Gedankensplitter

 

 

 Deutschsprachige Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve (DEKA)

3. Sonntag nach Trinitatis 16. Juni 2024

Der Menschensohn ist gekommen, die zu suchen und selig zu machen, die Menschen schon verloren gegeben haben. Lukasevangelium

Glockengeläut

  –  Musik 

Salutatio P: Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat. Amen

Confiteor:  So wie ein Vater sich über seine Kinder erbarmt, erbarmt sich Gott über die, die ihn achten, erzählt der 103. Psalm. Ist das auch unsere Erfahrung? Viele irdische Väter und Mütter sind anders.  Wir kommen hierher, um uns daran zu erinnern: Gott ist ein anderer Vater, und bitten: Gott, erbarm dich, vergib uns unser Misstrauen und lass uns ein gutes Leben führen. Lass uns diesen Gottesdienst mit einem fröhlichen Herzen feiern. Und wir erhalten zur Antwort: Gott zeigt uns in Jesus, dem Christus, wie unser Leben aus der Erbarmung Gottes gelingen kann.  Alle, die ihm vertrauen sind Gottes Kinder und sein Heiliger Geist wird bei ihnen sein. Wer das glaubt, wird selig werden. Das verleihe Gott uns allen. Amen

 Lied EG  289, 1-2.5 Nun lob mein Seel den Herren 

Psalm 103

Auf, meine Seele, lobe Gott, und vergiss es nie, was er für dich tat. Er vergibt dir all deine Schuld.

     Er ist es, der all deine Krankheiten heilt, dein Leben vom Verderben erlöst, dich mit Liebe und Erbarmen bedeckt, der mit Gutem dein Alter sättigt und wie beim Adler dein Jungsein wieder erschafft. 

Gott greift heilbringend ein, und allen Bedrückten schafft er Recht. Gott ist barmherzig und mit Liebe erfüllt, voll unendlicher Gnade und großer Geduld.

     Denn so hoch der Himmel über der Erde steht, so groß ist die Gnade für jeden, der Gott fürchtet und ehrt.

Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich Gott über jeden, der ihn respektvoll ehrt. Meine Seele, preise Gott!

Gloria

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

P: Kyrie eleison           G: Herr erbarme dich

P: Christe eleison            G: Christe erbarme dich

P: Kyrie eleison           G: Herr erbarm dich über uns

P. Ehre sei Gott in der Höhe – G: Und auf Erden Fried, den Menschen ein Wohlgefallen

Gloria in excelsis

Allein Gott in der Höh sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum das nun und nimmermehr uns rühren kann kein Schade. Ein Wohlgfalln Gott an uns hat, nun ist groß Fried ohn Unterlass, all Fehd hat nun ein Ende.

P: Der Herr sei mit euch  -      G: Und mit deinem Geist.

Kollektengebet

Gott, der Du uns beistehst in unseren Fragen und Befürchtungen, sei uns gnädig und erhöre unser Gebet. Unsere Kirchen und Gemeinden haben nur dann ihren Sinn und überzeugen, wenn wir die Botschaft vom barmherzigen Gott nicht nur verkündigen, sondern auch leben. So bitten wir: Sende uns Deinen Geist, damit wir deine frohe Botschaft in unser Herz aufnehmen und weitertragen. So bleiben wir mit Dir verbunden. Wir bitten das im Namen Jesu Christi, der mit Dir und dem Heiligen Geist uns Kraft gibt, jeden Tag, heute und für immer. Amen

 Lied EG 136, 1-2.4 O komm du Geist der Wahrheit  

Die Lesung für den heutigen Sonntag steht im Buch des Propheten Micha (7,18-20)

Welcher Gott ist wie du, Verfehlung tragend, hinwegschauend über die Abwege deiner Menschen. Der seinen Zorn nicht festhält, ja den es nach Gnade verlangt. Der sich zu uns umkehrt, sich unser erbarmt, unsere Verfehlungen überwindet! Ja, alles, was uns von dir trennt in die Strudel des Meers wirft. Du bist uns treu und gnädig, wie Du es seit Urzeiten uns verkündet hast. 

