Gedankensplitter

Monatslosung Mai 2022  3. Johannesbrief 2

Mein Lieber, ich wünsche dir allseitiges Wohlergehen und Gesundheit so, wie es ja mit deiner Seele schon gut steht.

Ἀγαπητέ, περὶ πάντων εὔχομαί σε εὐοδοῦσθαι καὶ ὑγιαίνειν, καθὼς εὐοδοῦταί σου ἡ ψυχή.

Amado, desejo que te vá bem em todas as coisas e que tenhas saúde, assim como bem vai a tua alma.

Welchen lieben Menschen würde man das nicht wünschen wollen?! Wohlergehen, Gesundheit, eine fröhliche Seele. Diese Worte bilden den Anfang des 3. Briefes des Johannes an einen gewissen Gaius, Mitglied der Gemeinde. Ob der Evangelist Johannes der Verfasser des Briefes ist, lässt sich nicht klären. Aber er ist eine der frühesten Zeugnisse im Neuen Testament. Man vermutet als Entstehungsdatum 50 n.Chr. Ein durch und durch jüdisches Zeugnis. An die gerichtet, die sich in den Synagogengemeinde zur Gemeinschaft der Jesusanhänger zählen. Dafür gibt es drei gute Argumente. Johannes unterscheidet seine Leser*innen von Nichtjuden (ton ethnikon): „und nehmen von Nichtjuden keine Unterstützung an“. Luther übersetzt das mit dem Wort ‚Heiden‘. Die Boten Jesu seien ausgezogen „in seinem Namen“. Eine typisch jüdische Umschreibung des Gottesnamen. Luther übersetzt: „um Jesu Namens willen sind sie ausgezogen.“ Und christianisiert damit den Brief. Der dritte Hinweis findet sich am Ende: „Friede sei mit Dir“, ist eher eine jüdische, denn griechische Formulierung. Wie in vielen neutestamentlichen Briefen ist der Anlass ein Konflikt, in dem sich Johannes positioniert. Da ist ein ‚Guter‘, Gaius und ein ‚Böser‘, Diotrefes (der Fütterer). Es geht um Gastfreundschaft für umherziehende, missionierende Brüder. Diotrefes verweigert ihnen nicht nur die Gastfreundschaft, sondern hindert auch andere daran, und schmeißt sie raus. Umherwandernde Prediger, die sich von Gemeinden aushalten ließen, waren tatsächlich ein Problem der noch jungen Gemeinschaft. Auch Paulus wehrt sich gegen ‚falsche Brüder‘. „Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter und verstellen sich als Apostel Christi“, schreibt er an die Korinther. (2.Kor. 11,13) Die Frage der Zugehörigkeit spielt im Christentum bis heute eine Rolle. Eine furchtbare Geschichte, bis in unsere Zeit. Wie entscheidet Johannes diese Frage? „Wandeln in der Wahrheit“, würde er sagen. Und die konkretisiert sich in der Aufnahme von Brüdern, zumal an fremden. Wer sie aufnimmt, sie unterstützt, ist ‚Gehilfe der Wahrheit‘. Denn, „wer Gutes tut, der ist von Gott.“ (V.11) Wahrheit ist nicht theoretisch, sondern ganz praktisch: liebevolle, zugewandte Praxis.

