Neueste Nachrichten

Barnabas 11. Juni

Eine der wichtigsten Fragen für die Christianoi, wie sie bald von der römischen Staatsanwaltschaft genannt wurden, war: wie kann am Messias Jesus ausgerichtete Lebensführung aussehen? Die ersten Christen in Jerusalem und Klein Asien waren arme Schlucker. Sie haten jede Menge Auseinandersetzungen und Konflikte. Viele Fragen waren ungeklärt. Waren sie „ein Herz und eine Seele“, wie es Lukas in der Apostelgeschichte schreibt? Eher nicht. Wie später auch nicht. Und heute auch nicht. Trotz der vielen offenen Fragen und Auseinandersetzungen breitete sich der christliche Glaube in der ganzen damals bekannten Welt aus. Dieser Widerspruch ruft nach einer Erklärung. Lukas sagt, weil der Heilige Geist die eigentlich treibende Kraft ist. Ganz praktisch hieß das: Christen übten sich in Nächstenliebe allen Menschen gegenüber. So waren sie trotz aller Streitereien (oder gerade deswegen, weil sie sie zuließen?) eine attraktive Alternative zu den vorhandenen Religionen. Als Vorbild für diese schrankenlos geübte Nächstenliebe erzählt Lukas von Barnabas, der eigentlich Josef hieß. Er verkaufte sein Land und gab den Erlös der Gruppe um Petrus in Jerusalem. Da gab es endlich mal wieder Latkes (Kartoffelpuffer) zum trockenen Brot. Barnabas gilt als Apostel des Urchristentums. Möglicherweise hat er die Gemeinde in Antiochien gegründet. Er ist der Nationalheilige Zyperns, wo er der Legende nach im Jahr 61 n.Chr. den Märtyrertod erlitten hat.  Sein Gedenktag ist der 11. Juni.

 

 August Hermann Franke 8. Juni (22. 3. 1663 – 8. Juni 1727)

 

Am 8. Juni gedenkt die evangelische Kirche August Herrmann Franke. Geboren in Lübeck in einem streng lutherischen Elternhaus. Der Vater wird Chefjurist des Herzogs Ernst von Sachsen-Gotha. Hier verbringt er seine Jugend. Franke studierte in Erfurt, Kiel und Leipzig. 1687 wendete er sich dem Pietismus zu, während einer Vorbereitung auf eine Predigt in Lüneburg. Er beschreibt sein Erweckungserlebnis so: „Nun erfuhr ich wahr zu sein, was Lutherus saget: Glaube ist ein göttlich Werk in uns, das uns wandelt und neu gebieret aus Gott.“ Franke war beeinflusst von Philipp Jakob Spener (1635–1705), ebenfalls lutherischer Theologe. Er schrieb 1675 das einflussreiche Werk ‚Pia Desideria oder Herzliches Verlangen nach gottgefälliger Besserung der wahren evangelischen Kirche‘.  Er prangerte Missstände in der Kirche an wie die mangelnde Bibelkenntnis der Gläubigen. Die Pia Desideria ist ein umfassendes Reformprogramm für die lutherische Kirche.  Die lutherische Orthodoxie mochten Speners Gedanken und Reformpläne gar nicht.  Der Pietismus legt Wert auf die bewusste Hinwendung des einzelnen Menschen zu christlichen Glaubensinhalten. An der Gründung der Reformuniversität Halle war Spener beteiligt. So wundert es nicht, dass Franke durch ihn eine Professur für orientalische Sprachen und eine Pfarrstelle in der Vorstadt Glaucha bekam.  Francke berichtet, im Jahr 1695 habe jemand „Vier Thaler und sechzehn Groschen“ in die Armenbüchse der Pfarrwohnung gelegt. „Als ich dieses in die Hände nahm, sagte ich mit Glaubens-Freudigkeit: Das ist ein ehrlich Capital, davon muss man etwas rechtes stiften; ich will eine Armen-Schule damit anfangen.« Innerhalb von 30 Jahren baute Francke vor den Toren Halles eine eigene Stadt auf. Schon bald sorgten die Dimension dieses Projekts aus Fachwerkgebäuden für Aufsehen. Kurfürst Friedrich III. erkannte seine Einrichtung als »publiques Werck« an. Wir würden heute sagen eine Institution des öffentlichen Rechts. Er unterstützte die Franckeschen Stiftungen großzügig.  Neben dem Waisenhaus entstand eine Schule für Armenkinder. Dann ein Pädagogium als Schule für Kinder aus Adel und wohlhabenden Bürgertum. 1697 wurde die Lateinische Schule gegründet, die Bürger- und begabten Armenkinder auf das Universitätsstudium vorbereitete. Nur ein Jahr später eine Mädchenschule für die Mädchenbildung, das Gynäceum. Franke schuf damit ein Schul- und Erziehungssystem mit differenzierten pädagogischen Einrichtungen, das hohe Maßstäbe an die Qualität der Bildung über das 17. und 18. Jahrhunderts hinaus setzte. Kindern aller sozialen Schichten wurde die Chance auf eine angemessene Bildung eröffnet. Die Lehrpläne enthielten einen breiten Fächerkanon. Besonderer Wert wurde auf die ‚Realien‘ gelegt, praxisnahe Fächer, zu denen die Vermittlung von Handfertigkeiten ebenso gehörten wie etwa Technikunterricht. Im Todesjahr Frankes lebten in dieser Bildungsstadt etwa 3000 Menschen, 2000 davon Kinder. Das Realschulwesen in Deutschland und die Professionalisierung des Lehrerberufs haben ihren Ausgangspunkt in den Franckeschen Stiftungen. Die Schulen der Frankeschen Stiftungen haben sich mehrfach reformiert. Die Nazis waren - wen wundert es - kein Freund der Schulziele und Wertvorstellungen der Franke’schen Stiftungen. Sie versuchten die Stiftung platt zu machen. 1946 wurde die Stiftung aufgelöst, einige Gebäude gingen an die Universität Halle. Die DDR führte die Tradition auf ihre Weise fort. Sie betrieb in den Häusern der Stiftung eigene Schulen, sogar eine Arbeiter- und Bauernuniversität wurde dort gegründet.  Nach dem Ende der DDR wurde die Stiftung neugegründet. Sie ist heute eine bedeutende Kultureinrichtung der Stadt Halle.

