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2. Sonntag nach Trinitatis 26. Juni 2022 - Peter und Paul

Am Dienstag, den 29. Juni feiern wir das Apostelfest Peter und Paul. Beide werden schon sehr früh verehrt, seit 257 nach Christus. Damals verbot Kaiser Valerian die Verehrung ihrer Gräber. Ihre sterblichen Überreste wurden in die römischen Katakomben verbracht und heimlich weiter verehrt. Die älteste öffentlich zelebrierte Feier des Festes wird auf 354 n.C. datiert. Das Paulus in Rom durch das Schwert starb ist in der Forschung nicht umstritten, wohl aber, dass auch Petrus in Rom gewesen ist und dort den Märtyrertod erlitten hat. Aber es gibt eine sehr alte Tradition der Verehrung des Petrus in Rom. In der römischen Kirche wird Petrus als der erste Bischof von Rom gezählt. Dementsprechend sind alle Päpste bis heute Nachfolger auf den Stuhl Petri. Paulus hat den Glauben an den Messias Jesus im östlichen Mittelmeer verbreitet. Sein Verdienst ist die Mission für das junge Christentum. Indem die Kirche diese beiden durchaus kontrovers denkenden und handelnden Person an einem Tag verehrt, zeigt sie auch, dass Kontroversen und Widersprüche durchaus erwünscht sind und Ausbreitung des Christentums eher befördern als hindern. Natürlich gibt es auch Bauernregeln: "Ist es schön an Peter und Paul, füllt's uns die Taschen und das Maul." Oder auch: "War es an Peter und Paul klar, dann hoffe auf ein gutes Jahr."

1. Sonntag nach Trinitatis 19. Juni 2022 - Johannis (24. Juni 2022)

Am 24. Juni feiern wir „In Nativitate S. Joannis Baptistae“, das Johannisfest. Die Mitte des Jahres. Der längste Tag. Geburt Johannes des Täufers. Sein wirkliches Geburtsdatum ist genauso wenig bekannt, wie das Datum von Jesu Geburt. Beide sind auf die Sonnenwenden im Winter und im Sommer festgelegt. Seit dem Übergang von der nomadischen zur agrarischen Gesellschaft sind solche Daten von Menschen gefeiert worden. Die vielen Bauernregeln erinnern uns noch an die Abhängigkeit unserer Vorfahren vom Wetter: Wenn kalt und nass Johannis war, verdirbt er meist das ganze Jahr. / Wenn die Johanniswürmer glänzen, darfst du bereiten die Sensen. /An Johanni trocken und warm, das macht keinen Bauern arm. In Portugal gibt es die Regel: a chuva de são joão, bebe o vinho e come o pão – Regen an Sankt Johannis, trinke den Wein und iss das Brot / sardinhas no Sao Joao, pinga no pao – Sardinen an Johannis tropfen ins Brot (sind richtig saftig)

Es gibt unzählige Bräuche an diesen Tagen. Die Sonnenwendfeuer sind bekannt. Der Johanniskuchen. Die Johanniskränze, die aus siebenerlei oder neunerlei Kräutern und Pflanzen, z.B. Bärlapp, Beifuß, Eichenlaub, Farnkraut, Johanniskraut, Klatschmohn, Kornblumen, Lilien, Rittersporn und Rosen. Die Kränze wurden über Tür und Fenster gehängt, um vor Geistern und Dämonen zu schützen, die in der Johannisnacht spukten. In Mitteldeutschland warf man den Kranz über das Haus, damit der Segen wirkte. Gekreuzte Besen vor Türen und Toren wehrten Spukgestalten ab; ein Johanniskranz unter dem Kopfkissen brachte Glück in der Liebe, gleichfalls ein Blütenteppich unter dem Esstisch, das so genannte „Johannisstreu“.

Im Neuen Testament ist Johannes der Vorläufer und Vorbereiter Jesu. Er hat Jesus am Jordan getauft. Johannes werden die Worte in den Mund gelegt: „Es kommt (aber) einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht wert, ihm die Schuhe aufzuschnüren“ (Lukas 3,16). „Er (Jesus Christus) muss wachsen, ich aber muss abnehmen“ (Johannes 3,30). 

Trinitatis 2022 - 12. Juni 2022 - Martin Buber (* 8. Februar 1878 + 13. Juni 1965)

Am 13. Juni 1965 starb der jüdische Sozialpsychologe, Theologe, Philosoph und Schriftsteller Martin Buber. In Wien geboren wuchs er nach Scheidung seiner Eltern bei seinem Großvater im damaligen Lemberg (heute Lwiw; Ukraine) auf. Dieser Großvater war ein bekannter jüdischer Gelehrter und der Bewegung der Chassidim zugetan. Die Chassidim waren eine orthodoxe Gruppe, aus der Katastrophe der Judenpogrome des 17. Jahrhundert entstanden, die sich streng an Thora und Kabbala hielt.  Auf das persönliche, mystische Glaubenserleben kam es an. Später (1949) wird Buber die ‚Erzählungen der Chassidim‘ herausgeben.  Nach der Schule studiert Buber in Wien, Berlin, Leipzig und Zürich Philosophie, Germanistik und Psychiatrie. Er ist Teil des aufkommenden Zionismus z. Bsp. als Redakteur der Zeitschrift ‚Die Welt‘. Von 1906 bis 1916 lebt er mit seiner Frau in Berlin, danach bis 1938 in Heppenheim. Ab 1919 ist der Professor an der Universität Frankfurt. Dort beginnt er mit Franz Rosenzweig die Übersetzung des Alten Testaments. Erst im Alter wird er sie beenden. Vielleicht trieben ihn zwei Motive. Einmal der wirkungsmächtigen, aber eben auch antijudaistischen Übersetzung Luthers etwas entgegenzusetzen. Eine Adresse an die protestantische Mehrheitsgesellschaft. Zum andern will er den nach seiner Meinung zu sehr in die deutsch-christliche Mehrheitsgesellschaft assimilierten Glaubensgenossen die eigene jüdische Sprach- und Denktradition nahe zu bringen. Er wollte über die deutsche Sprache das hebräische Original hörbar machen. Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde. Die Erde aber war Irrsal und Wirrsal. Finsternis über Urwirbels Antlitz. Braus Gottes schwingend über dem Antlitz der Wasser. Gott sprach: Licht werde! Licht ward. Mit Beginn der Machtergreifung legte Buber seine Frankfurter Professur nieder. Nachdem ihm 1935 alle Auftritte verboten wurden, verließ er 1983 Deutschland in Richtung Palästina. Er bezeichnete seine Einwanderung nach Israel als Rückkehr,  ‚Alija‘(Einwanderung). Das Wort wurde ursprünglich für die Rückkehr von Juden aus dem babylonischen Exil gebraucht. Er wird Professor für Sozialpsychologie in Jerusalem, ist erster Präsident der Akademie der Wissenschaften Israels. Politisch steht den Kibbuzim nahe und tritt für eine jüdisch-arabische Verständigung ein. Auch als Philosoph fand Buber mit seiner Schrift ‚Ich und Du‘ viel Beachtung. Menschliche Beziehungen verdanken sich einem Zwischenraum, der ihnen aber nicht zur Verfügung steht, aber gerade deshalb das Menschsein als wirklicher Beziehung ermöglicht. Öffnet man sich der Begegnung mit dem Anderen, lässt sich auf ein Gespräch ein, werden die sich so miteinander Sprechenden wirklich begegnen.  Man will den anderen nicht von den eigenen Vorstellungen überzeugen, sondern erlebt den Anderen in seiner Andersheit, die es zu verstehen gilt. Das macht im tiefsten Wesen die Beziehungen zwischen Menschen aus. Nicht zuletzt hat Buber eine gewichtige Stimme im jüdisch-christlichen Dialog. Jesus war für Buber ein Jude und nicht der Christus (Messias) als Erlöser und Gottessohn. Das Christentum beginne mit Paulus, die ersten ‚Christen‘ betrachteten sich als Juden. Eine Position, die heute von der Theologie geteilt werden kann.

Pfingstsonntag 5. Juni 2022 

Unser Pfingstfest geht auf das alte jüdische Schawuot Fest zurück. 2022 fallen beide Feste zusammen. Schawuot beginnt am 4. Juni und dauert bis zu 6. Juni. Es wurde 50 Tage nach dem Pessahfest gefeiert. Ursprünglich ein Erntefest, dann aber auch das Fest des Empfangs der Gebote am Berg Sinai. Das Gesetz Mose entspricht dem Geist, der lebendig macht. In Gottes Tora ist die Freiheit eingeschrieben. Die rabbinische Schriftauslegung versteht den Inhalt der 10 Gebote so: „Die Tafeln – ein Werk Gottes waren sie, und die Schrift – Gottes Schrift, eingegraben (charut) auf den Tafeln.“ Rabbi Jehoschua ben Levi versteht: „Lies an dieser Stelle nicht charut (eingegraben) sondern cherut (Freiheit). Denn der wahre freie Mensch ist der, der sich mit dem Studium der Tora befasst.“ Das kann Rabbi Jehoshua ben Levi, weil die hebräische Schrift nur die Konsonanten, also ch-r-t, kennt. Die Vokale werden beim Lesen des Textes hinzugefügt. Lukas, ein fleissiger Toraleser und Kenner, gestaltet deshalb seine Pfingsterzählung nach der Mosegeschichte des Alten Testaments. In Feuerzungen kommt der Heilige Geist über die Jünger und bewirkt ihr Sprechen in vielen fremden Sprachen. Das Wort „Pfingsten“ entstand aus dem griechischen Wort Pentecoste, der fünfzigste (Tag). Seit dem Konzil von Nicäa (325 n.Chr.) wird der Heilige Geist als Taube dargestellt. Zuvor wählte man die Gestalt einer Frau (Hagia Sophia) oder eines Jünglings, der sich nur in manchen Darstellungen der Dreifaltigkeit erhalten hat. Die Taube wurde besonders im Barock verstärkt zum Symbol von Pfingsten. Im Barock war die Taube als Symboltier des Heiligen Geistes beliebt und darum wurden vor allem Hospize und Hospitäler gerne „Zum Heiligen Geist“ genannt. Die Taube galt als Ikon und Zeichen praktizierter Nächstenliebe.

