Fels und Erlöser
Die Zeugnisse Gottes sind gewiss und machen die Unverständigen weise. Seine Gebote sind lauter und erleuchten die Augen.

Gloria
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
P: Kyrie eleison G: Herr erbarme dich
P: Christe eleison G: Christe erbarme dich
P: Kyrie eleison G: Herr erbarm dich über uns
P. Ehre sei Gott in der Höhe – G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen

Gloria in excelsis
Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum das nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgfalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.
P: Der Herr sei mit euch - G: Und mit deinem Geist.

Kollektengebet
Gott, der du uns tröstest in unserer Angst, sei uns gnädig und erhöre unser Gebet. Schau auf uns, auf deine Menschen. Du allein machst uns weise und heil. Halte uns in deiner Hand, dass wir deinen Weisungen folgen können. Das bitten wir durch Christus, deinen Sohn, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes uns Kraft und Mut gibt heute und für immer. Amen

Lied EG 377,1.3.4 Zieh an die Macht des Herrn 

Die Lesung des heutigen 21. Sonntages nach Trinitatis steht im Epheserbrief (6, 10-17)

Werdet stark im Herrn und in der gewaltigen, ihm innewohnenden Kraft. Ziehet die volle Waffenrüstung Gottes an, damit ihr gegen die listigen Anläufe des Teufels zu bestehen vermögt! Denn wir haben nicht mit Wesen von Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit den Mächten, mit den Gewalten, mit den Beherrschern dieser Welt der Finsternis, mit den bösen Geisterwesen in der Himmelswelt. Darum nehmt die volle Waffenrüstung Gottes zur Hand, damit ihr imstande seid, am bösen Tage Widerstand zu leisten, alles gut auszurichten und das Feld zu behaupten! So stehet also da, an den Hüften gegürtet mit Wahrheit, angetan mit dem Panzer der Gerechtigkeit, an den Füßen beschuht mit der Bereitschaft, die Heilsbotschaft des Friedens zu verkünden! Zu dem allem ergreift noch den Großschild des Glaubens, mit dem ihr alle Brandgeschosse des Bösen zum Verlöschen werdet bringen können. Nehmet auch den Helm des Heils an euch und das Schwert des Geistes, nämlich das Wort Gottes.
Hallelujavers Halleluja. Halleluja. Halleluja. Von Gnade und Recht will ich singen, und Dir Gott, Lob sagen. (Psalm 101,1) Halleluja. Halleluja. Halleluja

Lied EG 412 So jemand spricht 

Die Lesung des Evangeliums steht im Mattäusevangelium im 5. Kapitel (38 -48)
P+G: Ehre sei dir Herre

Ihr habt gehört, dass geboten worden ist: ›Auge um Auge und Zahn um Zahn!‹ Ich dagegen sage euch: Ihr sollt dem Bösen keinen Widerstand leisten; sondern wer dich auf die rechte Wange schlägt, dem halte auch die andere hin, und wer mit dir einen Rechtsstreit anfangen und dir den Rock nehmen will, dem überlass auch noch den Mantel, und wer dich zu einer Meile Weges nötigt, mit dem gehe zwei. Wer dich bittet, dem gib, und wer von dir borgen will, den weise nicht ab! Ihr habt gehört, dass geboten worden ist; ›Du sollst deinen Nächsten lieben, und deinen Feind hassen!‹ Ich dagegen sage euch: Liebet eure Feinde und betet für eure Verfolger, damit ihr euch als Söhne eures himmlischen Vaters erweist. Denn er lässt seine Sonne über Böse und Gute aufgehen und lässt regnen auf Gerechte und Ungerechte. Denn wenn ihr die liebt, die euch lieben, welches Verdienst habt ihr da? Tun das nicht auch die Zöllner? Und wenn ihr nur eure Freunde grüßt, was tut ihr da Besonderes? Tun das nicht auch die Heiden? Darum sollt ihr vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.«

P+G: Lob sei Dir, o Christus

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied EG 390 Erneure mich o ewigs Licht 

Predigt (Matthäus 5, 38-48)
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Wenn Eltern sich trennen, geraten Kinder häufig in einen Loyalitätskonflikt. Es ist ein innerer Konflikt. Das oder die Kinder wollen zwei unterschiedlichen, sich gegenseitig ausschließenden Anforderungen gegenüber Vater und Mutter gerecht werden. Wollen weder Vater noch Mutter verlieren. Der Predigttext aus dem Evangelium des Matthäus beschreibt die Dynamik eines Loyalitätskonfliktes. Für wen soll ich mich entscheiden?