Justin der Märtyrer - 1. Juni

Von Nablus nach Friedberg in Bayern . Am 1. Juni gedenken die westlichen Kirchen des Kirchenvaters Justin, der im Jahr 165 das Martyrium erlitt. Geboren um das 100 in der Stadt Flavia Neapolis, dem heutigen Nablus. Über seine Kindheit ist nichts bekannt, jedenfalls studiert er die philosophischen Schulen der Zeit. Zuerst wendet er sich an einen Stoiker, aber der habe nicht nach Gott gefragt: „Er selbst kannte ihn (Gott) nämlich nicht, noch hielt er das Wissen um ihn für notwendig.“ So sucht er einen Peripatetiker (Schule des Aristoteles) auf: „Dieser hatte nur die ersten Tage Geduld mit mir, dann verlangte er schon, ich solle die Bezahlung festsetzen, damit unser Verkehr nicht nutzlos wäre.“  Schließlich findet er einen Platoniker: „Sehr interessierte mich die Geistigkeit des Unkörperlichen, das Schauen der Ideen gab meinem Denken Flügel, in kurzer Zeit wähnte ich, weise zu sein, und in meiner Beschränktheit hegte ich die Hoffnung, unmittelbar Gott zu schauen; denn dies ist das Ziel der Philosophie Platos.“ Der Lehrer empfiehlt, sich in der Einsamkeit weiter in die Gedanken Platons zu vertiefen. Justin geht an einen Strand und trifft dort einen alten Mann. Sie unterhalten sich lange. Der Alte stellt seine bisherigen Studien in Frage: „Wen soll nun einer noch zum Lehrer nehmen, oder welches Lehrsystem kann ihm Nutzen bringen, wenn nicht einmal in dem des Plato und Pythagoras die Wahrheit liegt?“ Sein Gesprächspartner weist ihn auf die Propheten des Alten Testaments. Bei ihnen werde er finden er, was er suche. „Sie allein sind es, welche die Wahrheit gesehen und sie den Menschen, ohne dieselben zu fürchten und ohne ihnen zu schmeicheln, frei von Ruhmsucht verkündet haben. Sie haben ja nur das gelehrt, was sie, vom Heiligen Geist erfüllt, gehört und gesehen hatten.“ Das Selbstverständnis der Propheten, frei von Ruhmsucht, ohne Furcht und Schmeichelei, die Wahrheit zusagen, wird sein eigenes. Für Justin ist das Christentum die Philosophie, die alle ihre Erkenntnisse auf den Punkt bringe. Es stehe in Einklang mit den Bestrebungen der menschlichen Vernunft. Gleichzeitig sei es eine Religion der Offenbarung. Darin liege sogar der Beweis der Wahrheit der christlichen Philosophie, denn die Weissagungen der Propheten hätten sich alle erfüllt. Aber nicht nur die Theologie sei überzeugend, sondern noch viel mehr der vorbildliche Lebenswandel der Christen. Dieser bezeuge die Kraft Gottes und Wahrheit der christlichen Lehren.  Justin wird ein christlicher Wanderprediger und Missionar. Er stellt sich wahrscheinlich auf öffentlichen Plätzen der Diskussionen über seine „Philosophie“. Aus diesen Begegnungen entstehen später seine Schriften. Bekannt ist seine Apologie, die er Kaiser Antonius Pius (136-161) widmet. Justin verteidigt das Christentum, indem er die christliche Wahrheit mittels platonischer Philosophie und den Propheten belegen will. Er versucht eine Art Schriftbeweis. Der ‚logos spermatikos‘, Samen der Wahrheit der Philosophien werde durch Mose und die Propheten bezeugt. Die Wahrheitserkenntnis des Christus-Logos, vollende alle Philosophie. Justin grenzt sich gegen Häretiker (Gnostiker, Markion) ab und versucht Vorurteile gegen das Christentum auszuräumen, indem er den Ablauf und Inhalt christlicher Gottesdienste beschreibt. Seine ‚Apologie‘ (Verteidigungsschrift) verhilft der platonischen Philosophie in der christlichen Theologie zum Durchbruch. Er formuliert seine Logoslehre in Abgrenzung zum frühchristlichem