Um Gastfreundschaft sind auch wir gefragt. Der Krieg in der Ukraine hat eine Welle von Flüchtenden ausgelöst, meist Frauen mit kleinen Kindern. Selbst aus Russland fliehen Menschen vor dem Krieg. Auch jetzt ist die Wahrheit ganz praktisch. Wir nehmen die Flüchtlinge auf bis wieder Frieden herrscht und die Menschen zurückgehen können. So werden wir Gehilfen der Wahrheit. Fragt ein Rabbi, der täglich in der Synagoge geht, Gott ihn auch einmal zu besuchen. „Gut, sagt Gott, morgen komme ich.“ Der Rabbi bereitet den Besuch vor. Kommt ein Kind, riecht den Kuchen und fragt, ob er ein Stückchen haben könne. „Morgen ja, heute störst du, bekommt es zu Antwort“. Kommt ein Fremder und klopft, bitte um Trank und Speise. „Heute nicht, ich erwarte Besuch. Geh, du störst.“ Der Rabbi wartet. Kommt am Abend ein Bettler und bitte um eine Gabe. „Heute nicht, geh jetzt du störst“, wird er abgefertigt. Der Rabbi wartet, Gott kommt nicht. Erbost läuft er am nächsten Tag in die Synagoge und beschert sich bei Gott über sein Ausbleiben. Wütend ist er auf Gott. Der antwortet ihm. „Was willst du, dreimal war ich bei dir, aber erkannt hast du mich nicht.“ Mögen wir in denen, die zu uns kommen, Gott selbst erkennen als einen, der um unsere Hilfe bittet. Ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen Wohlergehen Gesundheit, und eine fröhliche Seele.

Stephan Lorenz, Urb. Sesmarias, Lote 84, 8400-565 Carvoeiro; 960 244 439

 

 

 Deutschsprachige Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve (DEKA)

Sonntag Rogate 22. Mai 2022

Gesegnet Gott, der mein Gebet nicht abwehrt, seine Huld nicht von mir! Psalm 66

Glockengeläut 

 –   Musik zum Anfang

Salutatio: P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. P: Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, P+G: der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Confiteor: Gesegnet Gott, der mein Gebet nicht abwehrt, seine Huld nicht von mir. So heißt es im Psalm 66. Wir hören das. Spiegelt es unsere Erfahrung wider? Ist unser Erleben nicht oft von dem Gedanken geprägt: noch nicht einmal Gott hört mich, geschweige denn, dass er mir gnädig ist. Vertrauen wir, dass Gott uns hört, und gütig zu uns ist? Wir sind hier, um Gottes Wort zu hören. Wir erinnern und stärken uns in unserer Hoffnung, dass Gott uns hört, sieht und uns gnädig ist. Denn unsere Erfahrung lehrt uns ja auch: wir machen mit dem Gedanken, wir wären von Gott verlassen, unser eigenes oft schwerer, als es ohnehin schon ist. Deshalb beten wir am Anfang: Gott, erbarme dich, vergib uns unseren kleinen Glauben, führe uns einem guten Leben. Lass uns mit einem unbeschwerten Herzen und fröhlichen Lippen diesen Gottesdienst feiern durch Christum, der unser Bruder ist. Und wir erhalten zur Antwort: Gott erbarmt sich, in Jesus Christus begegnet er uns, und versteht uns. Alle, die darauf vertrauen sind Gottes Kinder und leben durch seinen Heiligen Geist. So werden wir selig. Das verleihe Gott uns allen. Amen

Lied EG 166 Tut mir auf die schöne Pforte 

Psalm 95

Halleluja. Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft – Halleluja - noch seine Güte von mir wendet.

     Kommt herzu, lasst uns dem Herrn frohlocken und jauchzen dem Hort unseres Heils.

Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen.

     Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem Herrn, der uns gemacht hat.

Denn ER ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide.

     Halleluja. Mit fröhlichen Schall verkündet dies und lasst es hören, Halleluja! Der Herr hat sein Volk erlöst. Halleluja!

Gloria:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

P: Kyrie eleison          G: Herr erbarme dich

P: Christe eleison         G: Christe erbarme dich

P: Kyrie eleison G: Herr erbarm dich über uns

P. Ehre sei Gott in der Höhe – G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen

Gloria in excelsis:

Allein Gott in der Höh‘ sei Ehr‘ und Dank für seine Gnade, darum das nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgfalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn‘ Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

P: Der Herr sei mit euch - G: Und mit deinem Geist.