 Hallelujavers: Halleluja. Halleluja. Halleluja. Halleluja Barmherzig und gnädig ist Gott, geduldig und von großer Güte (Psalm103,8) Halleluja. Halleluja. Halleluja. Halleluja

 Lied EG 250, 1-3 Ich lobe dich von ganzer Seelen  

Lesung des Evangeliums steht bei Lukas (15,1-10)

P+G: Ehre sei dir Herre

Gerade Zöllner und Sünder versuchen Jesus nahe zu sein, um ihn zu hören. Das ärgert Pharisäer und Schriftgelehrten, sie sagen: Der nimmt Sünder auf und isst mit ihnen. Jesus antwortet mit Gleichnissen: Wo ist jemand unter euch, der hundert Schafe besitzt und, wenn ihm eins von ihnen verloren geht, nicht die neunundneunzig in der Einöde zurücklässt und dem verlorenen nachgeht, bis er es findet? Wenn er es dann gefunden hat, nimmt er es voller Freude auf seine Schultern und ruft, wenn er nach Hause gekommen ist, seine Freunde und Nachbarn zusammen und sagt zu ihnen: ›Freuet euch mit mir! Denn ich habe mein Schaf wiedergefunden, das verloren gegangen war.‹ Ich sage euch: Ebenso wird im Himmel über einen einzigen Sünder, der sich bekehrt, mehr Freude herrschen als über neunundneunzig Gerechte, die der Bekehrung nicht bedürfen. Oder wo ist eine Frau, die zehn Drachmen besitzt und, wenn sie eine von ihnen verliert, nicht ein Licht anzündet und das Haus fegt und eifrig sucht, bis sie findet? Wenn sie es dann findet, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen und sagt: ›Freuet euch mit mir, denn ich habe die Drachme wiedergefunden, die ich verloren hatte.‹ Ebenso, sage ich euch, herrscht Freude bei den Engeln Gottes über einen einzigen Sünder, der sich bekehrt. Und fährt fort: Ein Mann hat zwei Söhne. Der jüngere von ihnen sagt zum Vater: ›Vater, gib mir den auf mich entfallenden Teil des Vermögens!‹ Da verteilt jener das Hab und Gut unter sie. Kurze Zeit darauf packt der jüngere Sohn alles, was ihm gehört, zusammen und zieht in ein fernes Land; dort bringt er sein Vermögen in einem ausschweifenden Leben durch. Als er alles aufgebraucht hat, beginnt eine schwere Hungersnot und er beginnt Not zu leiden. Da geht er hin und stellt sich einem der Bürger jenes Landes zur Verfügung; der schickt ihn auf seine Felder, die Schweine zu hüten Er hätte sich gerne an den Schoten des Johannesbrotbaumes satt gegessen, welche die Schweine als Futter bekamen, doch niemand gibt sie ihm. Da geht er in sich und sagt: ›Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, während ich hier vor Hunger umkomme! Ich will mich aufmachen, zu meinem Vater gehen und ihm sagen: Vater, ich habe gegen den Himmel und dir gegenüber gesündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen. Behandle mich wie einen Tagelöhner.‹ So macht er sich denn auf den Weg zu seinem Vater. Als er noch weit entfernt ist, sieht ihn sein Vater kommen und fühlt Mitleid: Er rennt ihm entgegen, fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Da sagt der Sohn: ›Vater, ich habe gegen den Himmel und dir gegenüber gesündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen!‹ Der Vater aber befiehlt seinen Knechten: ›Holt schnell das beste Gewand aus dem Hause und legt es ihm an; gebt ihm auch einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße und bringt das gemästete Kalb her, schlachtet es und lasst uns essen und fröhlich sein! Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden!‹ Und sie fangen an, fröhlich zu sein. Sein älterer Sohn aber arbeitet währenddessen noch auf dem Feld. Als er heimkehrt und sich dem Hause nähert, hört er Musik und Singen. Da ruft er einen von den Knechten herbei und erkundigt sich, was das zu bedeuten habe. Der antwortet: ›Dein Bruder ist heimgekommen; da hat dein Vater das gemästete Kalb schlachten lassen, weil er ihn gesund wiedererhalten hat.‹ Da wird er zornig und will nicht ins Haus gehen; sein Vater aber kommt heraus und redet ihm gut zu. Da antwortet er dem Vater: ›Du weißt: schon so viele Jahre diene ich dir und habe noch nie ein Gebot von dir übertreten; doch mir hast du noch nie auch nur ein Böcklein gegeben, dass ich mit meinen Freunden ein fröhliches Mahl hätte halten können. Nun aber dieser dein Sohn heimgekehrt ist, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du ihm das Mastkalb schlachten lassen! Er aber erwidert: ›Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. Wir müssen doch fröhlich sein und uns freuen! Denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren gegangen und ist wiedergefunden worden.