Adoptianismus (Jesus ist von Gott als Sohn angenommen) und gnostischer Hypostasenlehre (der göttliche Logos hat sich mit dem Menschen Jesus verbunden, am Kreuz stirbt Jesus, nicht Gott selbst). Ohne Justin ist das trinitarische Dogma (Wesensgleichheit von Gott Vater, Sohn -wahrer Mensch und wahrer Gott- und Heiligen Geist) nicht denkbar. Sein zweiter theologisch-philosophischer Versuch ist der ‚Dialog mit dem Juden Typhon‘. Es geht um das Verstehen der mosaischen Gesetze. Sie seien von Gott nur gegeben, weil die Juden in Sündhaftigkeit leben. Das mosaische Gesetz sei durch Christus überholt und aufgehoben. Christen seien das neue geistige Israel. Die Gnadengabe des Heiligen Geistes erfülle seit Pfingsten alle Christen. Ein Argument, das in der frühen Philosophie Hegels und anderer immer wieder aufgenommen wird. Das Judentum sei eine Religion minderer Qualität. Auch im19. Jahrhundert in der Diskussion, ob Juden loyale Staatsbürger sein könnten, spielt es eine erhebliche Rolle. Schleiermacher plädiert dafür, den Juden das Staatsbürgerrecht zu geben, vorausgesetzt, sie würden auf das mosaische Gesetz verzichten. Nur religiös kastrierte Juden sind gute Juden. Vom Gedanken der jüdischen Sündhaftigkeit bis zur Idee des Juden als Ungeziefer in einem gesunden Volkskörper ist es dann nur noch ein kleiner Schritt. Insofern ist Justin ein Advokat des christlichen Antijudaismus und späteren Antisemitismus.  Während des Bar-Kochba Aufstandes (132) geht er nach Rom. In einem Krieg lässt sich schlecht philosophieren. In Rom gründet er im Gebäude des timoteischen Badehauses eine Schule. 165 wird Justin zusammen mit 6 Schülern und Schülerinnen angeklagt. Seine Gerichtsakten sind erhalten. Laut Anklage bekenne er sich zum Christentum und verweigere das Kaiseropfer. Ankläger ist der Präfekt Rusticus, Lehrer des Philosophenkaisers Marc Aurel. Im Laufe der Befragung gibt Justin ein frühes Glaubensbekenntnis zu Protokoll. „Rusticus: Du hast demnach Spaß an derlei gelehrtem Zeug, du elender Wicht? Justinus: Jawoll! Denn ich folge diesen Lehren in Kraft einer festen Überzeugung! Rusticus: Was ist denn das für eine Überzeugung? Justinus: Sie lautet: Wir verehren anbetend den Gott der Christen. Wir sind überzeugt, dass da ist ein einziger Gott, der am Uranfang die sichtbare und die unsichtbare Welt geschaffen und ausgestaltet hat. Wir glauben an Jesus als den Kyrios, wir glauben, dass Er der Gesalbte und das Kind Gottes ist, dass Er von den Propheten vorausverkündet wurde als der kommende Herold des Heils und als Lehrer seligmachender Wahrheiten für das ganze Menschengeschlecht.“ Justin und seine Anhänger werden zum Tod verurteilt und geköpft. Wo er begraben wurde, ist nicht bekannt. Aber das ist nicht wichtig, denn seine Geschichte geht weiter. Bischof Hitto von Freising bittet im Jahre 834 Papst Gregor IV. um die Reliquien des Heiligen Justinus. Wo der Papst dieselben aufgetrieben hat, ist nicht überliefert. So kommt Justin nicht in dem Himmel, sondern nach Freising. Während der Überführung geschehen viele Wunder. Unter anderem wird ein Koch von einer Geisteskrankheit geheilt. Das ist sicherlich ein sinnvolles, gutes Wunder gewesen. Nach Zwischenstationen (Klosterkirche Weihenstephan, Freisinger Mariendom) liegt er seit 1734 in der Wallfahrtskirche zu ‚Unseres Herrn Ruhe‘ in Friedberg (Bayern). Möge er in Frieden ruhen, soweit sie in Bayern mit den vielen Wallfahrern gewährt ist. Und natürlich gibt es auch eine Bauerregel:  Justin klar, / gutes Jahr.