Sonntag Exaudi, 29. Mai 2022 - Justin der Märtyrer

Von Nablus nach Friedberg in Bayern

Am 1. Juni gedenken die westlichen Kirchen des Kirchenvaters Justin, der im Jahr 165 das Martyrium erlitt. Geboren um das Jahr 100 in der Stadt Flavia Neapolis, dem heutigen Nablus. Über seine Kindheit ist nichts bekannt, jedenfalls studiert er die philosophischen Schulen der Zeit. Zuerst wendet er sich an einen Stoiker, aber der habe nicht nach Gott gefragt: „Er selbst kannte ihn (Gott) nämlich nicht, noch hielt er das Wissen um ihn für notwendig.“ So sucht er einen Peripatetiker (Schule des Aristoteles) auf: „Dieser hatte nur die ersten Tage Geduld mit mir, dann verlangte er schon, ich solle die Bezahlung festsetzen, damit unser Verkehr nicht nutzlos wäre.“  Schließlich findet er einen Platoniker: „Sehr interessierte mich die Geistigkeit des Unkörperlichen, das Schauen der Ideen gab meinem Denken Flügel, in kurzer Zeit wähnte ich, weise zu sein, und in meiner Beschränktheit hegte ich die Hoffnung, unmittelbar Gott zu schauen; denn dies ist das Ziel der Philosophie Platos.“ Der Lehrer empfiehlt, sich in der Einsamkeit weiter in die Gedanken Platons zu vertiefen. Justin geht an einen Strand und trifft dort einen alten Mann. Sie unterhalten sich lange. Der Alte stellt seine bisherigen Studien in Frage: „Wen soll nun einer noch zum Lehrer nehmen, oder welches Lehrsystem kann ihm Nutzen bringen, wenn nicht einmal in dem des Plato und Pythagoras die Wahrheit liegt?“ Sein Gesprächspartner verweist ihn auf die Propheten des Alten Testaments. Bei ihnen findet er, was er sucht. „Sie allein sind es, welche die Wahrheit gesehen und sie den Menschen, ohne dieselben zu fürchten und ohne ihnen zu schmeicheln, frei von Ruhmsucht verkündet haben. Sie haben ja nur das gelehrt, was sie, vom Heiligen Geist erfüllt, gehört und gesehen hatten.“ Das Selbstverständnis der Propheten, frei von Ruhmsucht, ohne Furcht und Schmeichelei, die Wahrheit zusagen, wird sein eigenes. Für Justin ist das Christentum die Philosophie, die alle ihre Erkenntnisse auf den Punkt bringe. Es stehe in Einklang mit den Bestrebungen der menschlichen Vernunft. Gleichzeitig sei es eine Religion der Offenbarung. Darin liege sogar der Beweis der Wahrheit der christlichen Philosophie, denn die Weissagungen der Propheten hätten sich alle erfüllt. Aber nicht nur die Theologie sei überzeugend, sondern noch viel mehr der vorbildliche Lebenswandel der Christen. Dieser bezeuge die Kraft Gottes und Wahrheit der christlichen Lehren. Justin wird ein christlicher Wanderprediger und Missionar. Er stellt sich wahrscheinlich auf öffentlichen Plätzen der Diskussionen über seine „Philosophie“. Aus diesen Begegnungen entstehen später seine Schriften. Bekannt ist seine Apologie, die er Kaiser Antonius Pius (136-161) widmet. Justin verteidigt das Christentum, indem er die christliche Wahrheit mittels platonischer Philosophie und den Propheten belegen will. Er versucht eine Art Schriftbeweis. Der ‚logos spermatikos‘, Samen der Wahrheit der Philosophien werde durch Mose und die Propheten bezeugt. Die Wahrheitserkenntnis des Christus-Logos, vollende alle Philosophie. Justin grenzt sich gegen Häretiker (Gnostiker, Markion) ab und versucht Vorurteile gegen das Christentum auszuräumen, indem er den Ablauf und Inhalt christlicher Gottesdienste beschreibt. Seine ‚Apologie‘ (Verteidigungsschrift) verhilft der platonischen Philosophie in der christlichen Theologie zum Durchbruch. Er formuliert seine Logoslehre in Abgrenzung zum judenchristlichem Adoptianismus (Jesus ist von Gott als Sohn angenommen) und gnostischer Hypostasenlehre (der göttliche Logos hat sich mit dem Menschen Jesus verbunden, am Kreuz stirbt Jesus, nicht Gott selbst). Ohne Justin ist das trinitarische Dogma (Wesensgleichheit von Gott Vater, Sohn -wahrer Mensch und wahrer Gott- und Heiligen Geist) nicht denkbar. Sein zweiter theologisch-philosophischer Versuch ist der ‚Dialog mit dem Juden Typhon‘. Es geht um das Verstehen der mosaischen Gesetze. Sie seien von Gott nur gegeben, weil die Juden in Sündhaftigkeit leben. Das mosaische Gesetz sei durch Christus überholt und aufgehoben. Christen seien das neue geistige Israel. Die Gnadengabe des Heiligen Geistes erfülle seit Pfingsten alle Christen. Ein Argument, das in der Philosophie Hegels und anderer immer wieder aufgenommen wird. Das Judentum sei eine Religion minderer Qualität. Auch in der Diskussion, ob Juden loyale Staatsbürger sein könnten, spielt es eine erhebliche Rolle. D.F. Schleiermacher plädiert dafür, den Juden das Staatsbürgerrecht zu geben, vorausgesetzt, sie würden auf das mosaische Gesetz verzichten. Nur religiös kastrierte Juden sind gute Juden. Vom Gedanken der jüdischen Sündhaftigkeit bis zur Idee des Juden als Ungeziefer in einem gesunden Volkskörper ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Insofern ist Justin ein Advokat des christlichen Antijudaismus und späteren Antisemitismus. Während des Bar-Kochba Aufstandes (132) geht er nach Rom. In einem Krieg lässt sich schlecht philosophieren. In Rom gründet er im Gebäude des timoteischen Badehauses eine Schule. 165 wird Justin zusammen mit 6 Schülern und Schülerinnen angeklagt. Seine Gerichtsakten sind erhalten. Laut Anklage bekenne er sich zum Christentum und verweigere das Kaiseropfer. Ankläger ist der Präfekt Rusticus, ein Lehrer Philosophenkaisers Marc Aurel. Im Laufe der Befragung gibt Justin ein frühes Glaubensbekenntnis zu Protokoll: „Rusticus: Du hast demnach Spaß an derlei gelehrtem Zeug, du elender Wicht? Justinus: Jawohl! Denn ich folge diesen Lehren in Kraft einer festen Überzeugung! Rusticus: Was ist denn das für eine Überzeugung? Justinus: Sie lautet: Wir verehren anbetend den Gott der Christen. Wir sind überzeugt, dass da ist ein einziger Gott, der am Uranfang die sichtbare und die unsichtbare Welt geschaffen und ausgestaltet hat. Wir glauben an Jesus als den Kyrios, wir glauben, dass Er der Gesalbte und das Kind Gottes ist, dass Er von den Propheten vorausverkündet wurde als der kommende Herold des Heils und als Lehrer seligmachender Wahrheiten für das ganze Menschengeschlecht.“ Justin und seine Anhänger werden zum Tod verurteilt und geköpft. Wo er begraben wurde, ist nicht bekannt. Aber das ist nicht wichtig, denn seine Geschichte geht weiter. Bischof Hitto von Freising bittet im Jahre 834 Papst Gregor IV. um die Reliquien des Heiligen Justinus. Wo der Papst dieselben aufgetrieben hat, ist nicht überliefert. So kommt Justin nicht in dem Himmel, sondern nach Freising. Während der Überführung geschehen viele Wunder. Unter anderem wird ein Koch sei von einer Geisteskrankheit geheilt. Das ist sicherlich ein sinnvolles, gutes Wunder gewesen. Nach Zwischenstationen (Klosterkirche Weihenstephan, Freisinger Mariendom) liegt er seit 1734 in der Wallfahrtskirche zu ‚Unseres Herrn Ruhe‘ in Friedberg (Bayern). Möge er in Frieden ruhen, soweit sie in Bayern mit den vielen Wallfahrern gewährt ist. Und natürlich gibt es auch eine Bauerregel:  Justin klar, / gutes Jahr.

Sonntg Rogate, 22. Mai 2022 - Himmelfahrt

Himmelfahrt – für viele der Vatertag. Natur erleben, Naturtrübes trinken. Schmeckt realer. Himmelfahrt, ein biblisches Ammenmärchen? Menschen in der Antike nahmen daran keinen Anstoß. Im Gegenteil, das Leben bedeutender Männer musste ein spektakuläres Ende haben. Viele römische Kaiser sollen eine Himmelfahrt erlebt haben. Die Christenheit feiert das Fest der Himmelfahrt 40 Tage nach dem Osterfest. Der 40 Tage Rhythmus ist uns vertraut. Denn, nach 40 Wochen Schwangerschaft wird ein Mensch geboren. Die Israeliten irrten 40 Jahre durch die Wüste, ehe sie das gelobte Land betreten konnten. 40 Tage und 40 Nächte war Moses auf dem Berg Sinai, um von Gott die Gesetze zu empfangen. 40 Tage fastet Jesus in der Wüste, dann wird er vom Teufel versucht. In der orthodoxen Tradition des Christentums verlässt die Seele eines Verstorbenen nach 40 Tagen die Erde. Auch im Islam dauern die Trauerriten 40 Tage. Und sogar ins Grundgesetz hat diese Zahl Eingang gefunden. Es schreibt vor, dass jemand, der zum Bundespräsidenten gewählt werden soll, mindesten 40 Jahre alt sein muss. Bleibt immer noch die Frage, was diese Überlieferung für uns heute bedeuten könnte. Wo verorten wir Gott? Im Himmel? Da ist er nicht, wie uns schon der erste Kosmonaut Gagarin versichert hat. Der Himmel ist dort, wo Gott ist. Sind dann Wissenschaft und Glauben inkompatibel? Martin Nowak, Professor für Evolutionsbiologie und Mathematik an der Universität Harvard, sagt in einem Interview. Nein, denn die Argumente, die dabei vorgebracht würden, seien nicht wissenschaftlich, sondern selbst subjektive Weltanschauungen. Sie lieferten keinen Beweis, ob es Gott gibt oder nicht. Die Existenz Gottes könne man nicht wissenschaftlich prüfen. Die wissenschaftlichen Beobachtungen so zu interpretieren, als ob sie zeigen würden, dass es Gott nicht gibt, wäre nicht wissenschaftlich. Es sei selbst eine Art von Religion. Und er erzählt weiter: „Vor kurzem war ein berühmter Mathematiker in meinem Büro und kam auf Kurt Gödels Beweis zu sprechen, dass wir nie wissen werden, ob die Axiome der Mengenlehre konsistent sind oder nicht. Aber alle Mathematiker glauben, dass sie es sind. Das finde ich hochinteressant. Der Beweis ist schon da, dass man das nie wissen kann. Dennoch wird es geglaubt. Das ist sozusagen noch eine stärkere Art von Glauben als der eines religiösen Menschen.“ Geschichten wie die Himmelfahrt Christi wären theologische Ästhetik, religiöse Bildersprache. Denn man wolle doch wissen, ‚wo‘ Jesus Christus jetzt sei. Zu Glaubensvorstellungen habe die Wissenschaft nichts zu sagen. Und wo ist Gott? Martin Nowak antwortet: „Gott ist immer anwesend, er ist die innerste Existenz in allem und mir näher als ich mir selbst. Es ist nicht so, dass Gott nur ganz am Anfang alles irgendwie gemacht hat. Er ist notwendig, um jeden Moment in Existenz zu halten. Auch diesen Moment gäbe es jetzt nicht ohne die erhaltende Kraft Gottes.“ Und die Bauernregeln: Der Bauer nach der alten Art, trägt seinen Pelz bis Himmefahrt. Und tut im der Bauch noch weh, trägt er ihn bis Bartolomä. Oder Wie Christus in den Himmel fährt, zehn Sonntag so das Wetter währt. (Das Interview mit Martin Nowak ist zu finden unter Zeitonline, 4. 2. 2016 „Wo ist Gott?“)

Sonntag Kantate, 15. Mai 2022 - Fünf Märtyrer von Lyon (1533)

So werden fünf reformierte Theologen genannt, die am 16 Mai 1553 in Lyon auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Ihre Namen sind: Martial Alba, Pierre Escrivain,  Bernard Seguin, Charles Favre und Pierre Navihères.  Nach ihrem Studium in Lausanne und Genf, wo sie auch Johannes Calvin kennengelernt haben, wollen sie zurück in ihre Heimat und das Gelernte ihren französischen reformierten Glaubensbrüdern weitergeben. Auf ihrem Weg kommen sie durch das römisch-katholische Lyon. Hier herrscht ein strenges Predigtverbot für die reformatorische Lehre. Sie finden Unterkunft bei einem Lyoner Bürger und werden, zur Überraschung aller beim Mittagessen verhaftet. Schon wenig später beginnt das Verhör durch das geistliche Gericht aus Dominikanern, Karmelitern und Franziskanern. Sie werden zur Abendmahlslehre, zur Fürbitte für die Toten, zur Beichte und zur Auslegung der Bibel und natürlich zu ihrer Stellung zum Papst befragt. Nach evangelischer Berichterstattung machen sie auf alle Richter wegen ihrer Gelehrsamkeit großen Eindruck. Der Franziskanermönch Dr. de Combis fragt Escrivain: „Du sagst, St. Peter sei nicht gewesen das Haupt der Kirchen. Siehe, ich will es dir beweisen. Der Herr Christus hat ja zu St. Peter gesagt: ‚Du bist Simon, Jonas Sohn; du sollst hinfort Cephas heißen.‘ Nun heißt das Wort Cephas im Latein soviel als Caput und in französischer Sprach Chef, das ist ein Haupt.“ Escrivain antwortet: „Herr, wo habt ihr diese Auslegung hergenommen? St. Johannes der Evangelist Kap. 1, 42 leget´s viel anders aus. Denn er spricht also: ‚Du sollst Cephas heißen, das wird verdolmetschet: Ein Fels.‘ Derwegen so heißt Cephas einen Fels und nicht ein Haupt.“ Der Richter Vilards, der direkt neben den Mönchen sitzt, nimmt ein Neues Testament zur Hand und bestätigt Escrivains Auslegung. Der Mönch senkt den Kopf, errötet und schweigt. Auf die Frage, ob er leugne, dass der Papst der Stellvertreter Christi auf Erden sei, antwortet er: „Glaubt ihr denn, dass der, welcher Himmel und Erde erfüllet, durch seinen Geist unmittelbar seine Kirche regieret und bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende, eines Statthalters bedürfe?“ Vilards soll daraufhin die Sitzung mit den Worten verlassen haben: „Ja, was das Wort Gottes ist, das muss man freilich behaupten.“ Einer andere wird gefragt, ob er Lutheraner sei, und antwortet, seine Lehre gründe sich allein auf die Bibel. Nicht Luther, sondern Christus sei vom Himmel gekommen. Ihre klugen Antworten nützten ihnen nichts. Sie wurden zum Tode verurteilt. Denn es ging hier, wie so oft in der Kirche, nicht wirklich um Glauben und Theologie, sondern um Macht. Wo käme Kirche denn hin, wenn Menschen die Bibel einfach mit ihrem klaren Verstande lesen würden. Nach ihrer Verurteilung beginnt ein heftiges Hin- und her um ihre Befreiung, in das auch Calvin und sogar der französische König Heinrich II. eingebunden waren. Alles umsonst. Am Morgen des 16. Mai 1553 werden sie verbrannt. Die Institution Kirche hatte ihre einmal mehr ihre autoritäre Macht demonstriert. Für uns sind die Fünf vielleicht ein Vorbild darin, mit eigener Vernunft die biblischen Geschichten und Erzählungen verstehen zu wollen, um dann auch bei dem zu bleiben, was uns überzeugt hat. Natürlich gibt es auch Bauernregeln für den 16. Mai. Es ist der Tag der Heiligen Nepomuk, einem katholischen Priester, der 1393 im Machtkampf zwischen böhmischen König Wenzel und dem Klerus in der Moldau ertränkt wurde. Damals die übliche Todesstrafe für Kleriker. Billig und unblutig. Wie auch immer: Der Nepomuk uns das Wasser macht, dass uns ein gutes Frühjahr lacht. Lacht zu Nepomuk die Sonne, dann gerät der Wein zur

 

Sonntag Jubilate 8. Mai -Gregor von Nazianz (+8.Mai 390)