Meint nicht, dass ich kam, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich kam nicht, Frieden zu bringen, sondern das Schwert; denn ich kam, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und es werden eines Menschen Feinde seine Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter lieber hat als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer Sohn oder Tochter lieber hat als mich, ist meiner nicht würdig. Und wer nicht sein Kreuz nimmt und mir folgt - hinter mir her -, ist meiner nicht würdig. Wer seine Seele fand, wird sie verlieren. Und wer seine Seele meinetwegen verlor, wird sie finden. Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich sandte. Wer einen Propheten aufnimmt in eines Propheten Namen, wird eines Propheten Lohn empfangen. Und wer einen Gerechten aufnimmt in eines Gerechten Namen, wird eines Gerechten Lohn empfangen. Und wer immer einem dieser Geringen nur einen Becher kaltes Getränk zu trinken gibt im Namen eines Jüngers - wahrlich! - ich sage euch: Er wird auf keinen Fall seinen Lohn verlieren."
Scharfe Worte. Da brennt der Hut. Matthäus lässt keinen Zweifel, für wen sich die Menschen entscheiden sollen: Meiner nicht würdig…Wer euch aufnimmt, nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich sandte.

Hatte Jesus nicht unmittelbar vorher in der Bergpredigt verkündet: Selig sind die Frieden stiften, sie werden Kinder Gottes heißen. Und wenig später: Wer mit seinen Geschwistern zürnt, der ist des Gerichts schuldig; … wer seinen Bruder einen Idioten nennt, der ist des höllischen Feuers schuldig

Hier herrscht ein ganz anderer, rauer Ton: Ich kam, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und eine Tochter mit ihrer Mutter. Wie ist das zu verstehen?

Der Matthäustext ist das Ende einer Rede Jesu an seine Jünger. Er schickt sie hinaus in die Welt. Gibt ihnen seine Vollmacht. Auf Straßen und Plätzen sollen sie verkünden, das Reich Gottes sei ganz nahe: Macht die Kranken gesund, reinigt die Aussätzigen, weckt die Toten auf, treibt die Teufel aus. Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch. (10,8) Solches Tun und Verhalten kündigen Gottes Herrschaftan.

Ihr Reden und Handeln wird allerdings, so warnt er, auf erbitterten Widerstand stoßen. Jesus ist bewusst, dass er sie wie Schafe unter die Wölfe schickt. (10,16). Es wird aber ein Bruder den andern zum Tod überantworten und der Vater den Sohn, und die Kinder werden sich empören wider die Eltern und ihnen zum Tode helfen.

Matthäus weiß aus eigenen Erfahrung, dass Jesu Botschaft seine Nachfolgerinnen und Nachfolger in Loyalitätskonflikte stürzt: Ich kam, den Menschen zu entzweien mit seinem Vater und eine Tochter mit ihrer Mutter und eine Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter. Und es werden eines Menschen Feinde seine Hausgenossen sein. Wer Vater oder Mutter lieber hat als mich, ist meiner nicht würdig.

