Gedankensplitter

Monatslosung Oktober 2022  Offenbarung 15,3

Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker!

Μεγάλα καὶ θαυμαστὰ τὰ ἔργα σου, κύριε ὁ θεὸς ὁ παντοκράτωρ· δίκαιαι καὶ ἀληθιναὶ αἱ ὁδοί σου, ὁ βασιλεὺς τῶν ἐθνῶν.

Die Worte stehen im letzten Buch der Bibel, der Offenbarung. Ein schwer verständliches Buch. Es nennt sich selbst Apokalypse, Enthüllung letzter Geheimnisse, und Prophezeiung, Mitteilung göttlicher Absichten. Verfasser ist nicht der gleichnamige Apostel Johannes, sondern ein unbekannter judenchristlicher ‚Prophet‘, der wohl in Kleinasien, also der heutigen Türkei lebte. Unklar die Abfassungszeit. Manche meinen vor der Zerstörung des Tempels, 70n.Chr, andere, wie Kirchenvater Irenäus, um 95 n. Chr. zur Zeit des Kaiser Domitian. Das Buch beginnt mit Briefen an sieben kleinasiatische Gemeinden (z.Bsp Ephesus, Smyrna, Pergamon), gefolgt von prophetischen Visionen, bekannt sind die Reiter der Apokalypse. Auf das Jüngste Gericht (Erde und Himmel verschwinden, das Buch des Lebens wird aufgeschlagen, die Toten stehen auf und werden nach ihren Werken gerichtet. Der Tod und sein Reich werden in den Feuersee geworfen) folgt die Entstehung der neuen Welt (Himmel und Erde entstehen neu, mit ihnen das neue Jerusalem. Gott wohnt mit den Menschen. Weder Tod noch Leid, gibt es, alle Tränen werden abgewischt. Vom Thron Gottes fließt das Wasser des Lebens.) Die Offenbarung ist der Versuch einer Antwort auf die zunehmende Verfolgung der Christusanhänger. Wie soll man das ganze Unglück verstehen, damit umgehen? Man lebt in der Erwartung der baldigen Rückkehr des Messias. Die Repressionen des römischen Staates, das erlittene Leid werden als Zeichen des kommenden Endes gedeutet. Die endgültige Erlösung, die Befreiung von Tod und Leid ist nahe. Dazu passt unsere Losung: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker! Es ist ein Vers aus einem alten, Mose zugeschriebenen Lied. Es erinnert an die Durchquerung der Israeliten durch das Schilfmeer. Die Armee des Pharao war ihnen auf den Fersen, alles Leben bedroht, durch den Eingriff Gottes werden sie gerettet. Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker! – das antizipiert die Freude, die Erleichterung, die herrscht, wenn Gott seine Menschen errettet. Wir leben nicht in apokalyptischen Zeiten, obwohl manche sich angesichts der Unsicherheiten des kommenden Herbstes und Winters so fühlen mögen, weil sie nicht wissen, wie sie ihre Rechnungen bezahlen werden. Der Krieg in der Ukraine, das sinnlose Sterben, die Angst ums nackte Überleben wird so bald nicht aufhören. Es werden weiter Flüchtlinge über das Mittelmeer kommen. Die Veränderungen unseres Klimas werden nicht aufhören. Aber, das ist nicht das Ende der Welt. Wohl aber fordern sie uns alle betreffende Veränderungen unserer Lebensziele und unseres Lebensstils. Möge Gott uns leiten mit seinem Wort, auf dass wir gerechte und wahrhaftige Wege finden durch das Meer der Probleme, das vor uns liegt. Vielleicht werden wir nasse Füße bekommen, aber untergehen werden wir nicht. Und letztendlich mögen auch wir singen: Groß und wunderbar sind deine Werke, Herr, allmächtiger Gott! Gerecht und wahrhaftig sind deine Wege, du König der Völker!

Ich wünsche Ihnen einen schönen Oktober!