Nach meiner Konfirmation, im Alter von 15 Jahren besuchte ich meinen Patenonkel. Er war Pastor einer Pfarrstelle im Harz, und schickte sich an, Professor für Kirchengeschichte zu werden. Dieser Onkel hatte 3 Dompfaffen, sie trugen die Namen von Kirchenvätern, Basilius von Cäsarea, Gregor von Nyssa und eben Gregor von Nazianz, dessen Todestag am 8. Mai gedacht wird. Seine Eltern nicht unvermögend, gehören der kappadokischen Oberschicht an. Die Familie besitzt ein Landgut bei Arianzos (heute Güzelyurt, Türkei). Dort wird er 329 geboren. Jedenfalls reichen die Einkünfte der Eltern, um ihn in Caesarea, Athen und Alexandrien studieren zu lassen. In Caesarea lernt er Basilius kennen. Sie bleiben ein Leben lang in Freundschaft verbunden. Auf der Überfahrt nach Athen, gerät das Schiff in einen schweren Sturm. In Lebensangst weiht Gregor sein Leben Gott. Sein irdischer Vater nimmt ihn beim Wort, und tauft den Sohn (358). Sein Lebenstraum jedoch ist das monastische Leben als Einsiedler zusammen mit Basilius: wenig Arbeiten, viel Beten und noch mehr theologische Bücher lesen. Leben als Dauerstudent. 361 ruft der Vater, inzwischen Bischof von Nazianz, den Einsiedler zurück in die Welt. Der 85jährige braucht die Hilfe des Sohnes. Gregor wird eher widerwillig zum Priester geweiht. 370, Basilus wird Metropolit von Caesarea. Es ist die Zeit der theologischen Kämpfe und Auseinandersetzung um das trinitarische Dogma zwischen Arianern und Orthodoxen, wie sich die Partei um Basilius nannte. Der Streit lebt weniger vom gemeinsamen Abwägen theologischer Argumente, vielmehr geht es darum, Positionen mit Gefolgsleuten zu besetzten. Basilius tut das. Er ernennt seinen Bruder Gregor zum Bischof von Nyssa und Gregor zum Bischof von Sasima. Auf seinem Bischofstuhl darf er sich jedoch nicht setzen. Die Arianer verweigern den Zutritt. So bleibt Gregor, nach dem Tod des Vaters, Bischof in Nazianz. 380 wird er zum Metropoliten von Konstantinopel berufen. Aber den Machtspielchen der kaiserlichen Beamten und Theologen ist er nicht gewachsen. Seine asketische Haltung kommt bei Hofe nicht wirklich gut an. Schon während des Konzils von Konstantinopel (381) verzichtet er auf diesen Schleudersitz. Mobbing ist keine Erfindung der Neuzeit. Erfolgreicher ist Gregor von Nazianz als Theologe, ja er erhält sogar den Ehrentitel ‚Theologos‘. Woraus wir schließen dürfen, dass sich in der alten Kirche nicht jeder Dorfpriester als Theologe bezeichnen darf. Jedenfalls treibt er zusammen mit Basilius und Gregor von Nyssa die Ausformulierung des trinitarischen Dogmas voran: Christus als wahrer Mensch und wahrer Gott und wie der Heilige Geist in diese gesellige Runde hineinpassen kann. Gregor ist ein brillianter Redner und sogar ein beachteter Schriftsteller und Dichter. Auch hier dominiert seine asketische Überzeugung. Er schreibt Gedichte gegen die Putzsucht und das Schminken der Frauen für den Kirchgang. Wirklich wichtige Themen. Im Januar 392 stirbt Gregor auf seinem Landgut Arianzos. Seine Gebeine werden nach Konstantinopel gebracht. Als Leiche hat er es dort länger ausgehalten, nämlich bis ins Jahr 1204. Goldgierige Kreuzfahrer plündern Konstantinopel, rauben die Gebeine Gregors und bringen sie nach Rom. ‚Überführung‘ nennen sie das. Eher eine Störung der Totenruhe und Diebstahl. 2004 ‚schenkte‘ Papst Johannes Paul II. dem Patriarchen von Konstantinopel die Gebeine Gregors. Nun ist er wieder in Konstantinopel (Istanbul). Es scheint durchaus von Vorteil, kein Heiliger zu sein. Die Gefahr ist groß, nach dem Ableben entweder zerfleddert zu werden, um sich an vielen verschiedenen Orten in Einzelteilen wiederzufinden, oder an mehrmaligen, unfreiwilligen ‚Überführungen‘ teilzunehmen zu dürfen. Das ‚Ruhe sanft‘ gilt jedenfalls für die Heiligen der Kirche nicht wirklich.

Die Dompfaffen sind, das ist nachzutragen, nach dem Bericht meines Onkels, an sozialer Verwahrlosung verendet. Professorale Umschreibung für den Hungertod. Ohne Futter ist schlecht leben. Auch einen Dompfaff kann das Martyrium ereilen. Als Ausgleich hat er jedoch viele Studenten, auch mich, mit den Weisheiten der Kirchenväter mehr als reichlich gefüttert.

 

Sonntag Misericordias Domini 1. Mai 2022 - Tag der Apostel Philippus und Jakobus des Jüngeren (3.Mai)

Am 3. Mai feiern die Kirchen den Tag der Apostel Philippus und Jakobus. Die Verehrung beider Apostel an einem Tag hängt möglicherweise mit der Weihe der römischen Zwölfapostelkirche zusammen, die unter Papst Julius I. (337–352) gebaut wurde. Die Reliquien der beiden sollen sich dort befinden. Ihr Fest war ursprünglich der 1. Mai, nach einer Liturgiereform wurde ihr Gedenktag auf den 3. Mai festgelegt. Der 1. Mai gehörte von nun an dem Heiligen Josef, dem Schutzpatron der Arbeiter. Frauen waren 1956 und sind bis heute nicht wirklich im Blickpunkt der katholischen Kirche. Sie sollen am Herd stehen und dem Arbeiter eine kräftige Suppe kochen. Historisch sind die beiden Apostel wenig fassbar. Aber es gibt ja immer fromme Legenden. So soll Philippus Fischer am See Genezaret gewesen sein. Zuerst ein Jünger Johannes des Täufers, dann wechselt er in das Team von Jesus. Nach der Auferstehung Jesu geht er zurück an den See Genezaret, später betätigt er sich lange Zeit in Skythien (heutiges Südrussland) als Missionar. Die Legende erzählt: Als er vor dem Standbild des Mars opfern soll, kam ein Drache, tötete den Sohn des Priesters und zwei Tribunen, alle Teilnehmende erkranken durch seinen Gifthauch. Philippus vertreibt den Drachen, heilt Kranke, erweckt Toten und bekehrt alles, was da kreucht und fleucht. Diese wunderbaren Taten retten ihn jedoch nicht vor dem Tod als Märtyrer am Kreuz. Undank ist eben der Welten Lohn. Jakobus wird als Sohn des Alphäus in den Evangelien genannt. Weitere Informationen über ihn gibt es nicht. Die katholische Tradition identifiziert ihn als „Herrenbruder“. Diese Gleichsetzung ist aber, wie auch seine Autorschaft für den Jakobusbrief wenig überzeugend. Die Alte Kirche (Hieronymus) meint, Jakobus sei der in Markus 15,40 genannte ‚Jakobus der Kleine‘. Auch das, mehr oder weniger, eine Spekulation. Seine Legende erzählt, Jakobus soll im Jahr 62 von der Zinne des Tempels für alle hörbar seinen Glauben widerrufen. Er weigert sich, und wird auf Antrag des Hohenpriesters Hannas zum Tod verurteilt. Er wird von der Mauer des Tempels gestürzt und mit einem Knüppel erschlagen. Doppelt hält besser. In Süddeutschland und Österreich gibt es den Brauch des „Philippeln“. Die Walpurgisnacht vom 30. April zum 1. Mai war nach heidnischem Brauch eine Unruhnacht. Mit dem 30. Mai endete für die Kelten die dunkle Jahreszeit und der Sommer begann. Sie feierten das Fest ihres Lichtgottes Belenus. Dieses Fruchtbarkeitsfest bezog sich auf Natur und Menschen. Junge Leute, fest umarmt, rollten sich paarwiese Wiesen hinunter. Das soll gut sein für die Fruchtbarkeit. Auf Bergen wurden Feuerräder entzündet und brennend ins Tal gerollt. Das Philippeln selbst könnte auf fränkisches Recht zurückgehen. In dieser Nacht wurden auch Schiedsverfahren entschieden. Im Berchtesgadener Land nennt man diese Nacht Dugnacht, in der viel Unfug getrieben wird. Junge Leute ziehen durch Dorf, nehmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist und werfen es auf den Dorfplatz. Der Apostel Philippus, sagt man, ist im Himmel für Ordnung zuständig. Da hat er dann am nächsten Morgen viel zu tun. Natürlich gibt es auch Bauernregeln: Auf Philippi und Jacob Regen folgt ein großer Erntesegen. Und: An Jacobi heiß und trocken, kann der Bauersmann frohlocken.

Quasi modo geniti 2022

Am 25. April gedenken die Kirchen des Evangelisten Markus. In diesem Jahr fällt er auf den Sonntag Jubilate. Markus gilt als Verfasser des wohl ältesten der vier kanonischen Evangelien, obwohl sich der Verfasser nirgendwo nennt. Über seine Person, die genau Zeit und den Abfassungsort wissen wir nichts Sicheres. Die Alte Kirche hat ihn mit einem Mitarbeiter von Paulus und Barnabas als Johannes Markus identifiziert. Als Abfassungszeit gilt das Jahr 70 n. Chr., also kurz vor oder nach der Zerstörung Jerusalems. Manche meinen, es sei in Rom entstanden, andere verweisen auf Syrien. Mehr Einigkeit herrscht darüber, dass wohl die junge Gemeinde in Rom als Adressaten gelten. Die Evangelisten Matthäus und Lukas, so ergibt ein Vergleich, müssen sein Evangelium gekannt haben. Eine weitere Unsicherheit. Die Hauptbotschaft des Markusevangeliums ist vielleicht in Markus 1,15 zusammengefasst: „Die Zeit ist reif, Gottes Herrschaft steht vor der Tür. Ändert euren Sinn, und glaubt dem Evangelium.“ In Alexandria wurden die Gebeine und der Mantel des Markus verehrt. Bei jeder Weihe wurde dem neuen Bischof sein Mantel umgelegt. Noch heute wird Markus in der koptischen Kirche als Schöpfer der der sonntäglichen Liturgie. 828 wurden die Gebeine des Markus von venezianischen Kaufleuten geklaut und nach Venedig gebracht. Markus gilt noch heute als Schutzheiliger dieser Stadt. Der erste Markusdom brannte 978 vollständig nieder. 1094, nach der Fertigstellung des heutigen Markusdom wurden seine Gebeine wie zufällig wiederentdeckt und in einem Sarkophag im Hauptaltar niedergelegt. Anlässlich der 1900 Jahrfeier der koptischen Kirche hat man einige Reliquien dem koptischen Bischof zurückgegeben. Sie befinden sich seitdem in der Kathedrale des Heiligen Markus in Kairo. Und natürlich gibt es auch für diesen Tag einige Bauernregeln, wie diese: Gibt’s an Markus Sonnenschein, hat der Winzer guten Wein.

 

Ostern 2022

Johannes von Antiochien (349 -407), Chrysotomus (Goldmund) genannt war Asket, Bischof von Konstantinopel. Ein streitbarer Kirchenmann, der Kirche einen radikalen Sparkurs verordnete, wichtige soziale Werke ins Werk setzte. Am Ende geriet er mit der Kaiserin in Streit. Er starb auf dem Weg in die Verbannung. Seine einladende Osterpredigt ist bekannt:

Wenn jemand fromm und gottliebend ist, komme und erquicke er sich an dieser schönen und glänzenden Feier.
Wenn jemand ein wohlgesinnter Anhänger ist, gehe er fröhlich ein in die Freude seines Herrn.
Wenn jemand sich beim Fasten abgemüht hat, empfange er jetzt nach seinem Verdienst.
Wenn jemand von der ersten Stunde an gearbeitet hat, empfange er heute seinen gerechten Lohn.
Wenn jemand nach der dritten Stunde gekommen ist, feiere er dankend.
Wenn jemand zur sechsten Stunde angelangt ist, so zweifle er nicht, denn er wird nichts missen.
Wenn jemand bis in die neunte Stunde säumte, trete er unverzagt hinzu, ohne sich zu fürchten.
Wenn jemand erst zur elften Stunde eingelangt ist, fürchte er sich nicht ob seiner Saumseligkeit.

Denn der Gebieter ist freigebig und nimmt den Letzten auf wie den Ersten. Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist, ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat.
Zum Späterkommenden ist Er gnädig und freundlich zu dem Ersten. Jenem schenkt Er und diesen belohnt Er.
Die Werke nimmt Er an und die Absicht lobt Er. Die Tat ehrt Er und der Entschluss ist Ihm willkommen.

Gehet also in die Freude unseres Herrn ein, ihr Alle. Die Ersten und die Letzten: empfanget den Lohn.
Die Reichen und die Armen, freuet euch miteinander. Ausdauernde und Nachlässige, ehret den Tag.
Die ihr gefastet und die ihr nicht gefastet habt; freuet euch heute.
Der Tisch ist beladen, genießet alle. Das Kalb ist gemästet, niemand gehe hungrig hinaus. Alle geniesset vom Gastmahl des Glaubens. Alle geniesset vom Reichtum der Güte.