Matthäus schreibt sein Evangelium etwa um die Zeit des jüdischen Krieges (70 nach Christus), der mit der Eroberung Jerusalems und der Zerstörung des Tempels endete. Dieses Datum markiert eine Verschärfung der Konflikte mit der jüdischen Mutterreligion und der heidnischen Umwelt. Das Besondere an Matthäus ist, dass sein Evangelium sowohl Juden als auch Heidenchristen ansprechen will. Die Erfahrung der Christen, sowohl der Judenchristen als auch der Heidenchristen ist: Sie werden als 5. Kolonne, quinta columna, wie es ursprünglich im Spanischen heißt, wahrgenommen. Als Subversive, verdächtige Verräter heiligster Gefühle. Religio bedeutet ja Rückbindung, Loyalität gegenüber emotional tief Verankerten Wert-, Welt- und Gottesauffassungen. In der Religion geht’s immer ans Eingemachte. Die Botschaft von Jesus als dem Messias, dem Sohn Gottes, forderte sowohl die jüdische Religion als auch den römischen Staat heraus. Vor allem der antiken Religion gegründete politische Machtanspruch des Imperium führt in Loyalitätskonflikte. Der Kaiserkult war Kern der römischen Verfassung. Er hielt das Reich innerlich zusammen. Der Kaiser war ‚pontifex maximus‘, ein Brückenbauer aller Religionen der römischen Welt. War Garant für friedliche Zusammenleben der Gesellschaft. Wer sich dem entziehen will, ist ein Verfassungsfeind. Die Reaktion der staatlichen Behörden war entsprechend heftig. Hier liegt ein Grund für die Aggressivität, mit der Loyalitätskonflikte ausgetragen werden. Meint nicht, dass ich kam, Frieden auf die Erde zu bringen. Ich kam nicht, Frieden zu bringen, sondern das Schwert; denn ich kam, den Menschen zu entzweien… Matthäus beschreibt die Aggressivität unverblümt treffend, die die Nachfolger*innen Jesu zu spüren bekommen.

Erzählt der Pastor wieder von ‚anno dunnemals‘. Was haben die alten Geschichten mit uns zu tun? Werden sich manche wohl fragen.

Nun, Loyalitätskonflikte gibt es auch heute, nicht nur in Scheidungsfamilien, auch bei Übergängen im Leben, Aufnahme des Studiums, in Berufs- und Partnerwahl. Öffentlich wirksam finden sie sich in alle modernen Gesellschaften. Kleine Erinnerung. Als es in Folge der Aufklärung darum ging, jüdischen Mitbürgen die Bürgerechte zu verleihen (als erste taten das die französischen Revolutionäre), war eines der Hauptargumente: Juden sind auf Grund ihrer Religion illoyal, eine 5. Kolonne. Staatszersetzend. Als gleichberechtigte Staatsbürger nicht akzeptabel. Selbst ein aufgeklärter Theologe wie Schleiermacher vertrat die Auffassung, erst wenn Juden auf den Kern ihrer Religion verzichten, ihre Zeremonialgesetze und rituellen Handlungen, dann könne man ihnen volle Bürgerechte zugestehen. Nur ein sich selbst religiös kastrierender Jude ist ein guter Jude. Tatsächlich entschlossen sich viele Juden zum Übertritt ins Christentum (Marx, Heine). Geholfen hat es ihnen nichts.

Noch in meiner Anfangszeit als Pfarrer (1970) war es zwar möglich eine katholische Frau zu heiraten, aber Gemeindepfarrer wurde man dann nicht. Weil so einer illoyal gegenüber dem lutherischen Glauben ist, landet er im Archiv im Keller und staubt Akten ab.

Und heute? Man führe sich die Auseinandersetzung mit dem Islam vor Augen. Die Auseinandersetzungen um das Kopftuch(verbot), Schwimmunterricht für Mädchen sind uns bewusst. Moscheen gelten als generell verdächtig. In manchen Staaten werden sie vom Verfassungsschutz beobachtet. Sind Moslems, die es mit ihrer Religion ernst nehmen, loyal? Nein, sondern höchst verdächtig. Die Argumente gegen eine vollgültige Staatsbürgerschaft sind zum Teil die gleichen, die unsere Großväter vorgebracht haben: 5. Kolonne. Staatszersetzend. Lassen unsere Kultur auf verschwinden. Das gemeinsame Wort der evangelischen und katholischen Kirche zur Migrationspolitik, in diesen Tagen veröffentlich, ist überfällig. Andererseits kennen wir die Loyalitätskonflikte, von muslimischen Männern und Frauen. Ihr Bild von Männlichkeit und Ehre weichen von unseren Vorstellungen ab. Oft werden sie aggressiv gelöst. Enden tödlich. Loyalitätskonflikte sind mitnichten ein Thema von gestern. Ihre Aggressivität immer noch hoch. Oft tödlich. Die Augen davor zu verschließen, ist keine Lösung.