P+G: Lob sei dir, o Christus

 Glaubensbekenntnis

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde.

Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unsern Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.

Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 Lied EG 355 Mir ist Erbarmung widerfahren   

Predigt (Lk 15, 1-10)

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen

„So wie ein Vater sich über seine Kinder erbarmt, erbarmt sich Gott über die, die ihn achten.“ – so beschreibt der 103. Psalm den Leitgedanken heutigen Sonntages. Das Erbarmen Gottes.

Unser Wort „Erbarmen“ stammt aus dem Germanischen, genauer aus der altgotischen Kirchensprache und bedeutet: „aus der Not befreien.“ Was einen auf die Idee bringen könnte, die Germanen hatten kein Wort für dieses zutiefst menschlichen Verhalten. Vielleicht waren sie erbarmungslos. Erbarmen versucht das hebräische Verb „racham“ zu übersetzen: jemanden zärtlich lieben.  „Racham“ ist mit „rächäm“ verwandt, dem hebräischen Wort für Mutterleib. Ein eindrückliches Bild!  Gott ist wie eine Mutter, die ihr Kind, das noch in ihrem Leib ist, zärtlich liebt. Gottes Erbarmen ist wie eine Liebe, die sich so zärtlich anfühlt, wie sie eine Mutter für ihr Kind spürt.

Überraschenderweise kann sich nicht jeder mit diesem Bild anfreunden, wie Lukas erzählt:

Es sind gerade Zöllner und Sünder, die ihm nahe sein wollen, ihn zu hören. Pharisäer und Schriftgelehrten sind empört und sagen: „Dieser kümmert sich um Sünder und isst mit ihnen.“  Jesus antwortet mit Gleichnissen: „Wo ist einer von euch, hundert Schafe besitzt er, wenn eins davon verloren geht, lässt er nicht die neunundneunzig in der Einöde zurück und sucht das verlorene, bis er es findet? Hat er es gefunden, nimmt er es voll Freude auf seine Schultern und ruft, wenn er nach Hause gekommen ist, seine Freunde und Nachbarn zusammen: „Freuet euch mit mir! Ich habe das Schaf gefunden, das verloren gegangen war.“ Ebenso wird im Himmel über einen einzigen Sünder, der sein Sinnen ändert, mehr Freude herrschen als über neunundneunzig Gerechte, die eines Sinneswandels nicht bedürfen. Oder wo ist eine Frau, zehn Drachmen besitzt sie, und wenn sie eine davon verliert, zündet sie nicht ein Licht an, stellt das Haus auf den Kopf und sucht, bis sie sie findet? Wenn sie sie findet, ruft sie ihre Freundinnen und Nachbarinnen zusammen: „Freuet euch mit mir, denn ich habe die verlorene Drachme gefunden.“ Ebenso, da könnt ihr sicher sein, herrscht Freude bei den Engeln Gottes über einen einzigen Sünder, der sein Sinnen ändert.“