 

Johannes Calvin 27. Mai (*10.Juli 1509 + 27.Mai 1546)

 

Am 27.Mai 1546 stirbt in Genf im Alter von 55 der französische Reformator Johannes Calvin. Als Jean Cauvin ist er in der kleinen nordfranzösischen Bischofsstadt Noyon geboren, wo sein Vater als Jurist und Finanzberater des Bischofs tätig ist. Während seines Studiums in Paris, später in Orleans und Bourges latinisiert er seinen Namen in Johannes Calvin. Auf Wunsch des Vaters studiert er zunächst Jura. „Zur Theologie hatte mich mein Vater bereits als ganz kleinen Knaben bestimmt. Als er aber bemerkte, dass die Rechtwissenschaft ihre Jünger allenthalben reicher macht, … [veranlasste er,] dass ich vom Philosophiestudium weggenommen wurde, das Rechtsstudium zu betreiben.“ Sicherlich spielt auch ein Konflikt des Vaters mit dem Bischof eine Rolle. Nach dem Tod des Vaters 1531 studiert Calvin Theologie. Er gehört zu einem Kreis von Reformhumanisten, der sich im Haus von Étienne de la Forge traf.  1532 verfasst er einen Kommentar zu Senecas Schrift ‚De Clementia‘. Kein geringeren als Erasmus von Rotterdam editiert ihn und empfiehlt seine Lektüre. 1543 hängen Plakate gegen den Papst, die Messe, insbesondere die katholische Abendmahlslehre und den Klerus an Kirchentüren, sogar an der Schlafzimmertür des Königs Franz I. Der greift hart durch. Calvin muss wie viele andere Protestanten fliehen, er geht zeitweise in den Untergrund. Schließlich kommt er nach Basel. Dort verfasst er seine berühmte ‚Institutio christianae religionis‘. Ursprünglich als Katechismus konzipiert, wird es am Ende zu einem Hauptwerk der reformierten Theologie, spätestens mit der französischen Neuauflage 1541. 1559 liegt dann die endgültige Fassung vor. 1536 wird der von Guillaume Farel gebeten, die Reformation in Genf zu unterstützen.  Bereits 1538 wird er mit Farel wieder aus der Stadt gewiesen, weil sie gegen das Verbot des Rates zu Ostern gepredigt haben. Calvin geht nach Straßburg, wird Pfarrer der dortigen französischen Gemeinde der Protestanten. 1541 ändern sich die Machtverhältnisse im Genfer Rat. Calvin wird zurückgeholt. Seine Stellung in ist jetzt mächtiger denn je. Er reformiert die Kirchenordnung, mit einem Leitungsgremium an der Spitze (Konsitorium), dessen Hauptaufgabe die Kirchenzucht ist. Gemeindeglieder, die gegen Lehre oder Sittlichkeit verstoßen, werden befragt und bestraft, auch mit Exkommunikation. Neben den Pastoren, die sich regelmäßig in einem Konvent treffen (compagnie des pasteurs), werden weitere Ämter geschaffen: Älteste, Diakone und Lehrer. Also Beauftragungen für Verkündigung, Unterricht, Leitung und die Diakonie. Das protestantische Amtsverständnis ist an die Beauftragung durch die Gemeinde gebunden im Unterschied zum römisch-katholischen sakramentalen Verständnis des Amtes. Calvin führt nicht nur die Kirchenzucht für alle Gläubigen ein, er bekämpft auch aktiv theologische Gegner. Einer war Jérôme-Hermès (Hieronymus) Bolsec. Er konnte