Niemand beklage Armut, denn erschienen ist das gemeinsame Reich. Niemand betrauere die Übertretungen, denn die Vergebung ist aus dem Grabe aufgestrahlt. Niemand fürchte den Tod, denn des Erlösers Tod hat uns befreit.
Vernichtet hat den Tod, Der von ihm umfangen ward. Die Beute hat ER dem Hades abgenommen, der zu ihm herabkam.
Er ließ Bitterkeit erfahren ihn, der gekostet hat von Seinem Fleische.
Diese vorausschauend rief Jesaja aus:
"Der Hades, ´spricht er,´ war voll Bitterkeit, als er Dir unten begegnete´."
Er war voll Bitterkeit, denn er war verhöhnt; er ward voll Bitterkeit, denn er ward hinweggerafft; er war voll Bitterkeit, denn er wurde gefesselt. Er nahm den Leib und geriet an Gott.
Er nahm die Erde und traf auf den Himmel. Er nahm, was er sah, und fiel durch das, was er nicht sah.
Tod, wo ist dein Stachel?
Hades, wo ist dein Sieg?
Auferstanden ist Christus und du bist gestürzt.
Auferstanden ist Christus und gefallen sind die Dämonen.
Auferstanden ist Christus und die Engel freuen sich.
Auferstanden ist Christus und das Leben triumphiert.
Auferstanden ist Christus und kein Toter im Grabe.

Denn Christus ist von den Toten auferstanden, der Erstling der Entschlafenen geworden.
Ihm sei die Ehre und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.


Eine schöne, einladende Auslegung zur Auferstehung Jesu Christi. Sie hat allerdings einen Haken. Johannes von Antiochien war Vertreter eines aggressiven Antijudaismus. Weil Juden Jesus getötet hätten, gäbe es keine Entschuldigung und Verzeihung. Christen verbot er, den Sabbat zu feiern, sich überhaupt in der jüdischen Gemeinde aufzuhalten. Aus heutiger Sicht sollte gelten: Die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi, seine großzügige Einladung gilt allen Menschen, - oder sie gilt gar nicht.

Karfreitag 2022 

Karfreitag – Tag der Kreuzigung Jesu in Jerusalem. Für die Jünger:innen bricht eine Welt zusammen. Wie sollen sie seinen Tod verstehen? Eine Frage die bis heute nicht beantwortet ist. Wenn man sie sich denn heute noch stellen will. Friedrich Nietzsche, der Pfarrerssohn aus Röcken in Sachsen, hat sich damit auseinandergesetzt. „Mit dem Christentum werde ich nicht fertig“ – schrieb er in seinem Nachlass. Kritisch hat er die Glaubensvorstellungen und die damals real existierende Kirche in Frage gestellt. In seinen ‚Fröhlichen Wissenschaften‘ schreibt er: „Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet.“ Der Satz ist zur Parole geworden. Dabei stammt der Gedanke gar nicht von Nitzsche. Im Kirchenlied (EG 80) heißt es in der Originalfassung: „O große Not! Gott selbst ist tot, Am Kreuz ist er gestorben, Hat dadurch das Himmelreich. Uns aus Lieb' erworben. (V2) O Menschenkind, Nur deine Sünd' Hat dieses angerichtet, Da du durch die Missetat Warest ganz vernichtet.“ (V3) 1641 von Johann Rist geschrieben. Die mörderischen Erfahrungen des 30jährigen Krieges finden sich in seinem Lied wieder. Rist versucht mit poetischen Mitteln der Braut- und Blutmystik die harten Herzen der Menschen seiner Zeit zu erweichen. Nachfolgenden Generationen war das anstößig. Besonders die Zeile „O große Noth! Gott selbst ligt todt“. Das scharfe Fallbeil der Theologie fiel hernieder und dichtete im 19. Jahrhundert um: „O große Not, Gotts Sohn liegt tot“. So singen wir es noch heute. Auch Theologen können offenbar das Fremde, Verstörende dieses Ereignisses schlecht ertragen. Dabei hatte doch Hegel noch in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Religion (III,247) ihnen ins Gewissen geschrieben. Genau diesen Vers zitierend. Angesichts des Kreuzes gelte es zu begreifen, dass „das Menschliche, Endliche, Gebrechliche, die Schwäche, das Negative göttliches Moment sind, dass es in Gott selbst ist, dass die Endlichkeit, das Negative, das Anderssein nicht außer Gott und als Anderssein die Einheit mit Gott nicht hindert ..., [dass] es Moment der göttlichen Natur selbst [ist]“. Hegel schreibt, Gott selbst sterbe in seinem Sohn am Kreuz. Er riskiere die Einsamkeit und Verlassenheit. Als Gott Vater aber lasse er in Liebe den endgültigen Tod seines Sohnes nicht zu und erwecke ihn als ‚Heiligen Geist‘ von den Toten. Der Versuch einer Antwort. Die Frage bleibt an uns gerichtet: Wie begreifen wir diesen gebrechlichen, von Menschen gebrochenen Jesus, seine Schwäche, sein Anderssein und die scheinbare Verneinung Gottes, wenn er am Kreuz stirbt? 

 

Sonntag Palmarum 10. April 2022 - Abendmahl

Am Donnerstag feiern wir als den Tag der Einsetzung des Heiligen Abendmahls. Jesus reicht seinen Jüngern Brot und Wein und sagt: „Das ist mein Leib.“ „Das ist mein Blut.“ Im Neuen Testament finden wir zwei leicht unterschiedliche Versionen dieses letzten Mahls. Eine Version von Markus (14,12ff) und Lukas (22,7ff), eine weitere von Matthäus (26,17ff) und Paulus (1.Kor. 11,17ff). Jesus hat oft mit seinen Jünger:innen gegessen. So kann es auch ein letztes Mahl gegeben haben, bei dem diese bekannten Worten gefallen sein dürften. Es gibt wohl wenige Geschichten, über die mehr gestritten wurde, als über diese Abendmahlsworte. Bis heute trennt der Streit Katholiken und Protestanten. Ende der Trennung, der St. Nimmerleinstag, wenn man dem Münchner Kardinal Marx Glauben schenken darf. Das Symbol der Einheit als Manifestation der Trennung. Aber was bedeuten die Worte Jesu? Das ist offen. Einfach die Wortbedeutung zu betrachten, hilft nicht weiter, weil die Versionen im NT selbst schon ihre Interpretation der Worte Jesu und ihres Kontextes wiedergeben. Sie werden in den Kontext des Passamahls gestellt, der Erinnerung des Auszugs der Israeliten aus Ägypten. Aber war es ‚wirklich‘ so gemeint? Wir wissen nicht mal genau, wie Juden zur Zeit Jesu das Pessah gefeiert haben. Im Laufe der Geschichte der Christenheit gibt es viele Deutungsversuche: als Opferhandlung mit Realpräsenz in Brot und Wein (katholisch), als Bekenntnis nach dem Muster des Rütlischwurs (Zwingli, calvinistische Tradition) oder als Kommunikation Gottes mit dem die Vergebung empfangenden Menschen (Luther). Alle haben ihre Berechtigung. Ein Spiegelbild, wie der jeweilig Deutende über Gott denkt, Jesu Sendung, was die Kirche ausmacht, die Priester, die Laien. Das Wandgemälde von Leonardo da Vinci (1497 fertiggestellt) ist die bekannteste Darstellung des letzten Mahls. Es hält die Situation fest, als Jesus seine Jünger mit dem Verrat konfrontiert: „Einer von euch wird mich verraten.“ Alle fragen sich: „Bin ich’s?“ 11 sind erleichtert, als Judas sich als der Verräter outet. Die Sache scheint ausgestanden. Mitnichten, der Verrat geht weiter. Petrus lügt wie gedruckt, als er von der Polizei gefragt wird: „Kennen Sie diesen Mann? – Nee, nie gesehen! Wer soll das sein?“ Andere packen panikartig ihre paar Sachen und verlassen Jerusalem. Versuchen in Judäa unterzutauchen. Mitgefangen, mitgehangen, - denken sie. Rette sich, wer kann! Da Vinci stellt uns als Verräter dar. Den, der uns das Brot des Lebens, ja das ‚pharmakon athanasias‘ (Mittel der Unsterblichkeit), sein ewiges, über unsere Existenz hinausweisendes Wort gibt, lassen wir über die Klinge springen, aus Angst, Gier, Panik. Oder was auch immer wir als unsere Gründe angeben. Karfreitag und Ostern werden zeigen, dass Gott selbst in Verrat, Verleugnen und feigem Abhauen zu uns hält. „Du gehörst zu mir, denn ich habe dich unendlich liebgewonnen.“ (Jesaja 43) Der Rückgriff auf die Geschichte macht deutlich, dass wir gefragt sind, was die Worte ‚Das ist mein Leib‘ ‚Das ist mein Blut‘ für uns bedeuten, wenn wir zu Abendmahl gehen. Unser Lebens- und Erfahrungshorizont, unser Gottesverständnis, unser Verhältnis zu anderen, unser Glaube wird uns eine Antwort finden lassen. Sie wird eine mögliche und berechtigte Antwort auf eine offene Frage sein. Wie auch immer sie ausfallen wird. Unsere Antworten trennen uns nicht, sondern verweisen auf den, der uns Brot und Wein reicht. Helfen uns zu der Gewissheit: Gott hält an uns fest. 

Sonntag Judica, 3. April 2022 - Dietrich Bonhoeffer

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dieses bekannte Lied ist der letzte Text, den Dietrich Bonhoeffer vor seiner Ermordung im KZ Flossenbürg am 9. April 1945 geschrieben hat. Bonhoeffer stammt aus einer großbürgerlich-konservativen Familie. Der Vater ein renommierter Neurologe, zuletzt an der Berliner Charite tätig. Die Mutter eine geborene v. Hase, Enkelin des Theologen Alfred v. Hase. Unter ‚normalen‘ Umständen hätte Dietrich Bonhoeffer eine glatte Karriere an der Universität oder in kirchlichen Lehrämtern machen können. 1923 beginnt er sein Theologiestudium in Tübingen. Mit 21 Jahren wurde er mit der noch heute aktuellen Arbeit Sanctorum Communio (Gemeinschaft der Heiligen) zum Doktor der Theologie promoviert. Es folgten ein Vikariat in Barcelona. 1930 folgt das zweite Examen. Dann ein weiterer Auslandsaufenthalt am Union Theological Seminary in New York. 1931 in Berlin-Tiergarten (St. Matthäuskirche) zum Pfarrer ordiniert. Bonhoeffer begrüßte die Ernennung Adolf Hitler zum Kanzler nicht, wie der größte Teil der evangelischen Kirche. Ihm war von Anfang an klar: Dieser Kanzler und Führer bedeuten Krieg. „Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gott.“ Sagte er in einer Rundfunkansprache zwei Tage vor der sogenannten Machtergreifung 1933. Es begann der ‚Kirchenkampf‘, in dem die Anhänger der Nazis, die ‚Deutschen Christen‘ die evangelische Kirche gleichschalten wollten. Nach Einführung des ‚Arierparagraphen‘ im September 1933 gründete er mit Martin Niemöller den Pfarrernotbund zum Schutz der Pfarrer jüdischer Herkunft. Nach einem erneuten Aufenthalt in London 1933 bis 1935 war er Leiter des Predigerseminars in Finkenwalde (Stettin), das 1937 von den Nazis verboten wurde und noch einige Zeit in der Illegalität weiterarbeitete.
Bonhoeffer schloss sich dem konservativen Widerstand um Canaris und Hans von Dohnanyi. Im April 1943 wird er verhaftet. Auf Hitlers persönlichen Befehl hin wird er wenige Wochen vor Ende des Krieges hingerichtet. In der Haft schrieb Bonhoeffer weiter theologische Schriften, Gebet und Gedichte. Das theologische Denken Bonhoeffer ist auf Christus zentriert und betont, dass Kirche eine Kirche in der Welt sein müsse. „Je ausschließlicher wir Christus als den Herrn bekennen, desto mehr enthüllt sich die Weite seines Herrschaftsbereiches. […] Die Welt gehört zu Christus und nur in Christus ist sie, was sie ist. Sie braucht darum nichts geringeres als Christus selbst. Alles wäre verdorben, wollte man Christus für die Kirche aufbewahren, während man der Welt nur irgendein, vielleicht christliches, Gesetz gönnt. […] Seit Gott in Christus Fleisch wurde und in die Welt einging, ist es uns verboten, zwei Räume, zwei Wirklichkeiten zu behaupten: Es gibt nur diese eine Welt.“ Wirkmächtig sind auch seine Überlegungen zur Ethik. „Die Kirche darf also keine Prinzipien verkündigen, die immer wahr sind, sondern nur Gebote, die heute wahr sind. Denn, was ‚immer‘ wahr ist, ist gerade heute nicht wahr. Gott ist uns ‚immer‘ gerade ‚heute‘ Gott.“ Aber Bonhoeffer kannte auch den Zweifeln im und das Suchen des Glaubens. Das macht sein Gedicht ‚Wer bin ich‘ deutlich.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest,
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten.
Wer bin ich? Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig lächelnd und stolz, wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer, das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Sonntag Lätare 27. März 2022 - Meister Ekhardt