Kollektengebet: Gott, der Du uns tröstest in unserer Angst, sei uns gnädig und erhöre unser Gebet. Von DIR kommt das Gute, Vollkommene, wir sind fehlbare, von Irrtum zu Irrtum uns vortastende Menschen. Wir bitten DICH: erleuchte uns durch deinen Geist, damit wir erkennen, was gut und gerecht ist. Und gibt uns auch die Kraft, es zu tun. Lehre uns beten, lass uns merken, wieviel Lebenshilfe von DIR kommt. Das bitten wir im Namen Jesu Christi, der mit DIR und dem Heiligen Geist uns lebendig macht, heute und für immer. Amen

Lied EG 107 Wir danken dir Herr Jesu Christ 

Lesung aus dem Alten Testament Genesis (11,1-9)

„1 Alle Bewohner der Erde aber hatten eine Sprache und ein und dieselben Worte.

2 Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Schinar und ließen sich dort nieder.

3 Und sie sagten zueinander: Auf, wir wollen Ziegel formen und sie hart brennen. So diente ihnen der Ziegel als Baustein, und der Asphalt diente ihnen als Mörtel.

4 Und sie sagten: Auf, wir wollen eine Stadt bauen und einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht, und uns so einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.

5 Da stieg der HERR herab, um die Stadt zu besehen und den Turm, die die Menschen bauten.

6 Und der HERR sprach: Sieh, alle sind ein Volk und haben eine Sprache. Und dies ist erst der Anfang ihres Tuns. Nun wird ihnen nichts mehr unmöglich sein, was immer sie sich zu tun vornehmen.

7 Auf, lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner mehr die Sprache des andern versteht.

8 Und der HERR zerstreute sie von dort über die ganze Erde, und sie ließen davon ab, die Stadt zu bauen.

9 Darum nannte man sie Babel, denn dort hat der Herr die Sprache aller Bewohner der Erde verwirrt, und von dort hat der HERR sie über die ganze Erde zerstreut.“

Lied: EG 155 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend 

Lesung aus dem Evangelium des Mattäus (16, 13-19)

P+G: Ehre sei Dir, Herre

16,13 Jesus aber, (nachdem er) in das Gebiet von Cäsarea Philippi gekommen (war), fragte seine Jünger, und sprach: „Für wen halten die Leute den Sohn des Menschen?“

14 Da sagten sie: „Die einen (für) Johannes den Täufer, andere aber (für) Elija, noch andere (für) Jeremia oder (für) einen anderen der Propheten.“

15 Er sagt zu ihnen: „Ihr aber, für wen haltet Ihr mich?“

16 Da antwortete Simon Petrus (und) sagte: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“

17 Antwortend aber sagte Jesus zu ihm: „Selig bist Du, Simon Barjona, weil nicht Fleisch und Blut Dir (dies) offenbart haben, sondern mein Vater in den Himmeln.

18 Und ich auch sage Dir: „Du bist ein Fels, Petrus, und auf diesen Felsen werde ich bauen meine Kirche, und die Tore des Totenreichs werden nicht den Sieg davontragen über sie.

19 Ich werde Dir die Schlüssel des Reiches der Himmel geben, und was Du bindest auf der Erde, wird gebunden sein in den Himmeln, und was Du löst auf der Erde, wird gelöst sein in den Himmeln.

P+G: Lob sei DIR o Christus

Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied EG 114 Wach auf, mein Herz 

Predigt (Cornelia Cornels-Selke)

Liebe Gemeinde, ich darf heute zu Ihnen sprechen. Die Textstelle für die heutige Predigt des Neuen Testamentes ist einerseits ein Motto, das gut zu den Felsen der Algarve passt, und andererseits macht sie uns etwas Wichtiges deutlich. Deshalb habe ich sie ausgewählt.