In diese Reihe gehört die Geschichte vom ‚verlorenen‘ Sohn, wie Luther die Geschichte überschreibt. So kennt sie jeder, so ist sie bekannt.  Aber das ist eine Verschiebung des Akzents. Bei Lukas beginnt sie mit den Worten „Ein Mann hatte zwei Söhne…“ Eine Geschichte von zwei Söhnen, zwei Brüdern, genauer von zwei Söhnen und einem Vater, eine Dreiecksgeschichte wird erzählt. Das entspricht der Rahmenerzählung, wo Jesus, Zöllner und Sünder, und die Pharisäer und Schriftgelehrten die drei Rollen übernehmen. Und ein Dreieck ist, wie wir sehen werden, nicht nur in der Mathematik eine schwierige Herausforderung.

Wir haben es gehört. Der jüngere Sohn lässt sich von Vater auszahlen. Damit erweist der sich, jedenfalls nach damaligen Vorstellungen als unkluger Vater. Im Sirachbuch (33,20–24) wird einem Vater geraten, seinen Besitz nicht zu seinen Lebzeiten wegzugeben. Das könnte ihn seine Altersvorsorge kosten. „Denn es ist besser, dass deine Kinder dich bitten, als dass du auf die Hände deiner Söhne schaust.“(22) Der Vater in  der Geschichte des Lukas ignoriert das. Er geht er auf die Forderung des jüngeren ein und verteilt seinen Besitz zu Lebzeiten an seine beiden Söhne (15,12) 

Der Jüngere nimmt das Geld und legt los. Er verschwendet sein Vermögen. Im griechischen Text steht οὐσία. Das ist doppeldeutig. Denn οὐσία kann sowohl Besitz, Vermögen bedeuten, aber auch Sein, Wesen oder Substanz. Er verschwendet sich in einem Leben, das Lukas mit ἀσώτως bezeichnet. Die Moralisten unter den Exegeten übersetzten das mit ‚liederlich‘ im Sinne der Phantasie des älteren Sohnes, ein unmoralisches Leben mit Saufen, Fressen und Frauen. Solch Verständnis spiegelt jedoch eher die unbewussten Phantasien der Übersetzer. Denn ἀσώτως meint: der Jüngere lebt ein Leben, das nicht zu retten ist. Das passt zum Wort αμαρτία, gewöhnlich übersetzt mit ‚Sünde‘. Aber wie ich nicht müde werde zu betonen, hat auch αμαρτία keine moralische (und damit eine Schuld induzierende) Konnotation hat, was uns immer noch viele Theologen weismachen wollen, sondern meint, schon bei Homer, den Speerwerfer, der sein Ziel verfehlt. Ein αμαρτολόγος ist, wie man im Fußball sagen würde, ein Chancentod. Kein Sünder im religiös-schuldhaften Sinn, sondern ein armes Schwein auf dem Spielfeld des Lebens.  Auf unseren Kontext übertragen: das Leben des Jüngeren ist ein unrettbarer Fehlentwurf. Wer so lebt, ist am Ende mehr als eine arme Sau. Mir fallen sofort die vielen Lebensentwürfe ein, die zu einem ‚burn out‘ führen. In völliger seelischer Leere enden. Die Geschichte nennt diesen Zustand λιμὸς, Hungersnot.

Der jüngere schaut auf seinen Lebensentwurf und ändert seinen Sinn, er betreibt ein Umdenken (μετάνοια). Entschließt sich auf den väterlichen Hof zurückzukehren. Obwohl er auf dem Hof nichts mehr zu suchen wartet der Vater sehnsüchtig auf dessen Rückkehr, liegt scheinbar ständig auf der Lauer. Schon von weitem sieht er ihn kommen, lässt ihm seine vorbereitete Rede gar nicht zu Ende sprechen, sondern ordnet sofort seine „Re-Investitur“ als Sohn an: mit Siegelring, Prachtgewand und Schuhen.