Am 27. März gedenken die protestantischen Kirchen eines Dominikaners, der unter dem Namen Meister Eckhardt bekannt ist. Geboren ist er in Hochheim, einem Ort bei Gotha. Sein Todestag ist nicht genau bekannt. Sicher ist, dass er zwischen Juli 1327 und April 1328 in Avignon gestorben ist. Am 27. März 1329, also etwa ein Jahr nach seinem Tod, verurteilt Papst Johannes XXII in der Bulle ‚in agro domenico‘ 28 Aussagen Eckhardts als häretisch. Nicht seiner theologischen Gedanken wegen, sondern weil sie Menschen in die Irre führen könnten. Mit etwa 15 Jahren trat Eckhardt dem Dominikanerorden in Erfurt bei. Dort durchläuft er eine klassische Ausbildung als Theologe in den sogenannten 7 freien Künsten (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie). Zweimal hat er eine Professur an der damals berühmten Universität in Paris inne (1293/4 und 1311). Er ist Prior des Dominikanerklosters in Erfurt, wird später Provinzial, also Chef der Ordensprovinz Sachen. 1325 lebt er in Köln und wird dort von Mitbrüdern, die einen zweifelhaften Ruf haben, der Häresie angeklagt. Es geht hin und her, schließlich wird der Prozess an den Papst in Avignon delegiert, wo der Papst residierte. Es sind die Jahre des avignonesischen Papsttums. (bis 1377) Magister Eckahrdt kennt die Mechanismen der Kirche. Er weiß sich zu verteidigen. So lässt er im Januar 1327 einen ‚Widerruf‘ aller seiner Lehren öffentlich verlesen. Der ist jedoch ganz allgemein und endet mit dem Satz, er widerrufe jeden Irrtum, den man ihm nachweisen könne. Eine ähnliche Strategie wendet Luther auf dem Reichstag in Worms an: „…wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, dass sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“ Magister Eckhardt predigt auf Deutsch. Er will, dass auch einfache Menschen Gott verstehen. Freilich versteht er Gott anders als die Mainstreamtheologie, deren Vorbild die Philosophie des Aristoteles ist. Eckhardt folgt der ‚negativen‘ Theologie des Platonismus. Für die aristotelisch geprägte Scholastik war Gott ein ‚Forschungsobjekt‘, über das mittels theologischer Offenbarung und der Vernunft der philosophischen Argumentation positive Aussagen gemacht werden konnten. Die platonische Vorstellung von Gott ist ‚negativ‘. Menschen können über Gott keine Aussagen machen, Gott ist ‚grundloser Grund‘. Gott ist Ursprung von Allem. Man kann ihm keine Merkmale zuschreiben. Jedes Merkmal wäre nämlich eine Begrenzung und als solche dem Charakter des Einen unvereinbar. Gott weist keine Begrenzungen auf. Es gibt nichts, was er nicht ist. Er ist das Verneinen des Verneinens. Einfacher beschreibt Dietrich Bonhoeffer diese theologische Erkenntnis in seiner Habilitationsschrift (Akt und Sein). „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“ Und er meint: Einen Gott - der von uns Menschen objektiv erkennbar und beschreibbar ist - einen, den es in Anführungszeichen „gibt", der berührt mich nicht, den will ich auch gar nicht kennen, der schwebt fernab meiner Lebenswelt. Das gibt ziemlich genau die Meinung von Magister Eckhardt wieder. Er wollte, dass die Menschen von Gott berührt werden. Denn alle Menschen hätte einen göttlichen Anteil in ihrer Seele. Dieser göttliche Anteil könne direkt mit Gott kommunizieren, vorausgesetzt ein Mensch mache sich frei von allem, was das direkte Sprechen hindert. Das nennt er die Gottesgeburt der Seele. Wo ich nichts für mich will, da will Gott für mich. Nun gibt Acht! Was will er für mich, wenn ich nichts für mich will? Wo ich von mir lasse, da muss er für mich notwendigerweise alles wollen, was er für sich selbst will, nicht mehr und nicht weniger, und in derselben Weise, in der er für sich will. Täte Gott dies nicht, bei der Wahrheit, die Gott selbst ist, dann wäre er nicht gerecht, und er wäre nicht Gott – was doch sein natürliches Wesen ist. Darum fange bei dir selbst an und lass dich. Je mehr die Menschen nach außen gehen, umso weniger finden sie Frieden. Sie gehen wie jemand, der den Weg nicht findet. Je weiter er geht, umso mehr verirrt er sich. Was soll er also tun? Er soll sich selbst erst einmal lassen, dann hat er alles gelassen.“ Deshalb kann Magister Eckehardt auch sagen, es gibt prinzipiell keinen Unterschied zwischen Jesus und uns, beide sind wahrer Gott und wahrer Mensch. Damit sei grundsätzlich sei jeder befähigt, das zu verwirklichen, was Christus verwirklicht und vollbracht hat. Es mögen Gedanken wie dieser gewesen sein, an denen die vatikanischen Theologen Anstoß nehmen. Denn die Konsequenz wäre ja, eine das Heil vermittelnde Institution wie die Kirche braucht es nicht unbedingt.

Wir beten im Vater unser die Worte „… dein Wille geschehe“, lateinisch: fiat voluntas tua. Eckhardt übersetzt Wort für Wort „werde Wille dein“ und setzt erläuternd hinzu: mein Wille dein Wille werde. Darum geht es Magister Eckhardt, dass Gottes Wille durch mich geschehe. Mystische Menschen finden bei Eckhardt viele anregende Gedanken für ihre Gotteserfahrungen. Er selbst war keiner. Für ihn galt: Ein einziges Werk, was auch immer, in der richtigen Intention getan, das ist besser als irgendeine (mystische) Übung.

Sonntag Okuli 20. März 2022 - Verkündigung Marias

Am 25. März, neun Monate vor Weihnachten, feiern die Kirchen den Tag Mariä Verkündigung. Lukas (1,26-38) berichtet, wie der Engel Gabriel Maria die Geburt eines Kindes ankündigt. Auf die Frage, wie das vor sich gehen solle, antwortet er: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ Diese Stelle ist Grundlage für das Ave Maria: „Gegrüßet seist Du Maria“. Selbst der Koran erwähnt die Verkündigung Mariens. Dieses Fest erscheint relativ spät im christlichen Kalender, nämlich erst, nachdem sich der 25. Dezember als Geburtstag Jesu durchgesetzt hatte, etablierte die Kirche den 25. März als Tag der Verkündigung der Geburt Jesu. Dieser Prozess war im 7. Jahrhundert abgeschlossen. Sinnigerweise liegt der Termin auf dem Tag des antiken, römischen Weltfrauentages. Interessant ist, dass die christliche Lehre fünf Stadien als Reaktion auf die Verkündigung kennt: auf die Conturbatio folgen Cogitatio, Interrogatio, Humilitatio und Meritatio, also Verwirrung, Nachdenken, Nachfragen, Unterwerfung und Wertschätzung. Das entspricht ziemlich genau dem, was Elisabeth Kübler-Ross für die Abfolge der Trauerphasen beschreibt: Leugnen, Wut, Feilschen und Verhandeln, Depression und Annahme. וְאֵין כָּל חָדָשׁ תַּחַת הַשָּׁמֶשׁ – v’ein cal chadash tachat ha shämäsh – Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Ich denke, es ist überhaupt ein Grundmodell psychischer Verarbeitungsweise von innerseelischen Konflikten und Herausforderungen. Die Verkündigung der Mariä ist immer wieder musikalisch bearbeitet worden. Bach schreibt zwei Kantaten „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Himmelkönig sei willkommen“. Das „Ave Maria“ ist von vielen Komponisten vertont worden. Charles Gounod und Schubert sind hier stellvertretend zu nennen. Selbst Karl May soll ein Ave Maria geschrieben und vertont haben. Ebenso in der Malerei. Jede Epoche malt ihre Deutung. Das Gemälde stammt von Gaudenzio Ferrari (1512). Er hat es als Liebesszene gemalt. Der Engel überreicht die Blume seiner Angebeteten. Maria neigt ihr Gesicht dem Ankömmling zu, keine Spur von Fremdheit. Und natürlich gibt es auch eine Bauernregel: „Mariä Verkündigung kommen die Schwalben wiederum."  Denn früher war der 25. März der Beginn des Frühjahres.

Sonntag Reminiscere 13. März 2022 - Johann Salomon Semmler

Am 14. März 1791 stirbt in Halle der evangelische Theologe Johann Salomon Semmler. Muss man/frau ihn kennen? Nein. Und doch ist das, was wir Heutigen unter wissenschaftlicher Theologie und Religion verstehen ohne ihn nicht vorstellbar. Geboren wurde er am 18. Dezember 1725 in Saalfeld. Sein Vater war Pfarrer und Superintendent, die Familie fromm, vom Pietismus geprägt. Der Pietismus will dem vermeintlich laschen, mangelhaften Alltags- und Kirchenglauben durch eine strenge christliche Lebensführung und Ernsthaftigkeit eines persönlichen Glaubens entgegenwirken. Ab 1743 studiert Semmler er an der Universität Halle, der Hochburg pietistischer Theologie. Nach Beendigung des Studiums 1750 geht er als Lehrer für arabische Sprache an das Gymnasium in Coburg. 1752 kehrt er mit Hilfe seines Lehrers Sigmund Jacob Baumgarten als Professor für Theologie nach Halle zurück. Aber als Professor setzt sich Semler kritisch mit dem Pietismus auseinander, am Ende distanziert er sich davon. Sein von der Aufklärung geprägte theologisches Denken beendet den Einfluss des Pietismus auf die Universitätstheologie. ERE war maßgeblich daran beteiligt, dass wissenschaftliche Methoden in die universitäre Ausbildung von Theologen und Pfarrern eingeführt wurden. Standartwerk für lange Zeit wird seine vierbändige „Abhandlung von freier Untersuchung des Canons“. Semlers Forschungen zeigen, dass biblischen Texte, also die Überlieferung der göttlichen Offenbarung, eine Sammlung unterschiedlichster Schriften und Autoren aus verschiedenen Zeiten handele. Er konzentrierte die exegetische (die Auslegung eines Textes) Arbeit auf ‚Textkritik‘ und legt den Grundstein für die moderne historisch-kritische Exegese. Bis heute wissenschaftliche Strandartmethode. Der Text wird befragt: wann ist er entstanden? Hat er eine Vorgeschichte oder Vorläufer? Aus welchem Anlass ist er entstanden? Wer ist der Adressat? Welche Frage will ein Text beantworten? Wie ist seine Traditions- und Überlieferungsgeschichte? Und viele mehr. Semmlers Forschungen entziehen der von der lutherischen Orthodoxie, aber nicht nur von ihr, vertretenen Auffassung von der Verbalinspiration der Schrift den Boden. Der Auffassung also, die Texte der Bibel seien dem Schreiber vom Heiligen Geist direkt in die Feder diktiert worden. Ganz verschwunden ist diese Ansicht bis heute nicht. In pietistischen Kreisen und in fundamentalistischen Strömungen gilt sie bis heute. Ach im Diskurs, wie man den Koran zu lesen habe. Mit Semmlers Forschungen entsteht freilich ein neues Problem. Semmler und andere Aufklärungstheologen trennen nun zwischen einer wissenschaftlichen Theologie, der christlichen Religion bzw. der Privatreligion. Die Theologie habe sich mit den Texten der Bibel (und anderen Religionen) und der Dogmengeschichte nach wissenschaftlichen, rational nachvollziehbaren Methoden der Auslegung (Hermeneutik) auseinanderzusetzen. Sie wird an Universitäten gelehrt. Gelebte Religion, privater Glaube bildet sich in selbständiger, individueller Auseinandersetzung mit den Texten, sei erfahrungsgeleitet und verfolge andere (existentielle) Fragestellungen. Der eigene Glaube sei innerliche Religion des mündigen Individuums, die keiner Konfession bedarf. Semmler setzte sich für Gewissensfreiheit und Toleranz nicht nur in Fragen der Religion ein. Wenn wir in unseren heutigen Gesellschaften sagen, Religion sei eine Privatsache, dann zitieren wir damit die Aufklärung. Und tun gut daran. Damit ist aber die Frage, welche Rolle Religion in unserem gesellschaftlichen und politischen Denken und Handeln spielt, bzw. wo ihr Grenzen zu ziehen sind, nicht beantwortet. Sie muss immer wieder neu verhandelt werden. Für die Ausbildung unseres privaten Glaubens ist es fruchtbar, wenn wir die wissenschaftliche theologische Forschung zur Kenntnis nehmen und sich von ihr befragen lassen. Das Umgekehrte gilt ebenfalls. Wissenschaftliche Theologie muss mit unserem Erfahrungshorizont konfrontiert werden. „Sapere aude.“ Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Wobei das Wort ‚sapere‘ eigentlich ‚schmecken, riechen‘ bedeutet. Also wäre das alte Horazzitat auch übersetzbar mit: ‚Wage es, dir einen eigenen Geschmack zu bilden.‘ Daniel Friedrich Schleiermacher, Nachfolger von Semmler Professur in Halle, wird in seiner Hauptschrift ‚Über die Religion‘ diese als „Sinn und Geschmack für das Unendlich“ beschreiben.