Stephan Lorenz, Urb. Sesmarias, Lote 84, 8400-565 Carvoeiro; 960 244 439

 

 

 Deutschsprachige Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve (DEKA)

Erntedankfest 2 Oktober 2022

Aller Augen warten auf DICH, und DU gibst ihnen Speise zur rechten Zeit. Psalm 145

Glockengeläut 

  -  Musik (Telemann, Nun danket alle Gott) 

Salutatio:
P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, P+G: der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Confiteor:
„Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter.“ - erzählt der 104.Psalm. Wir hören diese Worte, können wir das nachsprechen? Glauben wir, dass Gott alles weise geordnet hat? Ist es nicht so, dass wir oft die Welt und unser Leben voller Chaos erleben, ungeordnet und manchmal ganz ohne Gott. Wir nehmen unser Leben lieber selbst in die Hand? – Danach fragen wir Christen im Gottesdienst, und suchen in Gottes Wort Antwort. Denn wir wissen auch: Menschen machen bei dem Versuch ihre Ordnungen und Weisheiten durchzusetzen ihr eigenes und das Leben vieler anderer Menschen nicht eben besser. So bitten wir am Anfang: Gott, erbarme dich unser, vergib uns unseren Kleinglauben und führe uns zum ewigen Leben. Lass uns diesen Gottesdienst mit einem unbeschwerten Herzen und fröhlichen Lippen feiern durch Christum, unseren Herrn. Und wir erhalten gleich zu Beginn die Antwort, die sich im Gottesdienst zeigen möge: Gott hat sich unserer erbarmt, hat seinen Sohn zu uns geschickt. Er hat uns vergeben und alle, die das glauben können, sind Gottes Kinder. Sein Heiliger Geist wir mit uns sein und wir werden selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen.

Lied EG 317 Lobe den Herren den mächtigen König 

Psalm 104
Gott, wie sind deine Werke so groß und viel. Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter.
     Es warten alle auf Dich, dass DU ihnen Speise gibst zur rechten Zeit.
Wenn DU ihnen gibst, so sammeln sie; wenn DU deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
     Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, und DU machst neu die Gestalt der Erde.
Ich will Gott singen mein Leben lang und Ihn loben, solange ich bin. Halleluja
     Gott, wie sind deine Werke so groß und viel. Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter.

Gloria
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.
P: Kyrie eleison G: Herr erbarme dich
P: Christe eleison G: Christe erbarme dich
P: Kyrie eleison G: Herr erbarm dich über uns
P. Ehre sei Gott in der Höhe – G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen

Gloria in excelsis
Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum das nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgfalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.
P: Der Herr sei mit euch - G: Und mit deinem Geist.

Kollektengebet
Gott, Alle Augen warten auf Dich und Du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit. Wir danken Dir, dass Du unsere Arbeit mit Deinem Segen begleitest und uns auch dieses Jahr wieder Früchte hast sammeln lassen, wir bitten Dich: Segne und behüte auch die Saat Deines Wortes in unseren Herzen, damit wir Dir unsere Dankbarkeit auch mit den Früchten der Gerechtigkeit zeigen, wir bitten das durch Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir in der Einheit des Heiligen Geistes uns Kraft gibt heute und morgen. Amen.

Lied EG 502 Nun preiset alle Gottes Barmherzigkeit 

Die Lesung des heutigen Erntedankfestes steht im 2. Brief des Paulus an die Christen in Korinth
Wer kärglich sät, der wird auch kärglich ernten, und wer reichlich sät, der wird auch reichlich ernten. Jeder, wie er es sich im Herzen vorgenommen hat, nicht mit Unlust oder aus Zwang; denn »einen freudigen Geber hat Gott lieb«. Gott hat aber die Macht, euch mit jeglicher Gnadengabe reichlich zu segnen, auf dass ihr allezeit in jeder Hinsicht vollauf genug habt und reiche Mittel besitzt zu guten Werken jeder Art, wie geschrieben steht: »Er hat reichlich ausgeteilt, hat den Armen gespendet; seine Gerechtigkeit bleibt ewig bestehen.« Er aber, der dem Sämann Samen darreicht und Brot zur Speise, der wird auch euch die Aussaat darreichen und mehren und die Früchte eurer Gerechtigkeit wachsen lassen, so dass ihr mit allem reichlich ausgestattet werdet zur Erweisung jeder Mildtätigkeit, welche durch unsere Vermittlung die Danksagung gegen Gott bewirkt. Denn der durch diese Liebesgabe geleistete Dienst hilft nicht nur dem Mangel der Heiligen ab, sondern schafft auch reichen Segen durch viele an Gott gerichtete Dankgebete. Jene werden ja infolge eurer Bewährung bei diesem Liebeswerk Gott dafür preisen, dass ihr in eurem Bekenntnis zu der Heilsbotschaft Christi Gehorsam und in der Teilnahme für sie und für alle Aufrichtigkeit bewiesen habt. Dabei werden sie auch im Gebet für euch ihrer Sehnsucht nach euch Ausdruck geben wegen der Gnade Gottes, die sich überreich an euch erweist. Dank sei Gott für seine unaussprechlich reiche Gabe!
Hallelujavers Halleluja. Haleluja. Halleluja. Unseren Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön. (Psalm 147,1) Halleluja. Halleluja. Halleluja