„Gefallen, gefallen ist Babel“ (Jes. 21,9)

Liebe Gemeinde

Wir haben eben zunächst in der Alttestamentlichen Lesung über den Turmbau zu Babel gehört, wie es, nach Meinung der Alttestamentlichen Schreiber, misslingen wird, ein Gebäude, eine Stadt, (und wir können dies übertragen sehen) eine Gemeinde, einen Staat - oder auch nur ein einzelnes Leben zu erbauen: Man verlässt sich auf das Materielle - denn es wird irdisches Material eingesetzt - man will das Höchste sein und haben - es steht dort, das Erbaute soll alles andere überragen, soll bis an den Himmel reichen - Gott wird nicht erwähnt, man will sich selbst ein Denkmal setzen. Zerstörung und Zerstreuung sind die Resultate.

Seit Alttestamentlichen Zeiten kennt der Mensch diese Geschichte und wird sie als Symbol für das falsche Verhalten verstanden. Und so war sie auch Thomas Jefferson bekannt, der einst, es war noch zu Zeiten der Sklaverei, gesagt hat: „I tremble for my country, when I reflect that God is just; that his justice cannot sleep forever.“

Grob übersetzt heißt dies: „Ich zittere für mein Land, wenn ich daran denke, dass Gott Gerechtigkeit ist und dass seine Gerechtigkeit nicht immerzu schlafen wird“.

Wahrhaft prophetisch war diese Aussage, sollte doch knapp 100 Jahre später der amerikanische Süden nach den Sezessionskriegen (in denen es um Sklavenhaltung ging) als verbrannte Erde zurückbleiben. Was Thomas Jefferson wohl heute sagen würde?

Sich selbst erhöhen, andere unterdrücken ist der falsche Weg, so sagt es jedenfalls das Alte Testament.

Wie aber machen wir es richtig? Das ist für jeden Einzelnen von uns wichtig, wir wollen, dass unser Leben gelingt, nicht wahr? Auch in der großen Politik ist es damals wie heute ein aktuelles Thema.

Durch Jesus Christus bekommen wir Hoffnung. Während in Babel einer den anderen nicht mehr verstand und alles zerfiel, ist den Menschen durch die Worte Jesu in diesem Text genau das Gegenteil geschenkt worden.

Erinnern wir uns: Petrus sprach und jeder verstand ihn, einer verstand den anderen und die Gemeinde konnte aufgebaut werden. Während die Geschichte des Turmbaus zu Babel ein absolutes Ende darstellt, haben wir mit der gelesenen Stelle im Neuen Testament die Urzelle der Geburtsstunde der christlichen Kirche. Und: Der christliche Glaube hat sich ja tatsächlich langlebig gezeigt, sonst säßen wir heute, grob 2000 Jahre später, nicht hier zusammen.

Die heutige Lesung aus dem Neuen Testament erklärt uns die Hintergründe für dieses Geschenk. Lassen Sie uns die Begebenheit noch einmal ansehen: Damals erzählte man sich anscheinend so dies und das über den Menschen, der da Wunder tat und Zeichen setzte und es gab viele Gerüchte, überall hörte man etwas anderes. Die Pharisäer hatten Jesus gerade erneut herausgefordert, doch mal ein Zeichen zu geben, als seien die vielen Heilungen, die Stillung des Seesturmes, die Speisung der Viertausend, von denen vorher berichtet wurde, reine Zufallsprodukte gewesen. In Nazareth rief man ihm hinterher, „ach, das ist doch der Sohn des Zimmermanns!“ Johannes, der Täufer, hatte nachfragen lassen: „Bist Du der, den wir alle erwarten?“ Und Herodes wollte Jesus gefangen nehmen, weil er ihn für Johannes hielt.

So führt Jesus seine Jünger nun nach Cäsarea Philippi, den Quellort des Jordans, um mit ihnen gemeinsam der Wahrheit nach zu spüren. Und er fragt seine Jünger zunächst, für wen die Leute ihn hielten und bekommt als Antwort verschiedenste Möglichkeiten. Dann fragt er gezielt nach: „Ihr aber, für wen haltet Ihr mich?“.