Sonntag Invokavit 6. März 2022 - Papst Gregor

Der 12. März ist für die reformatorischen Kirchen Gedenktag für Papst Gregor I. Geboren 540 als Sohn der alten römischen Patrizierfamilie der Anicier. Seine Familie stellte im ausgehenden weströmischen Reich zwei Kaiser und einen Papst (Felix II). Gregor begann seine Karriere als stadtrömischer Verwaltungsfachmann, die ihn bis in das höchste Amt des Stadtpräfekten von Rom führte. Nach dem Tod seines Vaters 575 entschied er sich für ein Leben als Mönch und gründete in der Villa seiner Familie das Kloster Santi Andrea e Gregorio al Monte Celio. Dieses Kloster besteht noch heute. Weiter Klostergründungen in Italien folgten. Vier Jahre später schickt ihn Papst Pelagius als Botschafter des Bischofs von Rom nach Konstantinopel. Griechisch hat er nicht gut verstanden, weshalb wohl seine Mission nicht so richtig erfolgreich war. Jedenfalls gelang es ihm nicht, von Kaiser Justinian militärische Unterstützung für die Abwehr der Langobarden zu erhalten. Was er aber aus Konstantinopel mitbrachte, waren große Bußprozessionen zu Ehren der Maria, die er als späterer Papst in Rom erstmals 590 anlässlich eines Ausbruchs der Pest durchführen ließ. An dieser Pest starb Pelagius, Gregor wurde sein Nachfolger. Er führte den Titel ‚servus servorum dei‘ (Diener der Diener Gottes), den auch die heutigen Päpste noch führen. Auf seinem Grab steht der Titel ‚consul dei‘. Dieser Titel, den er sich selber gab, weist auf seinen Machtanspruch hin, denn Gregor betreibt den Alleinvertretungsanspruch des römischen Bischofs für die ganze Christenheit. Das brachte ihn natürlich in Konflikt mit den Patriarchen in Konstantinopel Johannes IV. Nesteutes, der den Titel des ökumenischen Patriarchen führte. In Italien hat Gregor sich die Vormacht wohldurch gezielte Bestechung kaiserlicher Beamter in Ravenna gesichert. Dass die kaiserliche Macht in Italien schwach war, spielte Gregor in die Hände. Er verhandelte eigenmächtig mit den Langobarden über einen Abzug, organisierte die Getreideversorgung von Rom und schaffte durch geschickte Zusammenlegung der Besitztümer der Kirche in Süditalien und Sizilien die Grundlage dessen, was später der Vatikanstaat wurde. Am Monatsanfang wurden Lebensmitteln an Arme und Bedürftige verteilt. Seine Mitbischöfe ermahnte er, der Hungernde sei nur dann für eine Predigt empfänglich, wenn ihm zuvor eine „helfende Hand“ gereicht worden sei. Brecht fasst das später in das Bonmot: „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral.“ Kirchenpolitisch war Gregor sehr erfolgreich. So schaffte er die ‚Simonie‘ (Ämterkauf) und die Laienordination ab. Durch regelmäßige Treffen der Bischöfe zu Synoden verfestigte er seinen Führungsanspruch. Er initiierte die Rekatholisierung Britanniens und Spaniens und bewirkte die Abkehr der Langobarden vom Arianismus. Manche Fortscher sehen Gregor daher als ersten mittelalterlichen Papst. Über die von ihm gegründeten Klöster konnte er überall seinen Machtanspruch durchsetzen. Dabei war Gregor nicht zimperlich. Anlässlich der Christianisierung Sardiniens gab er den Ukas aus: „Wenn ihr feststellt, dass sie nicht gewillt sind, ihr Verhalten zu ändern, so befehlen wir, dass ihr sie mit größtem Eifer verfolgt. Sind sie unfrei, so züchtigt sie mit Prügeln und Folter, um sie zur Besserung zu zwingen. Sind sie aber freie Menschen, so sollen sie durch strengste Kerkerhaft zur Einsicht gebracht werden, wie es angemessen ist, damit jene, die sich weigern, die heilsamen Worte zu hören, welche sie aus den Gefahren des Todes erretten können, durch körperliche Qual der erwünschten geistigen Gesundheit zugeführt werden.“ Zusammengefasst: Und willst du nicht mein christlicher Bruder sein, dann hau ich dir die Fresse ein. Diese Haltung wurde ein probates Mittel kirchlichen Handelns gegenüber Andersdenkenden und Andersglaubenden für viele Jahrhunderte. Eine Strategie, die Putin in diesen Tagen gegenüber seinen ukrainischen Brüdern und Schwestern anwendet. Gregor führte eine Reform der Liturgie durch. Die ‚gregorianischen Choräle‘ stammen allerdings nicht von ihm. Sie gehen auf das Konto von irischen Mönchen. Die Liste der noch heute gültigen Todsünden stammt wohl von ihm: Hochmut, Völlerei, Neid, Zorn, Trägheit, Geiz, Wollust. Und er war Verfasser von zahlreichen Schriften, die in der katholischen Kirche noch heute große Bedeutung haben. Am 12. März 604 stirb Gregor. 1295 wird er heiliggesprochen. Er gilt als Patron des kirchlichen Schulwesens, der Bergwerke, des Chor- und Choralgesanges, der Gelehrten, Lehrer, Schüler, Studenten, Sänger, Musiker, Maurer, Knopfmacher. Und hilft gegen Gicht und Pest (nicht wirklich). Natürlich gibt es auch Bauernregeln wie: „Gregor zeigt dem Bauern an, / dass im Feld er säen kann.“ – „Um den Tag des St. Gregor, / da kommen auch die Schwalben vor.“

Sonntag Esto mihi 27. Februar 2022 - cunctos populos

Am 28. Februar 380 unterzeichnen die regierenden Kaiser des römischen Reiches Theodosios I (347-395), Valentinian II. (371-392) und dessen mitregierender Bruder Gratian (359-383) in Thessaloniki das Edikt ‚Cunctos populos‘ – an alle Menschen. Darin wird das Christentum zur Staatsreligion erklärt: "Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen sich … zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat … und zu dem sich der Pontifex Damasus klar bekennt wie auch Bischof Petrus von Alexandrien … Das bedeutet, dass wir gemäß apostolischer Weisung und evangelischer Lehre eine Gottheit des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes in gleicher Majestät und heiliger Dreifaltigkeit glauben. Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen … katholische Christen heißen dürfen. Die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen. Auch dürfen ihre Versammlungsstätten nicht als Kirchen bezeichnet werden. Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist."

Das Edikt war ein geschickter politischer Schachzug. Denn außen- wie innenpolitisch war das Imperium geschwächt. Zwei Jahre vorher wurde die gesamte oströmische Armee von den terwingischen Goten in der Schlacht von Adrianopel (378, heute Edirne) vernichtend geschlagen. Konstantinopel wurde nur deshalb nicht erobert, weil eine arabische (!) Söldnerarmee die Stadt gegen Goten unter grausamstem Einsatz verteidigte. Es folgte ein jahrelanger Kleinkrieg der Kaiser gegen die Goten auf dem Balkan. Innenpolitisch sah es nicht besser aus. In der Hauptstadt Konstantinopel gab es 380 Straßenkämpfe zwischen ‚Nizänern‘ und ‚Arianern‘. Ihr theologischer Streit dreht sich um die Frage, wie man die ‚Natur‘ Christi fassen könne. Die Nizäner beschrieben ihn als ‚wahren Menschen und wahren Gott‘. Christus sei wesensgleich mit Gott. Für die Arianer war Christus das vornehmstes Geschöpf Gottes, aber nicht wesensgleich. Das Edikt war der Versuch, die innenpolitische Lage im Imperium zu stabilisieren. Die Westhälfte war mehrheitlich nizänisch, in der Osthälfte hielten sich Nizäner und Arianer in etwa die Waage. Wie auch immer, das Edikt stärkte die Macht der nizänischen Kirche, insbesondere die Macht ihrer Bischöfe, unter denen sich Ambrosius von Mailand (339-397) besonders hervortat. Sein Leitsatz: „Der Kaiser ist in der Kirche, nicht über der Kirche.“ Das machte er Theodosius mehrfach deutlich. 388 verhinderte Ambrosius die Bestrafung eines Bischofs, der in Kallinikon (am Euphrat)  ein Massaker an Juden und das Niederbrennen der Synagoge geleitet hatte. Ambrosius argumentierte, das sei ein Konflikt zwischen Juden und Christen, und ein christlicher Kaiser könne sich nicht auf die Seite der Juden stellen. Zwei Jahre später 390 zwang er den Kaiser zur öffentlichen Reue während einer Messe für das Massaker von Thessaloniki. Theodosius hatte einen Volksaustand blutig mit Hilfe der germanischen Legion niedergeschlagen. Im Jahr 391 kam es in Alexandria zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Heiden, wie sie nun genannt wurden, und Christen. Ein paar Heiden verschanzten sich im Serapion, zwangen einige Christen zum Opfern, wenige sollen gekreuzigt worden sein. So jedenfalls die christliche Version. Um die Situation zu beruhigen, begnadigte der Kaiser die Mörder, ordnete aber als Warnung an die Heiden die Zerstörung des Tempels an. Bischof Theophilos  fragte sich, warum nur einer und nicht alle, und initiierte die Zerstörung aller Tempel in Alexandrien. In der Folge wurden viele vorchristliche Tempel und Heiligtümer im ganzen Imperium zerstört oder verwüstet. Das Edikt ‚cunctos populos‘ hat also eine enorme, blutige Wirkungsgeschichte. Bis in die Neuzeit hinein. Denn im 13. Jahrhundert diente es als Rechtfertigung für die Etablierung der Inquisition. Die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen ... Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist." Die ersten Opfer der Inquisition waren die Laienbewegungen der Katharer, Waldenser und Humiliaten. Mit der Laienbewegung hat die katholische Amtskirche bis heute ihre Schwierigkeiten. 1536 wurde die Inqusition auch in Portugal in Coimbra, Lissabon und Evora stasatskirchlich etabliert. Sie richtete sich vor allen gegen Conversos, jüdische getaufte Christen, später auch gegen andere. Bis 1821 war sie offiziell tätig. Am Ende ein Selbstbedienungsladen, denn die Vermögen der Verurteilten fielen an den Klerus.

Was bleibt, wenn wir uns an das Edikt erinnern? Das Verhältnis von Religion und Gewalt ist auch heute präsent, im Judentum, Christentum und Islam. Wir müssen uns dazu verhalten. Luther verlangte von der Religion ‚non vi, sed verbo‘ (nicht durch Gewalt, sondern durch das Wort) solle man anderen Menschen begegnen. Wir Lutheraner haben uns oft genug einen Teufel darum geschert. Die Psychoanalytikerin Tülay Özbek gibt uns folgenden Hinweis:

„Nicht was jemand glaubt, sondern wie er es glaubt, entscheidet darüber, ob es zu Destruktivität (Gewalt) kommt oder nicht; entscheidend ist nicht, was man liest, sondern wie man es liest, sei es nun die hebräische Bibel, die christliche Bibel, der Koran oder das Kapital.“ Entscheidend auch, wie man sich selber gegenüber anderen sieht. Kommen zwei Menschen in den Tempel. Der eine fromm, rühmt sich dafür und dankt Gott, dass er besser sei als andere. Der andere stellt sich hin und sagt offen, er habe Schwierigkeiten, Gott zu vertrauen. Mit letzterem bleibt Gott in Verbindung, erzählt Jesus.

Sonntag Sexagesimae (60 Tage vor Ostern) 20. Februar 2022 - Aposte Matthias

Der 24. Februar ist Gedenktag des Apostels Matthias. Über diese Apostel weiß man sehr wenig. Aber, und das macht ihn für die Kirchen in Deutschland wichtig: Er ist der einzige Apostel, dessen Gebeine in Deutschland aufbewahrt werden. Sie liegen In der Benediktinerabtei St. Matthias der ehemaligen Kaiserresidenz Trier. Ursprünglich gehörte Matthias wohl in den engeren Kreis um Jesus, aber nicht zu den sogenannten 12 Apostel. Diese Zahl ist ohnehin fiktiv. Sie verweist auf die 12 Stämme Israels und soll die Kontinuität zwischen jüdischem und christlichen Gottesvolk herstellen. Judas Iskariot hatte Jesus nach den Geschichten des Neuen Testament ausgeliefert und war damit aus dem Kreis der Apostel ausgeschieden. Lukas berichtet in seiner Apostelgeschichte (Apg 1,24-25) über die Nachwahl, die eigentlich ein Losentscheid war. Petrus rief nach der Himmelfahrt Christi den Apostelrat zusammen. Sie nominierten Joseph Barsabbas und Matthias und beteten: "Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war." Das Los fiel auf Matthias. Unklar bleibt die Stellung des Paulus in und zu dem Apostelkreis. Er hat sich selbst einen Apostel Jesu Christi genannt. (Galater 1,13-17) Zählt man ihn, wären es 13 Apostel. Wer jetzt an die ‚Wilde 13‘ denkt, liegt vieleicht nicht ganz falsch. Die Apostel waren schon ein eigenartiger Haufen. Pikanterweise berichtet Paulus, dass er bei seinem Besuch in Jerusalem nur Petrus und den Herrenbruder Jakobus angetroffen hätte. Wahrscheinlich befanden sich die anderen gerade auf Dienstreise. Man weiß es nicht. Über Matthias ist weiter nichts bekannt. Es gibt verschiedene Legenden zu seinem Tod im Jahr 63. Die eine erzählt, er habe den Märtyrertod in Äthiopien erlitten, wo man ihn erst gesteinigt und dann enthauptet habe. Sicher ist sicher. Deshalb wird er in der Ikonographie oft mit einem Beil dargestellt. Die andere berichtet er sei in Jerusalem eines natürlichen, altersgemäßen Todes gestorben. Wie auch immer, irgendwie kommen seine Gebeine nach Rom in die Kirche Santa Maria Maggiore. Vor dort werden sie von Helena, der Mutter Kaiser Konstantins I., im 4. Jahrhundert nach Trier verschickt. Dort waren sie offenbar lange ‚vergessen‘. 1127 wurden sie dann in der Benediktinerabtei St. Matthias plötzlich ‚wiedergefunden‘. Wen wundert‘s, dass sofort ein lebhafter Heiligenkult entstand. Die Pilgerfahrten, eine ältere Form des Massentourismus, spülten viel Geld in die Kassen der Abtei. Wallfahrten zum Grabe des Apostel Matthias finden bis heute statt, besonders aus dem Rheinland. Ob dabei auch Rufe wie ‚De Zug kütt‘ laut werden, ist nicht bekannt. Laut Bauernregel entscheidet sich am Matthiastag, ob der Frühling vor der Tür steht oder der Winter länger dauert: "Matheis bricht's Eis. Hat er keins, so macht er eins." Auch wurden in manchen Landstrichen am Matthiastag Obstbäume geschüttelt, um die Ernte des Jahres positiv zu beeinflussen. Ob dieses Tun den Obstschnitt ersetzt, ist nicht bewiesen. Aber es ist der Vollständigkeit halber zu berichten, dass man auch hier im Algarve gegen Bäume tritt oder sie schüttelt, wenn sie keine rechte Ernte mehr bringen. Das soll tatsächlich wirken. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Art Wachrütteln. Soll ja manchmal bei Menschen auch helfen.