Kein Wunder, dass er sich Schwierigkeiten mit dem älteren Sohn einhandelt. Mit Wiedereinsetzung des Jüngeren als Sohn greift er in seine Rechte ein. Vor Wut bleibt er draußen. Der Vater geht zu ihm hinaus, hört sich geduldig seine Rede an, lässt es sich gefallen, dass der Ältere – ganz im Gegensatz zum jüngeren Sohn – die Vateranrede vermeidet, und seinen Bruder als „diesen deinen Sohn da“ tituliert und mit Recht darauf verweist, dass er seine Söhne ungleich und ungerecht behandelt. So geht das nicht.

Dieser Vater entspricht nicht dem Bild des pater familias, wie es die Pastoralbriefe für die Leitung der Ekklesia entwerfen: „Seinem eigenen Haus muss er in rechter Weise vorstehen, Kinder haben in Unterordnung, in aller Anständigkeit. Wenn nämlich einer seinem eigenen Haus nicht vorzustehen versteht, wie soll er für die Ekklesia Gottes sorgen können?“ (1Tim 3,4–5). Der Vater in der Lukasgeschichte lässt sich von seinen Söhnen „vorführen“, versucht sein „Haus“ zusammenzuhalten, obwohl ihm alles aus den Händen gleitet. Er steht seinem Haus nicht in rechter Weise vor (wie es die Antike und seine Kirche später verlangt), ist dem Jüngeren gegenüber barmherzig, und dem Älteren gegenüber ein demütiger Bittsteller. Mal so mal so, scheint es. Was für ein Vater?

Eine letzte Bemerkung. Zwei Mal kommt der Satz vor: Dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden! ‚… Ist gefunden worden‘, man stolpert. Hatte sich nicht der Sohn selbst entschieden, zurückzukehren, als er seine Lebensbilanz zieht?

Die Frage verweist auf die Rahmengeschichten vom verlorenen Schaf und der verlorenen Drachme. Lukas will damit ausdrücken: Der jüngere Sohn hat sich, seinen Lebensfehlentwurf betrachtend, von Gott finden lassen und ändert ihren Sinn. Das ist auch die Antwort auf den Unmut der Pharisäer. 

Wenn Zöllner und Sünder Jesus nahe sein wollen wie der Jüngere dem Vater, dann, meint Lukas, haben sie sich von Gott, der sie verloren hat, wieder finden lassen. So rechtfertigt sich ein Festmahl mit den Verlorenen als Abbild der himmlischen Freude.  Anders die Pharisäer. Sie leben in Jesu Nähe, aber sie sprechen nicht mit, sondern über ihn: „Dieser da …“ (V. 2). Sie bleiben wie der ältere Sohn „draußen“ stehen. Jesus, der ihren Unmut über diesen eigenartigen Vater versteht, kommt – wie der Vater – auf sie zu, spricht sie an und hofft, sie mit seinen Geschichten dazu zu bewegen, auch am Freudenmahl für die gefundenen Verlorenen teilzunehmen. Aber dafür müssten sie erst selbst ich Sein, ihren Sinn ändern, sich von Gott finden lassen und die Menschen mit den Augen einer Mutter sehen, die ihr Kind, das in ihrem Leib ist, zärtlich liebt.

Bleibt am Ende die Frage an uns: Wie bilanzieren wir unseren Lebensentwurf? Und wenn wir seinen/unseren Sinn ändern, lassen wir uns von Gott finden, dessen Liebe  sich so zärtlich anfühlt, wie sie eine Mutter für ihr Kind spürt? 

Gottes Heiliger Geist befestige diese Worte in euren Herzen, damit ihr das nicht nur gehört, sondern auch im Alltag erfahrt, auf dass euer Glaube zunehme und ihr endlich selig werdet, durch Jesum Christum unseren Herrn. Amen

Lied EG 128 Heilger Geist, du Tröster mein 

Abkündigungen

1. Der nächste Gottesdienst zum 4. Sonntag nach Trinitatis findet am Sonntag, dem 23. Jun statt. Beginn, wie immer, um 11 Uhr.