Was hat Matthäus seinen Christenleuten anzubieten? Modern gesprochen: Autonomie in zweierlei Weise. Einmal erinnert er an die ‚Goldene Regel‘, die zwar nicht christlichen Ursprungs ist, aber doch nach seiner Meinung das ganze jüdisch-christliche Gesetz zusammenfasst, nämlich die Gottes- und Nächstenliebe: Was du dir wünscht, das tu anderen. Das haben besonders die Heidenchristen verstanden.

Den zweiten Lösungsvorschlag empfiehlt er in der Bergpredigt. Auf einen Nenner gebracht. Ihr solltet nicht nur gut sein, was die Erfüllung des mosaischen Gesetzes anbetrifft, sondern besser. Nur so werdet ihr das Reich Gottes für alle plausibel vertreten. Lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, dass sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen (5,16).

Wer sich an der radikalen Ethik Jesu orientiert, dem gelten seine Verheißungen: Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen getröstet werden. Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden das Erdreich besitzen. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden Barmherzigkeit erlangen. Selig sind, die reines Herzens sind; denn sie werden Gott schauen. Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen. Selig sind, die um Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn das Himmelreich ist ihr. Selig seid ihr, wenn euch die Menschen um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei Übles gegen euch, so sie daran lügen. Seid fröhlich und getrost; es wird euch im Himmel wohl belohnt werden

Diese ethische Haltung, zu versuchen, gerecht, liebend, sanftmütig und reinen Herzen zu sein, streben wir nicht an, weil uns Verlustängste plagen, oder wir Anerkennung und Lob in unserer persönlichen oder gesellschaftlichen Umwelt suchen, sondern weil wir auf Gott und seinen Messias unsere Hoffnung setzen. Sind fröhlich und getrost. Es wird uns – wenn auch nicht gleich – belohnt werden.

Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in eurem Herzen, damit ihr sie nicht nur gehört habt, sondern auch im Alltag als wahr erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr endlich selig werdet, durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen

Lied EG 399 O Lebensbrünnlein tief und gross 

Fürbitte
P: Du Gott, hineingestellt hast du uns in diese Welt. Deine Schöpfung ist voller Wunder. Die Liebe unserer Nächsten macht uns glücklich. Die Sorge um die Zukunft beunruhigt uns. Höre unser Gebet. Wir rufen: Kyrie eleison

A: Gott, in einer Woche beginnt in Glasgow die Weltklimakonferenz.
Gib allen Teilnehmenden deinen Heiligen Geist, damit Verständigung gelingt und die notwendigen Entscheidungen getroffen werden.
Wir danken dir für unsere Kinder, die uns mahnen, deine Schöpfung zu bewahren. Wir rufen: Kyrie eleison

B: Gott, in Deutschland wird eine neue Bundesregierung gebildet, hier bei uns in Portugal versammeln sich die Vertreter der gewählten Juntas. Gib allen Vertretern deinen Heiligen Geist, damit sie einander achten, sich für Gerechtigkeit und den Frieden einsetzen. Wir danken für alle, die der Stadt Bestes suchen. Wir rufen: Kyrie eleison

P: Gott, gib uns deinen Heiligen Geist, damit wir dein Wort hören, in deiner Liebe bleiben und selbst Zeichen des Friedens setzten. Wir bitten dich für alle, die zu uns gehören, die unserem Herzen nahe sind. Wir bitten dich um deinen Segen für alle, die uns verlassen und für alle, die zu uns kommen. Gott, hineingestellt hast du uns in diese Welt. Im Namen Jesu Christi bitten wir dich für uns und deine Welt. Amen. Laudate omnes gentes.

Vater unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Demissio/Entlassung
P: Gehet hin im Frieden des Herrn – G: Gott sei ewiglich Dank - Lied EG 421 Verleih uns Frieden gnädiglich 

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Musik zum Ausgang Auf meinen lieben Gott trau ich in Angst und Not 

 

DEKA – Deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve. E-Mail¬: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Web: www.deka-algarve.com
Vorsitzende: Annemarie Webster: Tel. 282 356 231.
Pastor i.R. Stephan Lorenz: Tel: : 282 341 214; Mobil: 960 244 439; +49 171 68 20 295; 8400-565 Carvoeiro Uz Sesmarias 84. Wenn Sie mich sprechen wollen, rufen oder mailen Sie mich einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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