sich nicht für die Prädestinationslehre Calvin begeistern. Für ihn lief es noch glimpflich. Er wird ‚nur‘ aus Genf verbannt. Schlimmer ergeht es dem spanischen Arzt und Gelehrten Michel Servet. Er ist ein freier Denker und lehnt das trinitarische Dogma (Nicäa 324) ab. Er denkt an eine Wiederherstellung des Christentums auf vornizänischem Niveau mit Elementen aus dem Neuplatonismus, der jüdischen Kabbala und endzeitlichen Schriften. In Lyon wird ihm der Prozess gemacht. Er wird zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Kann fliehen, ausgerechnet nach Genf. Aber Calvin lässt ihn sofort verhaften. Auch hier wird ihm auf Drängen Calvins der Prozess gemacht. Servet hat mir vor kurzem geschrieben […] Wenn es mir zusagt, will er nach Genf kommen. Doch ich garantiere für nichts. Denn kommt er wirklich hierher, so lasse ich ihn, wenn mein Einfluss etwas bewirkt, nicht wieder lebendig fortziehen.“ 1553 wird er auf dem Scheiterhaufen hingerichtet. Man hat extra nasses Holz verwendet, um das Leiden des Delinquenten zu verlängern. Voltaire urteilte über Calvin: "Der bekannte Calvin, den wir als Apostel Genfs schätzen, erhob sich zum Rang des Papstes der Protestanten. Er war befähigt in Griechisch und Latein und prägte die Philosophie seiner Zeit… Er schrieb besser als Luther, predigte aber schlechter. Beide waren arbeitsam und asketisch, aber ausdauernd und kräftig in ihrer Ausdrucksweise. Calvinismus stellte den Staatsglauben dar und dennoch hatte Calvin einen tyrannischen Geist...Er forderte Toleranz, die er selbst für sich in Frankreich brauchte, und rüstete sich mit Intoleranz in Genf... Die Strenge Calvins war gepaart mit der größten Uneigennützigkeit."  Bis heute spalten sich die Geister an Calvin. Simon Demmelhuber schreibt in einem Beitrag für den bayerischen Rundfunk. „Für die einen ist er eine immerwährende Reiz- und Hassfigur, ein rigider Vordenker autoritärer Gesellschaften, die das Leben der Menschen hinein in den privatesten Winkel durchleuchten und kontrollieren. Ein freudloser Zuchtmeister des Gewissens, der jeden Fehltritt unnachgiebig und brachial ahndet; der engstirnige Prediger eines unnahbaren, rachsüchtigen, kalten und unbegreiflichen Gottes; der willfährige Wegbereiter einer kapitalistischen Leistungsideologie, in der die Starken siegen und die Schwachen keinen Platz mehr haben. Für die anderen ist Johannes Calvin ein bis in die Gegenwart wirkender, erfolgreicher Reformator, der den verwirrenden Spitzfindigkeiten katholischer Kasuistik ein klares und verlässliches Gottesbild entgegenstellt. Ein frommer Eiferer, der die Bibel und das offenbarte Wort Gottes zur alleinigen Richtschnur des Glaubens erhebt; ein entschlossener Kämpfer, der die Reinheit der Lehre mutig gegen Ablasshandel und Bilderkult, gegen Heiligen- und Reliquienverehrung, gegen alle Entartungen papistischer Götzendienerei und vor allem gegen die gottvergessene Anbetung des Menschen verteidigt.