2. Die aktuellen Termine finden Sie immer auf unsere Webseite www.deka-algarve.com

3. Der Chor trifft sich zur Probe donnerstags, um 18:30 Uhr in der Kapelle. Wer mehr wissen will, wende sich an A. Webster 282 356 231 oder G. Sewers  282 332 154

4. Die Kollekte des letzten Sonntags betrug 70,05 €.  Gott segne Geber und Gaben.

5. Die neue Ausgabe des Boten ist da. Für Interessierte gibt es noch einige Freiexemplare.

6. Hinweis auf die Gemeindetagung in Lissabon vom 18. Bis 20. Oktober zum Thema Lebenslinien - ‚Woher komme ich?- Wohin gehe ich?‘ mit Pfarrer Klaus Nagorni.

7. Hinweis auf Mittagessen im Restaurant Taste im Anschluss an den Gottesdienst.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als unsere Vernunft seiu mit euch allen. Amen

Lied EG 141Wir wollen dir singen ein Lobgesang 

 Fürbitte  

P: Gott, Du suchst uns, wenn wir Dir verloren gehen. Dein Wort weist uns den Weg zu Dir.

A: Gott, wir bitten dich für die, die nach dir fragen, dich vermissen, sich nach deiner Wahrheit sehnen, die uns erhält und trägt.
Wir rufen: Kyrie eleison

B: Gott, wir bitten dich für die, die sich selbst fremd geworden sind,
gefangen in Lebensumständen und Sachzwängen, ihrer Seele schaden, ja sich gehetzt und getrieben fühlen Wir rufen: Kyrie eleison.

C: Gott, wir bitten dich für die, die sich aufgegeben haben und versinken im Sog ihrer Ängste Angst und der Depression, kein Ziel mehr haben für sich, nicht mehr aufschauen können.
Wir rufen: Kyrie eleison

P: Gott, finde Du uns in den Verstrickungen unseres Lebens, dann wird nicht nur unsere Freude groß sein, sondern auch Freude in den Himmeln. Suche und finde uns Gott, das gibt uns Hoffnung für heute uns alle Tage unseres Lebens. Amen Laudate omnes gentes

 Vater unser

Vater unser im Himmel
Geheiligt werde dein Name.
Dein Reich komme.
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen.
Denn dein ist das Reich
und die Kraft und die Herrlichkeit
in Ewigkeit. Amen

 Demission/Entlassung

P: Gehet hin im Frieden des Herrn – G: Gott sei ewiglich Dank  Lied EG 421 Verleih uns Frieden gnädiglich 

 Segen

Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Der Herr erheben sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen

Musik zum Ausgang 

DEKA – Deutschsprachige evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im Algarve. E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.; Web: www.deka-algarve.com Vorsitzende: Annemarie Webster: Tel. 282 356 231.

Pastor i.R. Stephan Lorenz Mobil: 960 244 439; +49 171 68 20 295; 8400-565 Carvoeiro Urb. Sesmarias,Lote 84. Wenn Sie mich sprechen wollen, rufen oder mailen Sie mich einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.

Unsere Gemeindearbeit finanziert sich ausschließlich über Mitgliedsbeiträge und Spenden. Wir freuen uns über jede Spende auf unser IBAN : PT50 0045 7063 4029 9611 0208 7   BIC CCCMPTOL

 

 

 Monatslosung Juni 2024 2. Mose 14,13

Keine Angst. Bleibt ruhig und seht die Hilfe des Ewigen, die er euch heute zeigen wird.