Ja, liebe Gemeinde, das ist die Frage: „Für wen halten Sie, ein jeder/eine jede von Ihnen, diesen Jesus?“

Im Satz danach steht die Antwort. Der Jünger Simon Petrus gibt sie, derselbe Petrus, der, ich erwähnte es schon, später an Pfingsten die großartige Rede hält, in deren Folge sich an die 3000 Menschen taufen lassen, wodurch sich die christliche Kirche begründet und der voller Überzeugung vieles auf sich nimmt, um die Christenheit zu stärken.

Seine Antwort lautet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“

Und das ist die Quintessenz. Sollten Sie eben kurz unsicher gewesen sein, wie Sie zu der Frage Jesu stehen oder welche Antwort man geben könne, dies könnte sie sein, sie ist uns schon als Möglichkeit gegeben. Wenn wir sie denn annehmen können. Der Evangelist, der das Matthäusevangelium geschrieben hat, will es uns ganz deutlich machen, denn er gibt uns direkt auch die Reaktion von Jesus, den Christus, dazu.

„Selig bist Du!“

Und im folgenden Satz macht Jesus deutlich warum, nämlich, weil sich Simon Petrus hier nicht auf seine irdischen (Fleisch und Blut) Grundlagen und Wahrnehmungen verlassen hat, sondern, dass er in diesem Moment eine höhere Erkenntnis (vom Vater in den Himmeln) hatte und ausgesprochen hat. Jesus nimmt dies in der Antwort von Petrus wahr und nimmt es zum Anlass, deutlich zu sagen: „Du bist ein Fels, Petrus…“. Und führt sogleich weiter aus „…und auf diesen Felsen werde ich bauen meine Kirche…“.

Das also ist das Rezept für einen gelingenden Aufbau: Eine Verbindung zu Gott. Keine irdischen Gaben, sondern etwas, was weit darüber hinaus geht, eine Verbindung zu Gott. Die daraus entstehende Sicherheit im Sprechen und im Handeln, das ist das nötige Fundament und, wie Jesus weiter deutlich sagt: „… und die Tore des Totenreiches werden nicht den Sieg davontragen…“, also auch der Garant für Langlebigkeit.

So ein erleuchteter Mensch, der mit Gott verbunden ist, von dort Offenbarungen erhält und sich ihnen anvertraut, der ist die rechte Grundlage, ein Felsen. Jesus selbst hat in einem Gleichnis früher bereits deutlich gemacht, dass derjenige, der seine Worte höre und sie tue, einem gleiche, der sein Haus auf Felsen baue und hat gleichzeitig verdeutlicht, dass ein Haus auf Felsen gebaut werden müsse, damit es sicher stehe (Mt 7,24f). Diesmal aber kommt Erkenntnis von einem seiner Jünger und endlich zeigt sich, dass die Jünger, in diesem Falle Petrus, beginnen zu begreifen. Dass sie nicht mehr nur Jesus anstaunen, sondern dass sie beginnen zu glauben und zu erfassen, dass dieser Jesus wahrhaftig der Sohn Gottes ist und welche Gabe Gott ihnen mit seinem Sohn an die Seite gestellt hat, wie lebendig Gott in ihrem Leben ist.

Ja, so einem erleuchteten Menschen kann Jesus, kann man die Schlüssel anvertrauen. Das ist verständlich.

Jesus sagt also deutlich, dass derjenige, der seine Erkenntnisse nicht auf Irdisches begründe, sondern von seinem Vater in den Himmeln erlange, und damit zur festen Grundlage für das rechte Gelingen geworden sei, auch Anteil an seiner, Jesu, Vollmacht erhalte.

Das ist eine Zusage an uns alle!