Den Gottesdienst zum Sonntag Trinitais finden Sie unter der Rubrik 'Gedankensplitter'. 

 

Trinitatis 26. 5. 2024

Heute feiern wir „Sollemnitas Sactissimae Trinitatis“, das Fest der Heiligen Dreifaltigkeit. ‚Trinitatis‘ schließt den Osterfestkreis ab und lässt einen neuen Abschnitt im Kirchenjahr beginnen, die Trinitatiszeit, die bis zum Ende des Kirchenjahres im November dauern wird. Als Fest wird es erst sehr spät, nämlich seit dem 14. Jahrhundert gefeiert. Viele Jahrhunderte haben die Gläubigen darüber nachgedacht, wie sie die Trinität am besten ausdrücken könnten. Das Nicäno-Konstantipolitanum (324 n. Chr) ist bis heute eine gültige Konzeption. Zu einem Ende ist dieses Denken nicht gekommen. Nachdenken gebiert ja niemals Endergebnisse. Höchsten neue Fragen. Wie kann man sich das vorstellen: der eine Gott als Vater, Sohn und Heiliger Geist? Das ist die Frage, der die Predigt nachgeht.

Pfingsten 2024

Unser Pfingstfest geht auf das alte jüdische Schawuot Fest zurück. 2022 fallen beide Feste zusammen. Schawuot beginnt am 4. Juni und dauert bis zu 6. Juni. Es wurde 50 Tage nach dem Pessahfest gefeiert. Ursprünglich ein Erntefest, dann aber auch das Fest des Empfangs der Gebote am Berg Sinai. Das Gesetz Mose entspricht dem Geist, der lebendig macht. In Gottes Tora ist die Freiheit eingeschrieben.  Die rabbinische Schriftauslegung versteht den Inhalt der 10 Gebote so: „Die Tafeln – ein Werk Gottes waren sie, und die Schrift – Gottes Schrift, eingegraben (charut) auf den Tafeln.“ Rabbi Jehoschua ben Levi versteht: „Lies an dieser Stelle nicht charut (eingegraben) sondern cherut (Freiheit). Denn der wahre freie Mensch ist der, der sich mit dem Studium der Tora befasst.“ Das kann Rabbi Jehoshua ben Levi, weil die hebräische Schrift nur die Konsonanten, also ch-r-t, kennt. Die Vokale werden beim Lesen des Textes hinzugefügt.  Lukas, ein fleissiger Toraleser und Kenner, gestaltet deshalb seine Pfingsterzählung nach der Mosegeschichte des Alten Testaments. In Feuerzungen kommt der Heilige Geist über die Jünger und bewirkt ihr Sprechen in vielen fremden Sprachen. Das Wort „Pfingsten“ entstand aus dem griechischen Wort Pentecoste, der fünfzigste (Tag). Seit dem Konzil von Nicäa (325 n.Chr.) wird der Heilige Geist als Taube dargestellt. Zuvor wählte man die Gestalt einer Frau (Hagia Sophia) oder eines Jünglings, der sich nur in manchen Darstellungen der Dreifaltigkeit erhalten hat. Die Taube wurde besonders im Barock verstärkt zum Symbol von Pfingsten.  Im Barock war die Taube als Symboltier des Heiligen Geistes beliebt und darum wurden vor allem Hospize und Hospitäler gerne „Zum Heiligen Geist“ genannt. Die Taube galt als Ikon und Zeichen praktizierter Nächstenliebe.