Lied EG 504 Himmel, Erde, Luft und Meer 

Die Lesung des Evangeliums steht im Evangelium des Markus im 8. Kapitel (1-9)
P+G: Ehre sei dir Herre
Als in jenen Tagen wieder einmal eine große Volksmenge zugegen war und sie nichts zu essen hatten, rief Jesus seine Jünger herbei und sagte zu ihnen: »Mich jammert des Volkes; denn sie halten nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts zu essen;3und wenn ich sie nach Hause gehen lasse, ohne dass sie gegessen haben, so werden sie unterwegs verschmachten; sie sind ja auch zum Teil von weit her gekommen.« Da erwiderten ihm seine Jünger: »Woher sollte man diese hier in einer so öden Gegend mit Brot sättigen können?« Er fragte sie: »Wie viele Brote habt ihr?« Sie antworteten: »Sieben.« Da gebot er der Volksmenge, sich auf der Erde zu lagern; dann nahm er die sieben Brote, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab seinen Jüngern, damit diese sie austeilten; die legten sie dann der Volksmenge vor.7Sie hatten auch noch ein paar kleine Fische; er sprach den Segen über sie und ließ auch diese austeilen. So aßen sie denn und wurden satt; dann sammelten sie die übriggebliebenen Stücke, sieben Körbe voll. Es waren aber gegen viertausend Menschen, die er nun gehen ließ
P+G: Lob sei Dir, o Christus

Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.
Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Lied EG 508 Wir pflügen und wir streuen 

Predigt (5. Mose 8,7-18)
Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

Wir sind im 7. Jahrhundert vor Christus. Das kleine rückständige Juda hat Glück gehabt. Das Bruderland Israel ist von den Assyrern nach einem Aufstand kassiert worden. Viele gut ausgebildete Migranten kommen aus dem Norden und sorgen für wirtschaftlichen Aufschwung. Aus dem Provinzkaff Jerusalem wird eine richtig moderne Stadt. Unter den Könige Hiskia, seinem Sohn Manasse und Joschija stellen sich politische Stabilität und wirtschaftlicher Aufschwung ein. Aber, der größer gewordene Staat Juda muss auf eine neue Grundlage gestellt werden. Wird straff zentralisiert. Der Tempel in Jerusalem wird das einzige Heiligtum, ein strenger Monotheismus verpflichtend gemacht. Der Jhwh in Jerusalem wird der alleinige Gott und er ist einer. Neuerungen aber, gravierende Veränderung des Lebensstils sind politisch immer heikel, wie wir ja gerade heute erfahren. Man dreht nicht ungestraft am Gashahn. Die königlich-priesterliche Bürokratie greift zu einem Trick. Im Tempel ‚findet‘ sich bei Bauarbeiten zufällig ein Buch, das von Mose selbst stammt. Sein Inhalt: Mose letzter Lebenstag. Er verbringt ihn mit Reden an das versammelte Volk Israel, das sich auf die Überquerung des Jordan und die Eroberung des verheißenen Landes vorbereitet. Wir kennen dieses ‚neue‘ religiöse Staatsgesetz als 5. Buch Mose, nennen es ‚Deuteronomium‘ – Wiederholung des Gesetzes, weil es ältere Staats- und Religionsgesetzte Israels kommentiert. Die jüdische Bibel nennt es ‚Devarim‘ – Worte. Daraus hören wir jetzt einen Abschnitt:

Der Ewige, dein Gott, bringt dich in ein gutes Land, ein Land mit Wasserbächen, Quellen und Fluten, die in der Ebene und im Gebirge entspringen, in ein Land mit Weizen, Gerste, Wein, Feigen, Granatäpfeln, Ölbäumen und Honig, in ein Land, wo du nicht kümmerlich Brot essen wirst, wo dir nichts fehlt, in ein Land, wo du Eisenerz abbauen kannst. Du wirst essen, satt werden und den Ewigen, deinen Gott, preisen für das gute Land, das er dir gegeben. Hüte dich, den Ewigen, deinen Gott, nicht zu vergessen, indem du seine Gebote, Rechtsvorschriften und Satzungen, die ich dir heute gebiete, nicht bewahrst. Sonst könnte, wenn du isst, satt wirst, schöne Häuser baust und bewohnst, wenn deine Rinder und Schafe, Gold und Silber und alles, was dein ist, sich vermehrt, dein Herz hochmütig werden, und du vergisst den Ewigen, deinen Gott, der dich aus dem Land Ägypten, dem Sklavenhaus, geführt hat, (der dich geleitet hat in der großen und furchtbaren Wüste, wo Brandschlangen und Skorpione leben, wo Dürre und kein Wasser ist, der dir Wasser hervorsprudeln ließ aus dem Kieselfelsen, der dich in der Wüste mit dem Manna gespeist, das deine Väter nicht kannten, um dich zu demütigen und dich zu erproben, um dir am Ende wohlzutun,) und du sprichst in deinem Herzen: ,Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir dies Vermögen geschaffen!' Gedenke des Ewigen, deines Gottes, denn er ist es, der dir Kraft gibt, Vermögen zu schaffen, auf dass er seinen Bund halte, den er deinen Vätern geschworen, wie jetzt geschieht.

Die Botschaft der ‚Rede‘ ist klar. Den Menschen geht es gut in Juda. Wie uns hier. Sie haben satt zu essen und zu trinken, wirtschaftlich keine Not, ja es läuft hervorragend. Ein satter Bauch und ein kleiner Rausch machen leicht vergesslich. ‚Plenus venter non studet libenter‘ – sagt die Römer. ‚Ein voller Bauch studiert nicht gerne.‘ Das Verb ‚studere‘ bedeutet, sich um etwas bemühen. ‚Ein voller Bauch bemüht sich um nichts mehr.‘ Führt zu Blutleere im Gehirn, dazu, dass man denkt: Das, alles, meine Leistung!
Die Menschen in Israel – nur in Israel? - vergessen in ihrem Wohlstand den Segensgeber.  'Mose‘ erinnert: Als ihr noch schutzlos durch die Wüste geirrt seid und nichts hattet, wusstet ihr, dass alles von Gott kommt. Da war euch bewusst, dass Gott euch leitet in der großen, furchtbaren Wüste, wo Giftschlangen und Skorpione leben, wo Dürre und kein Wasser ist, wo Gott dir Wasser hervorsprudeln ließ aus dem Felsen, wo er dich mit dem Manna gespeist hat, das ihr nicht kanntet.
Deshalb gilt: wenn ihr jetzt reich seid, erinnert euch an eure frühere Armut. Wenn ihr jetzt frei und ungestört in diesem Land lebt, erinnert euch, dass ihr selbst Migranten seid, Fremdlinge, hier aufgenommen. Es ist Gottes Wille, dass ihr euren Wohlstand genießt. Nur, vergesst nicht wem ihr das verdankt. Dankbarkeit ist Denkarbeit, sich bemühen, ist Innehalten und Erinnerung: wie ist es gekommen, dass es mir so gut geht?

Die Tradition, dass jüdische Menschen dankend nach dem Essen beten, führt sich auf diese Stelle im Buch ‚Devarim‘ (Worte) zurück. Warum gebietet die Tora gerade nach dem Essen das Dankgebet? Weil der bereits gesättigte Mensch viel leichter vergisst, wer ihm die Speise gegeben hat.

Ich mache einen Sprung ins 16. Jahrhundert. Der von mir weniger geliebte Johannes Calvin hat 1 ½ Jahre lang seiner Genfer Gemeinde das Deuteronomium gepredigt. In diesen Predigten hat er – wir würden heute sagen – seine Sozialethik entworfen. Die Genfer Gemeinde bestand nicht gerade aus armen Schluckern. Da lesen wir dann Sätze wie diesen: „Oh, es scheint den Reichen, die Armen dürften gar nicht in ihre Nähe kommen. Sie möchten gleichsam eine getrennte Welt haben. Wenn’s nicht so wäre, dass sie von den Armen bedient werden wollen, wären sie ganz zufrieden damit, sie überhaupt nie zu sehen.“

Calvin meint, Reiche klammern sich an ihren Reichtum, weil sie von Zukunftsängsten geprägt sind. Egoismus ist für Calvin Ausdruck von Misstrauen, ja Glaubenslosigkeit und hat die verhängnisvolle Auswirkung, dass Reiche immer reicher werden. Für ihn gilt: Warum einige Menschen arm sind und andere reich, bleibt Geheimnis Gottes. Gott würde Christen durch ungleiche Güterverteilung vor verschiedene Aufgaben stellen, an denen sich zeigen solle, wie sie sich ethisch bewährten. Christen sollen der Welt eine Kontrastgesellschaft vorleben. Tatsächlich hatte Genf unter Calvin eines der besten Sozial- und Fürsorgesysteme seiner Zeit. Bettelei war verboten, aber Armen muss man helfen.