Jeder der Jünger, jeder von uns, der Jesu Frage: „Ihr aber, für wen haltet Ihr mich?“ mit dieser Sicherheit, wie Petrus, mit innerem Glauben so beantwortet: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes!“, - ist selig. Ist der Fels, auf den man bauen kann, erhält die „Schlüssel zum Himmel“, kann also verbindlich sprechen. Der Glaube stellt die Verbindung zu Gott her, der Glaube liefert die Erkenntnis, der Glaube liefert also die feste Grundlage für alles, sei es das eigene Leben, sei es ein Haus, sei es eine Gemeinde oder, wie hier im Text, die ganze christliche Kirche.

Liebe Gemeinde, am Sonntag „Rogate“ geht um das erfüllte Gebet. Aber wer von uns würde beten, wenn da nicht ein Fitzelchen Glaube wäre? Der Glaube, unser Glaube, öffnet also unsere Tür zu Gott.

Nun könnten wir einwenden, Petrus, der Name sage es ja schon, heiße „Fels“ im Griechischen, der sei eben so sicher und super, der könne das, aber wir eben nicht. Wir sind halt menschlich und irdisch und schwach und unsicher und damit ganz anders.

Deshalb möchte ich Ihnen kurz noch folgende Geschichte im Neuen Testament, nur zwei Kapitel vor unserer Textstelle, vorlesen. Sie steht bei Matthäus 14, 28-32: Die Jünger befinden sich im Boot auf dem See Genezareth in Seenot und Jesus geht über das Wasser zu ihnen, da sagt Petrus zu ihm: 28 … „Herr, bist Du es, so heiße mich zu Dir auf das Wasser kommen. 29 Er aber sprach: „Komm!“ Und Petrus stieg aus dem Schiff und wandelte auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. 30 Doch als er den Wind sah, fürchtete er sich, und da er anfing zu sinken, schrie er: „Herr, rette mich!“ 31 Alsbald aber streckte Jesus die Hand aus, ergriff ihn und sprach zu ihm: „Du Kleingläubiger, warum hast Du gezweifelt?“ 32 Und als sie ins Schiff gestiegen waren, legte sich der Wind …

Auch Petrus war nicht immer so sicher und klar, auch ihn hat diese Erkenntnis, dass Jesus der Christus sei, erst nach verschiedensten Erlebnissen, in denen er unsicher und ängstlich war, erreichen können. Und bereits drei Verse nach unserer heutigen Textstelle mit dem Petrus Bekenntnis sagt Petrus auch schon wieder komplett das Falsche, sodass Jesus ihn zurechtweisen muss. Petrus ist also nicht der Supermann, zumindest nicht so bei Matthäus dargestellt, auch er muss immer wieder nachfragen. Aber er ringt um Erkenntnis, er ruft bei Angst nach Jesus „Herr, rette mich!“ und er findet dort Sicherheit und Rettung. So wird er immer sicherer und klarer. Bis er es laut und vor anderen aussprechen kann: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Bis er später, an Pfingsten, die Geburtsstunde der christlichen Kirche sicher mittragen kann.

Liebe Gemeinde, ist uns nicht allen schon einmal etwas widerfahren, wo wir knapp, ganz knapp errettet wurden? Lassen Sie uns einmal nachdenken. Gibt es etwas in Ihrem Leben, wo Sie das sichere Gefühl haben: „Dass das damals gut gegangen ist, das grenzt eigentlich an ein Wunder.“ Ich könnte Ihnen Verschiedenstes aus meinem Leben berichten, wo wirklich, wirklich nicht ich die Rettung hatte, ich selbst war entweder völlig überfordert oder gar nicht gewahr, dass ich in Gefahr war. Aber hinterher, als irgendwie doch alles geglückt war, da musste ich mir sagen: „Dass das gut gegangen ist, da kann ich nur dankbar sein, ich selbst hätte gar nichts ausrichten können.“ Wie ist es bei Ihnen?

Und doch, auch wenn wir mehrfach solche Erlebnisse hatten, sind wir anscheinend geneigt, dies unter „Zufall“ oder „ganz großer Zufall“ zu verbuchen, abzuhaken und zu vergessen, statt – und das ist es, was wir von Petrus lernen können – unseren Glauben, unsere Sicherheit in Gott, in Gottes Schutz und Gottes Liebe, die Erkenntnis, dass Jesus der Christus ist, dass er unsere Verbindung zu Gott ist, wachsen zu lassen.