Sonntag Septuagesimae (70 Tage vor Ostern) - Michael Praetorius

Am 15. Februar 1571 wurde Michael Prätorius unter seinem eigentlichen Namen Schultheis in Creuzburg bei Eisenach geboren. Sein Vater war Pfarrer daselbst, er das letzte von sechs Kindern. Auch Prätorius sollte Pfarrer werden. Mit 14 begann er in Frankfurt mit dem Studium der Theologie. Dort lebten zwei seiner Brüder. Offenbar bricht er das Studium nach dem Tod der Brüder ab, und nimmt eine Stelle als Organist an. Dann verliert sich seine Spur für 6 Jahre. 1594 wird er von Herzog Julius, Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Bischof von Halberstadt als Musiker angestellt. Bis zu seinem Tod am 15. Februar 1621 wird er in welfischen Diensten bleiben. Damals wurden Hofbeamte in verschiedenen Funktionen eingesetzt. So war er auch Privatsekretär der Herzogin und immer wieder in diplomatischen Missionen unterwegs. Ab 1604 war er Hofkapellmeister in Wolfenbüttel. Als solcher war er verantwortlich für das musikalische Leben des fürstlichen Hofes. So komponierte er die Musik für die Hundertjahrfeier der Reformation, die unter der Leitung von Heinrich Schütz in Dresden uraufgeführt wurde. Neben der weltlichen Musik für den Fürsten, schrieb er auch zahlreiche Musik für Kirchenlieder. Im heutigen Gesangbuch sind noch 8 Lieder, die von ihm komponiert wurden. Zu den bekanntesten zählen die Weihnachtslieder „Es ist ein Ros entsprungen“ (EG30) und „Quem pastores laudavere“ (EG 29): Aber auch andere Lieder wie „Mein erst Gefühl sei Preis und Dank“ (EG 451) oder „Mein Seel o Herr muß loben dich“ (EG 308). Prätorius war kein armer Mann, er hatte mehrere Pfründe als Abt des Kloster Ringelheim oder Koventual des Klosters Amelungsborn. So hinterließ er eine Stiftung zur Unterstützung junger Theologen. Begraben wurde Michael Prätorius in der Kirche „Beatae Mariae Virginis“ in Wolfenbüttel. Diese Kirche war der erste protestantische Großkirchenbau nach der Reformation und lange Grablege der welfischen Herzöge von Braunschweig-Lüneburg. Sie wurde erst 3 Jahre nach dem Tod von Michael Prätorius fertiggestellt. Die ursprüngliche Orgel wurde von Prätoius geplant.

4. Sonntag vor der Passionszeit - Daniel Friedrich Schleiermacher

 

Am 12. Februar 1834 stirbt der Theologe Friedrich Schleiermacher in Berlin. Für die protestantische Theologie ist er eine Art ‚Kirchenvater‘ des 19. Jahrhunderts. Aber er ist nicht nur Theologe. Er ist Altphilologe, übersetzt Platon, schreibt Grundlegendes über die Hermeneutik, die Lehre des Verstehens von Texten: „Das Missverstehen ist die Regel, das Verstehen, die glückliche Ausnahme.“ Er ist Mitgründer der Berliner Humboldtuniversität und begleitet die preußische Schulreform, als Kirchenreformer arbeitet er an der preußischen Union, der Vereinigung der reformierten und lutherischen Kirchen. Im „Agendenstreit“ steht er gegen den Anspruch des preußischen Königs. sich in innerkirchliche Angelegenheiten einzumischen. Worauf er auch geheimdienstlich beobachtet wurde. Geboren ist Schleiermacher als Sohn eines preußischen Feldpredigers am 21. November 1768 in Breslau. Nach dem Willen des Vaters sollen er und seine Geschwister in die Erziehung der Herrenhuter Gemeinde in Niesky gegeben. Später besucht er das Seminarium in Barby. Doch kommt er mit der strengen pietistischen Frömmigkeit, also der Konzentration auf Innerlichkeit, in Konflikt, als ihm verboten wird, die Schriften Kant‘s zu lesen. Darauf verlässt er gegen den Willen des Vaters die Schule. In seinem Brief an den Vater äußert er Zweifel an der kirchlichen Lehre von der Gottheit Christi und seines stellvertretenden Leidens. In Halle, einem Zentrum der Aufklärung, beginnt er Theologie zu studieren. Dort wird er Professor und wechselt nach Auflösung der Universität durch Napoleon nach Berlin. Dort ist er bis zu seinem Tod Pastor der Dreifaltigkeitskirche und, nach Gründung der Humboldt Universität Professor für Theologie. Er verkehrte im Salon von Henriette Herz (1764–1847), mit der ihn eine enge Freundschaft verband. Henriette Herz, geborene Lemos, entstammte einer aus Portugal stammenden jüdischen Familie. In ihrem Salon kam Schleiermacher mit den Brüdern Humboldt, Tieck, Jean Paul und August Ferdinand Bernhardi zusammen. Er war befreundet mit August Wilhelm und Friedrich Schlegel, mit dem er 1797/98 sich sogar eine Wohnung teilte. Schleiermachers Zeit war geprägt von Umbrüchen und Neuorientierungen. Die Aufklärung hatte die Plausibilität der lutherischen Orthodoxie hinweggefegt. Der Pietismus hatte keine Antworten auf die gesellschaftlichen Herausforderungen. Das Zusammengehen von Thron und Altar wird durch die französische Revolution in Frage gestellt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, Anfang des 19.Jahrhunderts lehnen immer mehr Bildungsbürger die überlieferten kirchlichen Gottesvorstellungen ab. Menschen bedienen sich ihres Verstandes und nehmen auch ihren Glauben selbst in die Hand. Die Kirche soll ihnen nichts mehr diktieren. Aber, nur vernünftig zu denken, ist dürr und bringt, was Lebendig ist, nicht in Gang. Und, Menschen, die nur moralisch und ethisch daherkommen, sind auf Dauer unerträglich. Das ist der Ausgangspunkt des theologischen Denkens Schleiermachers. Nach seinem Verständnis ist Religion „Sinn und Geschmack für das Unendliche“, ist Religion weder ein Wissen noch ein Tun. Keine objektiven kirchlichen Lehrsätze, sondern moderne Erfahrungstheologie. Gefühl als das Organ, mit dem das Göttliche begriffen wird. Das Göttliche. Nicht Gott. Wer ein Gefühl für den Kosmos hat und für das Lebendige, das überall wirkt, der ist beteiligt an der Lebendigkeit des Kosmos und beteiligt an der Lebendigkeit und Ursprünglichkeit des Göttlichen. Das nennt er Frömmigkeit. Das Bewusstsein, das Gefühl der „schlechthinnigen Abhängigkeit“. Seine Gedanken sprechen viele Menschen an. Glauben ist Unterwegssein mit Geschichten, mit der eigenen Seele, mit eigenen Gefühlen. Ist individuelle Geschichte und Traditionsgeschichte, die sich begegnen. Wenn meine Seele unterwegs auf ihrem Lebensweg und eine biblische Geschichte liest, dann vermengen sie die beiden Sie regen sich gegenseitig an.

Letzter Sonntag nach Epiphanias - Lichtmess

Am 2. Februar begehen die Kirchen Mariä Lichtmess, so sein volkstümlicher Name. Eigentlich ist es das Fest der Darstellung des Herrn, praesentatio Jesu in templo, griechisch ὑπαπαντὴ τοῦ Κυρίου. Dahinter steht die alttestamentliche Vorstellung, dass eine Mutter nach den Vorschriften vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein galt. Bei Töchtern sogar 80 Tage. Zur Reinigung musste die Frau ein Reinigungsopfer bringen. In der Regel ein oder zwei Tauben. Der erstgeborene Sohn galt zudem als Eigentum Gottes und musste von den Eltern ausgelöst werden. Früher war für diesen Tag deshalb auch die Bezeichnung Mariä Purificatio (Reinigung) gebräuchlich. Mit dem 2. Februar sind es vierzig Tage nach Weihnachten. 40 Tage beträgt der Zeitraum für kirchliche Festzeiten. Mit dem 2. Februar findet der Weihnachtsfestkreis seinen Abschluss: Weihnachtsbaum und Krippen wurden abgebaut bzw. eingepackt. Das Lukasevangelium (2,21-40) erzählt, wie Maria und Josef mit Jesus in den Tempel gehen. Sie begegnen dem alten Simeon und der Prophetin Hanna. Beide erkennen, Jesus ist kein gewöhnliches Kind. Sie preisen ihn als den Erlöser Israels. Ein Ursprung dieses Festes liegt in einer heidnischen Sühneprozession, die alle fünf Jahre in Rom abgehalten wurde. In dessen Verlauf kam es zu einer Kerzenweihe und Lichterprozession. Daher der Name Mariä Lichtmess genannt. Erstmals erwähnt wird das Fest im 4. Jahrhundert in Jerusalem. In Rom ist eine Lichterprozession ab dem 7. Jahrhundert bekannt. Zunächst am 14. Februar - 40 Tage nach dem früheren Weihnachtsfest am heutigen Epiphaniastag gefeiert. Heute ist der 14. Februar aber der Valentinstag. An Lichtmess wurde der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht. Kerzen für den häuslichen Gebrauch wurden ebenfalls gesegnet. Die gesegneten Kerzen sollten das Gebetbuch erleuchten oder als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren. An Mariä Lichtmess endete für die Bauern die Winterpause, die Arbeit auf den Feldern wurde wieder aufgenommen. Dieser Tag war auch Zahltag für die Dienstboten, die bis St. Agatha (5. Februar) frei hatten bzw. zu ihren neuen Dienstherren umzogen. Denn die Verträge wurden entweder für ein Jahr erneuert oder das Gesinde suchte sich eine neue Stelle. Der letzte allgemein so gehaltene Zahltag war der 2. Februar 1938. Die Nazis schafften den Tag ab. Sie organisierten den sogenannten Bauernstand nach ihren Regeln. Ab Mariä Lichtmess werden die Tage spürbar länger. Das hält der alte Vers fest: Zu Stephani a Muckngahn, zu Neujahr a Hahnentritt, zu Heilig Drei König a Hirschensprung und zu Maria Lichtmess a ganze Stund. Gemeint ist die Verlängerung der Tage. Es gibt natürlich auch Bauernregeln, wie: Ist's zu Lichtmess mild und rein, wirds ein langer Winter sein. Oder: Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell. Oder ganz kurz: Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.