Was könnten wir mitnehmen für unser Erntedankfest? Vielleicht dies: Wenn wir jetzt reich sind, erinnern wir uns daran, dass es nicht immer so war. Wenn wir jetzt in diesem Land frei und ungestört leben können, erinnern wir, dass wir Migranten, Fremdlinge sind, hier aufgenommen. Das möge unser Verhalten gegenüber anderen Migranten prägen. Warum einige Menschen arm sind und wir reich, bleibt Geheimnis Gottes. Es stellt uns vor eine Aufgabe, die wir ethisch bewältigen können. Und zu guter letzt: Es ist Gottes Wille, dass wir unseren Wohlstand genießen. Nur, vergessen wir nicht, wem wir das verdanken. Dankbarkeit ist Denkarbeit, sich bemühen, ist Innehalten und Erinnerung: wie ist es gekommen, dass es mir so gut geht?

Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur gehört, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen

 

Lied EG 499 Erde und Himmel sollen singen 

Abkündigungen

1. Den nächsten Gottesdienst am 17. Sonntag nach Trinitatis feiern wir hier am 9. Oktober wie immer, um 11 Uhr.

2. Die aktuellen Termine finden Sie immer auf unsere Webseite www.deka-algarve.com

3. Der Chor trifft sich am Donnerstag, 13. Oktober um 17:30 Uhr in der Kapelle

4. Wir sammeln weiterhin für die ‚foodbank‘ unserer katholischen Schwestergemeinde. Wer Grundnahrungsmittel hat, die er/sie spenden will, setze sich mit Pastor Lorenz in Kontakt

5. Die Kollekte des letzten Gottesdienstes betrug 197,07 €. Gott segne Geber und Gaben.

Und der Friede Gottes, der höher ist, als unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Jesus Christus. Amen

 

Lied EG 320 Nun lasst uns Gott dem Herren 

Fürbitte
P: Gott, wir haben uns nicht selbst geschaffen. Wir leben nicht aus eigener Kraft. Wir glauben, dass DU Ursprung und Ziel unseres Lebens bist. Deshalb beten wir zu dir und bitten dich.

A: Gott, wir danken dir für die Fülle deiner Gaben, die wir empfangen haben und bitten: Mach uns fähig unseren Reichtum mit den Armen zu teilen. Menschen warten, dass Getreideschiffe kommen, andere schauen verzweifelt auf ihre verdorrten Äcker, viele können ihre Kinder nur hungrig in den Tag schicken. Auf deine Ermutigung hoffen wir. Wir rufen: Kyrie eleison

B: Gott, immer noch ist Krieg, wir danken, dass wir in Frieden leben dürfen, und bitten dich, befähige uns, den Frieden zu suchen: Frieden für die Ukraine, Frieden für die Frauen im Iran, Frieden für dein Heiliges Land und dein dir heiliges Volk. Auf deine Gegenwart hoffen wir. Wir rufen: Kyrie eleison

C: Gott, die Welt ist unruhig, Du aber bist treu. Lass uns auf Dich vertrauen, wenn wir die von Sorgen Erschütterten besuchen, wenn wir Kranken und Trauernden beistehen. Auf deine Treue hoffen wir: Wir rufen: Kyrie eleison

P: Gott, wir danken dir für alles Gut, das wir haben, für die Ernte dieses Jahres, für das Glück, das wir erfahren durften, die Bewahrung vor Gefahr. Wir danken dir für die Menschen hier. Segne segne uns und unsere Kinder. Und die die zu uns gehören. Das bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Bruder. Amen Laudate omnes gentes

Vater unser
Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

Demissio/Entlassung
P: Gehet hin im Frieden des Herrn – G: Gott sei ewiglich Dank - Lied EG 421 Verleih uns Frieden gnädiglich 

Segen
Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Musik zum Ausgang (Vivaldi, Vier Jahreszeiten, Herbst) 

 

DEKA – Deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve. E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!; Web: www.deka-algarve.com
Vorsitzende: Annemarie Webster: Tel. 282 356 231.
Pastor i.R. Stephan Lorenz: Tel: : 282 341 214; Mobil: 960 244 439; +49 171 68 20 295; 8400-565 Carvoeiro Uz Sesmarias 84. Wenn Sie mich sprechen wollen, rufen oder mailen Sie mich einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

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