So bitte ich Sie alle: Denken Sie doch einmal nach, bitte, was in Ihrem persönlichen Leben trotz widriger Umstände gut gegangen ist, wo Sie gerettet wurden – und Rettung im Sturm ist hier an der Algarve oder auf dem Atlantik durchaus eine reale Möglichkeit. Schreiben Sie es auf, damit es Ihnen nun als Erfahrung und Grundlage erhalten bleibt und schreiben Sie alles Neue in dieser Hinsicht dazu, Sie werden merken, Ihr Leben ist eine Aneinanderreihung dieser Ereignisse. Auch in einem schweren Leben lassen sie sich finden. Und, sollten wir mit unserer eigenen inneren Erkenntnis noch nicht ganz da angekommen sein, wo Petrus seine Antwort geben konnte, so können wir uns an seiner sicheren, festen Aussage aber anlehnen und vielleicht emporranken.

Wir können seine Aussage als unsere Zielsetzung verstehen, denn wir wollen ja sicherer werden in unserem Leben, wir wollen ja, dass es gelingt und wir wissen nun, wie es gelingen könnte.

Und wir werden gleichzeitig - alle miteinander - erleben, wie wir außerdem gemeinsam sicherer werden.

Diese Gemeinde, die so lebendig miteinander und füreinander betet, die hier fern von Deutschland zusammenhalten will, kann fähig sein, mit Hilfe von Jesus Christus, die Tür zu Gott weiter auf zu machen, die restlichen Unsicherheiten über Bord zu werfen und voller Sicherheit zu vertrauen. Damit sind alle, aus der ganzen Gemeinde, fähig, die Stürme des Lebens, die Stürme rund um uns herum, die Stürme hier in der Gemeinde, und auch die Stürme in der Nation sicher zu überstehen.

Lassen sie uns einander in dieser Sicherheit bestärken, sodass wir gemeinsam in die Verheißung Jesu Christi hineinwachsen. Bis wir mit innerster Überzeugung die Antwort geben können, die Petrus gegeben hat: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“

Bis wir gemeinsam der Fels sind, von dem Jesus spricht, auf den Gott seine Gemeinde, seine Kirche, seine Christenheit dauerhaft bauen kann, dem er seine Himmelsschlüssel gibt und Anteil an seinem Guten gewährt.

Lassen Sie uns das alle gemeinsam erleben! Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Jesus Christus (Phil 4,7).

Lied EG 100 Wir wollen alle fröhlich sein 

Abkündigungen

1. Den nächsten Gottesdienst am Sonntag Exaudi feiern wir am 29. Mai. Beginn 11 Uhr

2. Die aktuellen Termine finden Sie immer auf unsere Webseite. www.deka-algarve.com

3. Der Chor trifft sich zur Probe am Donnerstag, dem 26. Mai Um 17:30 Uhr in der Kapelle.

4. Der Gesprächskreis trifft sich am Dienstag, dem 24. Mai 2022 um 15 Uhr im Pfarrhaus. Thema Himmelfahrt

5. Die Kollekte des Gottesdienstes des Gottesdienstes am letzten Sonntag ergab 50,90€. Hinweis auf Spenden für die Foodbank unserer katholischen Schwestergemeinde. Gott segne Geber und Gaben.

6. Einladung zum gemeinsamen Essen im Restaurant Taste.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

Lied EG 116 Er ist erstanden, Halleluja 

Fürbittengebet (Cornelia Cornels-Selke)

P: Liebe Gemeinde. Es gibt manchen Anlass, sich Sorgen zu machen oder Wünsche zu haben oder aber auch zu danken. Das kann unser eigenes Leben betreffen, oder das von unseren Lieben - aber auch die Situation hier auf der Erde. Lassen Sie uns zunächst kurz im Stillen beten, sodass wir jetzt innerlich die Menschen und Situationen benennen, die Gottes Zuwendung nötig haben.