3. Sonntag nach Epiphanias - Bekehrung des Paulus

Was ein ‚Damaskuserlebnis‘ ist oder wenn jemand vom Saulus zum Paulus wird – das kennt man noch. Es meint ein Ereignis, wo jemand sein Leben total umkrempelt. Erinnert wird an das Erlebnis, das Paulus vor Damaskus widerfahren ist. Paulus stammt aus Tarsos, wo er 10 v.Chr geboren wurde. Er besaß das römische Bürgerrecht, war Seilmacher und studierter rabbinischer Theologe, und zwar ein streitbarer. Jedenfalls wollte er die ersten Christen, die sich in den Synagogen versammelten, auf Linie bringen. Deshalb ging er ihnen an den Kragen. Wenn man den Geschichten des Lukas traut, einem Vertrauten des Paulus, dann war er bei der Steinigung des Stephanus dabei. Und hatte daran Wohlgefallen. Er drang in die Häuser der Christen ein, setzte Männer und Frauen unterdruck, zögerte auch nicht, Gewalt anzuwenden. Solche Methoden bringen wir heute vielleicht mit den Taliban oder dem Islamischen Staat zusammen. Schließlich soll sich Paulus sich vom Hohen Rat in Jerusalem einen Auftrag erbeten haben, auch in und um Damaskus für Ordnung zu sorgen. Die Apostelgeschichte (9,3ff) erzählt, wie er vor der Stadt eine Lichterscheinung hatte, vom hohen Ross fiel und blind wurde. Der Auferstandene sei ihm erschienen und habe ihn gefragt: „Warum verfolgst du mich?“ Ausgerechnet Christen sammeln den Hilflosen auf und pflegen ihn gesund. „Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.“ (9,18) Paulus lässt sich taufen. Und wird fortan zur zentralen Figur der Ausbreitung des Christentums unter den Heiden, vornehmlich in Kleinasien, später auch in Griechenland. Er gründet Gemeinden wie Philippi, Thessaloniki und Korinth. Mit derselben Energie, mit dem er die Christen verfolgte, betreibt er seine Mission. Die Heiden durch den Messias Jesus zum Gott Israels zu führen, das ist sein nueer Auftrag. Streitbar bleibt er. Ein Konflikt in der Urgemeinde ist, ob sich die zum Christentum bekehrten Heiden dem jüdischen Ritualgesetz inclusive Beschneidung unterwerfen sollen. Petrus verlangt das. Auch er ein Hardliner. Paulus meint, wer nach den jüdischen Ritualgesetz leben wolle, solle das tun, für die sogenannten Heidenchristen müsse das nicht gelten. Paulus war ein guter Jude und ein guter Christusanhänger, steht in und für beide Traditionen. Sieht keinen Widerspruch zwischen Juden- und Christentum. So kommt es zum Kompromiss auf dem sogenannten Apostelkonzil. Paulus missioniert die Heiden. Wer nicht will, kann auf die Beschneidung als Zeichen der Anerkennung der jüdischen Ritualgesetzen verzichten. Die Taufe und ein entsprechender Lebenswandel ist wichtiger. Die Urgemeinde schmort weiter im eigenen Saft. Sie verschwindet in den Wirren der Belagerung und Eroberung Jerusalems im Jahre 70. Vielleicht hat Paulus sich den Kompromiss auch erkauft. Denn er bringt der hungernden und bedrängten Urgemeinde um Petrus eine schöne Summe als Spende mit nach Jerusalem. Die Spannungen aber bleiben. Und es gibt den Verdacht, dass ihn Christen aus der Urgemeinde an die Römer verrieten, so dass es zu Verhaftung, Prozess und schließlich Hinrichtung in Rom kommt. Paulus bleibt auch nach Damaskus ein Jude, mit dem Glauben an Christus. Verbunden war damit eine gravierende Verhaltensänderung. Nie wieder wird er physische Gewalt gegen andere Menschen anwenden. Er vertraut nun einzig und allein auf die Kraft seiner Worte. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21). Das ist sein Verhaltensgrundsatz, den Luther übernommen hat, wenn er sagte. Non vi, sed verbo – nicht mit Gewalt, sondern durch Worte, Argumente sollen Menschen überzeugt werden. Leider ist diese Haltung auch im 21. Jahrhundert keine allgemeingültige. Eben weil religiöse und politische Überzeugungen immer ein gewisses Gewaltpotential bergen, gilt die Frage des Christus vor Damaskus auch uns: Warum bist du gewalttätig? Gewaltlosigkeit und Toleranz sind uns nicht einfach gegeben, wir müssen sie uns immer wieder erarbeiten. So werden auch wir das eine oder andere Damaskuserlebnis brauchen. Möge es uns erspart bleiben, vom hohen Ross zu fallen.

2. Sonntag nach Epiphanias 16. Januar 2022 - Antonius der Große

Am 17. Januar erinnern die Kirchen an den Vater des christlichen Mönchtums, Antonius dem Großen. Geboren 250 in damaligen Come, heute Qiman el Arus (Ägypten). Seine Eltern waren Großgrundbesitzer. Sie starben sehr früh. Mit 18 Jahren übernahm er den elterlichen Betrieb, sorgte für sich und seine jüngere Schwester. Die strenge Ethik des Matthäusevangeliums veränderte sein Leben. Wenn Du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was Du hast, und gib es den Armen. (19, 21) Also verkaufte er mit 25 seinen Besitz, sorgte für das Auskommen seiner Schwester, verteilte den Rest an die Armen, und zog in die Wüste zu einigen Eremiten. Dort lebte er ein streng asketisches Leben, zunächst in der Nähe seines Heimatortes, später in einer alten Grabkammer. Noch mehrmals wechselte er seinen Aufenthaltsort, zuletzt hauste er auf dem Berg Kolzim (Safarna) am Roten Meer. 311 kam er nach Alexandria, um die durch Kaiser Maxentius verfolgten Christen zu trösten. Viele Menschen kamen in seine Einsiedlei, erbaten Rat und Heilung. Viele blieben und bauten sich kleine Einsiedeleien. Diese Menschen um Antonius gelten als der Beginn des christlichen Klosterwesens, deshalb wird er Vater des Mönchtums genannt. Sein Mönchtum ist streng asketisch, bezogen auf die Einsiedelei. Er selbst hat keine Klosterregeln aufgestellt, das besorgte Athanasios, selbst ein Mönch und späterer Bischof von Alexandrien. Er schrieb auch eine Biografie. Antonius wird in der Ikonographie oft mit Schweinen dargestellt, im Orient damals wie heute unreine Tiere. Sie sind Sinnbild für seine Versuchungen. Der Legende versuchte ihn der Teufel in Gestalt einer oder mehrerer schöner Frauen; in anderen Fällen wurde er mit Krallen, Zähnen oder Hörnern verwundet, zu Boden geschlagen, an den Haaren gerissen und, während seine Zelle in Flammen aufging, schließlich unter bedrohlichen Angriffen von allen Seiten in die Lüfte gehoben. Der im Mittelalter gegründete Antoniterorden, der in der Armen- und Krankenpflege tätig war, hielt deshalb bevorzugt Schweine. Sie hatten das Recht frei in den Städten herumzulaufen, worauf der Ausspruch ‚Frech wie ein Antoniusschwein‘ zurückgeht. Diese Schweine wurden am 23. Dezember geschlachtet, das Fleisch den Armen gegeben. Antonius starb im Alter von 105 Jahren, man nennt das Jahr 365. Sein Grab wurde zuerst geheim gehalten. Irgendwann sollen seine Gebeine zuerst nach Alexandria, dann nach der Eroberung durch die Muslime nach Konstantinopel gekommen sein. 1089 sollen sie nach La-Motte-aux-Bois gebracht worden sein. Dort entstand das Stammkloster des Antoniterordens entstand, später in St-Antoine-l'Abbaye umbenannt. Matthias Grünewald  hat seinen berühmten Isenheimer Altar für den Antoniterorden angefertigt. Auf Mallorca werden in der Nacht vor dem Gedenktag Scheiterhaufen angezündet. Dämonen und Teufel tanzen um das Feuer. Sie stellen die Versuchungen, die Antonius in seiner Einsamkeit quälten, dar. Bunte Umzüge, mit Reitern und Wagen finden am 17. Januar statt. Der Heiligen selbst tritt im Mönchsgewand mit Maske auf, von roten Teufeln gejagt. Auch in der Region um Valencia, in Aragonien und in Madrid, wird Antonius mit Festen gefeiert. Von Antonius sind viele Anekdoten überliefert, wie diese: Ein Bruder sprach zu Antonius: Bete für mich! Der antwortete: Weder ich habe Erbarmen mit dir, noch Gott, wenn du dich nicht selbst anstrengst und Gott bittest. Und natürlich gibt es Bauernregeln: Wenn Antoni die Luft ist klar / gibt's bestimmt ein trocknes Jahr. Große Kälte am Antoniustag, / machmal nicht lange halten mag.

1. Sonntag nach Epiphanias 9, Januar 2022 - Taufe Jesu

Am 1. Sonntag nach dem Epiphaniasfest gedenken die katholische und die evangelische Kirche der Taufe Jesu im Jordan durch Johannes. Die orthodoxe Kirche feiert das Fest wegen des julianischen Kalenders am 19. Januar. Die Taufe Jesu berichten die Evangelisten Markus (1,9-11), Matthäus und Lukas. Johannes weist zumindest darauf hin. Für die Historizität der Taufe Jesu wird angeführt, dass damit berichtet wird, dass der von Gott gesandte Messias, der Gottessohn sich von einem Menschen taufen lässt. Wozu soll der, der doch ohne Sünde ist, die Taufe zur Vergebung der Sünden empfangen? Matthäus berichtet diesen Vorbehalt: Johannes versuchte ihn davon abzubringen und sagte: "Ich hätte es nötig, von dir getauft zu werden, und du kommst zu mir?" Doch Jesus antwortete: "Lass es für diesmal geschehen. (Matth3,14f) Die Kirchenväter haben die Taufe als Vorwegnahme von Tod und Auferstehung verstanden. Johannes Chrysostomos (349/344–407) nennt das "Untertauchen und Auftauchen" ein "Bild für Abstieg in die Hölle und Auferstehung". Auch die Taufliturgie der frühen Christen spricht davon, dass die Täuflinge "ihren früheren Herrn, den Teufel, im Wasser ertränkt" zurücklassen. Die drei genannten Evangelisten berichten, dass sich nach der Taufe der Himmel öffnete, ein Taube vom Himmel herabkam und eine Stimme sprach: Das ist mein lieber Sohn, an ihm habe ich Wohlgefallen. (Matth 3,17 parr) Das gilt für alle, die auf den Namen des Vaters uns des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft sind. Eine Taufbitte bringt das zum Ausdruck: "Gib, dass auch wir, die aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wiedergeboren sind, in deinem Wohlgefallen stehen und als deine Kinder aus der Fülle dieses Geistes leben." Das Gedächtnis der Taufe Jesu ist ein altes Datum in der Kirche. Schon Clemens von Alexandrien (150 – 215) berichtet davon. Zusammen mit der Anbetung der Könige und der Geschichte der Hochzeit von Kanaan (Johannes 2, 1-11) gehört die Taufe zu den drei Epiphaniegeschichten: Dieses Wunderzeichen in Kana in Galiläa war das erste, das Jesus tat. Damit offenbarte er seine Herrlichkeit, und seine Jünger glaubten an ihn. (Joh 2,11). Im neueren katholischen Festkalender endet damit die Weihnachtszeit und nicht mehr wie früher zu Mariä Lichtmess am 2. Februar. In der orthodoxen Kirche wird an diesem Tag die große Wasserweihe liturgisch gefeiert. Durch die Taufe Jesu wurde das Wasser des Jordans alles Wasser, ja die gesamte Schöpfung gesegnet. Der Priester taucht dazu ein Kreuz dreimal in das Wasser eines Flusses oder Sees. In Moskau und anderen Städten nehmen tausende Menschen danach ein Bad in den Gewässern. In Russland, besonders in Sibirien ist zu dieser Jahreszeit etwas kälter, das Wasser meist zugefroren ist, und erst ein Loch vorbereitet werden muss, gehört schon eine Menge Vertrauen in die eigene Gesundheit und Mut dazu, sich in das Wasser zu begeben. Aber wir wissen ja, Glauben macht stark

Epiphanias 2022

Der 6. Januar ist in allen christlichen Kirchen ein Festtag. Unsere katholischen Schwestern und Brüder feiern das Fest der Heiligen drei Könige. Ihren Besuch beim Kind in Betlehem, wie er bei Matthäus erzählt wird (Matth. 2, 1-12). Dort sind sie keine Könige, sondern werden Weise und Magier genannt. Vielleicht sogar antike Wissenschaftler, denn die Beobachtung der Sterne hatte sie zum Kind geführt. Ihre Namen, Kaspar, Melchior und Balthasar erhalten sie erst im 8. Jahrhundert. Aber daher rührt der Brauch der Sternsinger, die am 6. Januar von Haus zu Haus ziehen, den Menschen ein Lied singen und den Segen des Christus bringen. Christus Mansionem Benedicat. Unsere orthodoxen Schwestern und Brüder feiern an diesem Tag ihr Weihnachtsfest. Bekanntlich hat die Orthodoxie den gregorianische Kalenderreform nicht mitgemacht. Der 6. Januar ist nach dem alten Julianischen Kalender der 25. Dezember. Das Fest beginnt mit einem langen, etwa 3-Stündigen Gottesdienst, an den sich oft eine Lichterprozession anschließt. Die liturgischen Farben sind grün für das ewigen Leben und weiß für die Reinheit und den Triumpf des Geistes über das Fleisch. Die Fastenzeit wird mit einem großen Festmahl beendet.  Die aus Mandeln, Mohn, Honig und Getreide gekochte Speise symbolisierte Ruhe und Unsterblichkeit. In den evangelischen Kirchen wird der 6. Januar Epiphanias genannt. Das kommt vom griechischen Wort "epiphaneia" (Erscheinung). Gott erscheint in Jesus in der Welt. Er erleuchtet sie. Die Zeit nach Epiphanias ist der zweite der Teil der Weihnachtszeit. Sie endet mit dem Fest der Verklärung Jesus. Das ist in diesem Jahr der 31. Januar. Jesus hat auf dem Berg eine Erscheinung mit Mose und Elia. Eine Stimme spricht vom Himmel: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich meine Freude habe. Hört auf ihn! (Matth 17, 1-9) Historisch ist das christliche Fest wohl aus antiken Festen, besonders dem Divus Julius, herausgewachsen, die ebenfalls am Anfang des Jahres begangen wurden. Spätestens im 2. Jahrhundert, also sehr früh, ist das Fest der göttlichen Epiphanie Christi bezeugt. Natürlich gibt es auch Bauernregeln für diesen Tag: „Dreikönigsabend hell und klar, verspricht ein gutes Weinjahr.“ Und: "Ist bis Dreikönig kein Winter, folgt keiner dahinter.“

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