וַיֹּאמֶר מֹשֶׁה אֶל הָעָם אַל תִּירָאוּ הִתְיַצְבוּ וּרְאוּ אֶת יְשׁוּעַת יְהוָה אֲשֶׁר יַעֲשֶׂה לָכֶם

Não temais; estai quietos e vede o livramento do SENHOR, que hoje vos fará;

Die aus Ägypten ausgewanderten Israeliten befinden sich auf dem Weg zum Schilfmeer, möglicherweise ist das Rote Meer gemeint. Der Pharao bereut seine Entscheidung, sie gehen zu lassen. Er mobilisiert seine Armee, um sie wieder einzufangen. Schließlich holt er die Israeliten ein. Am Ende des Tages stehen sie sich direkt gegenüber. Die Israeliten sehen das überwältigende Heer und bekommen gewaltige Angst. Machen Moses Vorwürfe. Sie hätten doch schon immer gesagt, er solle sie mit seinen Ideen zufriedenlassen. Lieber würden sie für die Ägypter arbeiten als nun in der Wüste sterben. Vielleicht eine auch uns bekannte Erfahrung, wenn uns große Angst, ja Panik überfällt. Dann ist es schwer einen klaren Gedanken zu fassen, körperliche Prozesse geraten außer Kontrolle, das Herz rast, man hat das Gefühl ins Nichts zufallen, ja vielleicht vernichtet zu werden. Aus dem idealisierten Führer Moses wird ein Feind. Idealisierung bindet ja immer auch Aggressionen. Die richten sich nun gegen Mose. Die Israeliten schreien zu Gott, auch ein Zeichen des psychischen Zusammenbruchs, und giften gegen Mose. Der bleibt ganz ruhig. Lässt sich nicht von der Angst anstecken. Einer der ersten Sätze, die ich als junger Vikar in der Psychiatrie von Atlanta lernte, war: ‚Do not join the chaos.‘ Lass dich nicht vom Ver-rücktsein, das die Angst hervorruft, anstecken. Bleib einfühlsam, aber ein Gegenüber. Ein hilfreicher Gedanke. Mose vertraut auf die Hilfe des Ewigen. Gott mischt sich ein. Ein gut jüdischer Gedanke im Unterschied zur griechischen Philosophie (Aristoteles), wo Gott sich ausschließlich mit idealen, zeitlosen, sich jenseits der unsrigen befindlichen Welten beschäftigt. Und wie sich Gott einmischt. Die Wolkensäule stellt sich zwischen Ägypter und Israeliten. Sozusagen in einer Nacht- und Nebelaktion fliehen die Israeliten durch das trocken gelegte Schilfmeer, während die Verfolger im zurückströmenden Wasser ersaufen. ‚Der Ewige ist überall dort zu finden, wo wir ihn lassen‘, sagt Menachem Mendel Morgensztern von Kotzk (gest. 1859), ein chassidischer Rabbi. Angst, Panik ent-lassen Gott. Die Geschichte fragt uns, wie wir große Angst erleben und wie wir sie bewältigen. Die Art und Weise, welche Wege wir finden, hängt sicherlich mit unserer Geschichte zusammen, unserer Mentalität, modern aus gedrückt mit unserer psychischen Struktur. Der Preuße sagt: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Der Österreicher: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst. Einer ist gelähmt, ein anderer verfällt in hektisches Agieren. Ruhig bleiben und schauen, wie Gott eingreift und was er unternimmt, scheint ganz unmodern. Wobei ‚ruhig bleiben und schauen‘ ja auch bedeuten könnte. Ich nehme meine Angst wahr, nehme wahr, was sie mit mir machen will, und kann doch auch, ein Stück weit, mich selbst und die Situation beobachtend eine heilsame Distanz schaffen, in der vorher nicht erkannte Lösungen erscheinen. Plötzlich teilt sich das Wasser, wo eine unübersteigbare Hürde war, tut sich ein Weg auf. Im Juni beginnt die Ferienzeit. Hoffentlich eine Zeit ohne Hektik und großem Druck. Ohne Angst von Arbeit und Arbeitgeber verfolgt zu werden. Es könnte doch auch eine Zeit sein, ruhiger zu werden und lernen, die Hilfe des Ewigen zu schauen, die er uns jeden Tag zuteilwerden lässt. Jedenfalls wünsche ich Ihnen eine schöne, entspannte Zeit im Monat Juni.

Stephan Lorenz, Pastor i.R. Urb Sesmarias, Carvoeiro – 960 244 439 Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. Tel 960 244 429

 

 

 

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