Stilles Gebet

P: Guter Gott, wir danken Dir für jede Gabe, die Du uns in unserem bisherigen Leben gegeben hast. Wir danken Dir, dass Du uns unser Leben gegeben hast, - auch heute morgen wieder. Wir danken Dir für jede Rettung, die Du jetzt gerade auf den Weg schickst. Wir sind kaum fähig, Deine Größe und Tiefe zu erfassen. Aber wir ahnen, dass unser Glaube dafür entscheidend ist, wieweit wir unser Herz für Dich öffnen können, wieweit wir unser Leben aufmachen für Dein Gutes. Bitte stärke den Glauben von uns Menschen. Wir rufen: Kyrie eleison.

B: Manchmal haben wir Zweifel, manchmal Mutlosigkeit oder sind zurückgeworfen. Vielleicht trauen wir uns nicht, uns an Dich zu wenden. Wo wir Dich nicht finden, finde Du uns. Bitte hilf uns und den anderen, uns zu öffnen für all Dein Gutes. Bitte fülle uns mit Deinem Geist und umgib uns mit Deinem Segen. Vater, lass uns spüren, dass Du mit göttlicher Liebe zugegen bist. dass Du Lösungen hast, wo wir nicht weiter wissen. dass Du uns Sicherheit gibst, wo wir Zweifel haben. Dass Du bei uns bist und unsere Gebete erhörst.  Wir rufen: Kyrie eleison

C: Herr, auch, wenn es uns selbst gut geht, schauen wir doch um uns herum und sehen Traurigkeit bei Großen und bei Kleinen. – Krankheit, Zerstörung und Tod sind so übermächtig in der Welt. Manchmal haben wir das Gefühl, wir machen die ganze Welt kaputt und sind sehr traurig und es tut uns alles sehr leid. Es scheint, als hätten wir den Weg verloren. Wir haben das Gefühl, unseren Kindern einen Berg von Problemen zu hinterlassen. Bitte, hilf uns zurück. Wir rufen: Kyrie eleison

P: Guter Gott, hilf uns, wieder Hoffnung zu finden und unsere Hoffnungen in einen sicheren stabilen Glauben hinein wachsen zu lassen. Ein Glaube, der uns wagen lässt, Türen zu öffnen und Taten zu tun. Der uns leuchten lässt, der uns Mut gibt, ein Licht für diese Welt zu sein. Statt uns von all den Sorgen und schlechten Nachrichten lähmen zu lassen, wollen wir uns wieder und wieder im Gebet an Dich wenden, uns Deiner Hilfe anvertrauen und uns mit Dir auf den Weg machen. Dein Wille geschehe. Wir bitten Dich im Namen Jesu Christi, der für uns vom Tod auferstanden ist. Amen Laudate omnes gentes

 Vater unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Demissio/Entlassung

P: Gehet hin im Frieden des Herrn. G: Gott sei ewiglich Dank Lied 421 Verleih uns Frieden gnädiglich 

Segen

Gott segne Dich und behüte Dich, Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig, Gott erhebe sein Angesicht auf Dich und Schenke Dir seinen Frieden. Amen

Musik 

DEKA – Deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve. E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Web: www.deka-algarve.com
Vorsitzende: Annemarie Webster: Tel. 282 356 231.
Pastor i.R. Stephan Lorenz: Tel: : 282 341 214; Mobil: 960 244 439; +49 171 68 20 295; 8400-565 Carvoeiro Uz Sesmarias 84. Wenn Sie mich sprechen wollen, rufen oder mailen Sie mich einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Unsere Gemeindearbeit finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wir freuen uns über jede Spende auf unser Konto IBAN : PT50 0045 7063 4029 9611 0208 7 BIC : CCCMPTPL - 

 

 

 

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