Die Märtyrer von Lyon 16. Mai

So werden fünf reformierte Theologen genannt, die am 16. Mai 1553 in Lyon auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Ihre Namen sind: Martial Alba, Pierre Escrivain, Bernard Seguin, Charles Favre und Pierre Navihères. Nach ihrem Studium in Lausanne und Genf, wo sie auch Johannes Calvin kennengelernt haben, wollen sie zurück in ihre Heimat und das Gelernte ihren französischen reformierten Glaubensbrüdern weitergeben. Auf ihrem Weg kommen sie durch das römisch-katholische Lyon. Hier herrscht ein strenges Predigtverbot für die reformatorische Lehre. Sie finden Unterkunft bei einem Lyoner Bürger und werden, zur Überraschung aller, beim Mittagessen verhaftet. Schon wenig später beginnt das Verhör durch das geistliche Gericht aus Dominikanern, Karmelitern und Franziskanern. Sie werden zur Abendmahlslehre, zur Fürbitte für die Toten, zur Beichte und zur Auslegung der Bibel und natürlich zu ihrer Stellung zum Papst befragt. Nach evangelischer Berichterstattung machen sie auf alle Richter wegen ihrer Gelehrsamkeit großen Eindruck. Der Franziskanermönch Dr. de Combis fragt Escrivain: „Du sagst, St. Peter sei nicht gewesen das Haupt der Kirchen. Siehe, ich will es dir beweisen. Der Herr Christus hat ja zu St. Peter gesagt: ‚Du bist Simon, Jonas Sohn; du sollst hinfort Cephas heißen.‘ Nun heißt das Wort Cephas im Latein soviel als Caput und in französischer Sprach Chef, das ist ein Haupt.“ Escrivain antwortet: „Herr, wo habt ihr diese Auslegung hergenommen? St. Johannes der Evangelist Kap. 1, 42 leget´s viel anders aus. Denn er spricht also: ‚Du sollst Cephas heißen, das wird verdolmetschet: Ein Fels.‘ Derwegen so heißt Cephas einen Fels und nicht ein Haupt.“ Der Richter Vilards, der direkt neben den Mönchen sitzt, nimmt ein Neues Testament zur Hand und bestätigt Escrivains Auslegung. Der Mönch senkt den Kopf, errötet und schweigt. Auf die Frage, ob er leugne, dass der Papst der Stellvertreter Christi auf Erden sei, antwortet er: „Glaubt ihr denn, dass der, welcher Himmel und Erde erfüllet, durch seinen Geist unmittelbar seine Kirche regieret und bei uns ist alle Tage bis an der Welt Ende, eines Statthalters bedürfe?“ Vilards soll daraufhin die Sitzung mit den Worten verlassen haben: „Ja, was das Wort Gottes ist, das muss man freilich behaupten.“ Einer andere wird gefragt, ob er Lutheraner sei, und antwortet, seine Lehre gründe sich allein auf die Bibel. Nicht Luther, sondern Christus sei vom Himmel gekommen. Ihre klugen Antworten nützten ihnen nichts. Sie werden zum Tode verurteilt. Denn es geht hier, wie so oft in der Kirche, nicht wirklich um Glauben und Theologie, sondern um Macht. Wo käme Kirche denn hin, wenn Menschen die Bibel einfach mit ihrem klaren Verstande lesen würden. Nach ihrer Verurteilung beginnt ein heftiges Hin- und her um ihre Befreiung, in das auch Calvin und sogar der französische König Heinrich II. eingebunden waren. Alles umsonst. Am Morgen des 16. Mai 1553 werden sie verbrannt. Die Institution Kirche hatte ihre einmal mehr ihre autoritäre Macht demonstriert. Für uns sind die Fünf vielleicht ein Vorbild darin, mit eigener Vernunft die biblischen Geschichten und Erzählungen verstehen zu wollen, um dann auch bei dem zu bleiben, was uns überzeugt hat. Natürlich gibt es auch Bauernregeln für den 16. Mai. Es ist der Tag der Heiligen Nepomuk, einem katholischen Priester, der 1393 im Machtkampf zwischen böhmischen König Wenzel und dem Klerus in der Moldau ertränkt wurde. Damals die übliche Todesstrafe für Kleriker. Billig und unblutig. Wie auch immer: Der Nepomuk uns das Wasser macht, dass uns ein gutes Frühjahr lacht. Lacht zu Nepomuk die Sonne, dann gerät der Wein zur Wonne.

Jom Ha Schoa 6. Mai

Vom Abend des 5. bis zum Abend des 6. Mai 2024 begeht Israel den „Tag des Gedenkens an Holocaust und Heldentum“, den Jom ha Sho’ah.  Nach unserem Kalender wandert der Termin, da der jüdische Kalender nach dem Mondjahr berechnet wird.  Im jüdischen Kalender ist es immer der 27. Nissan des jüdischen Kalenders. Die Initiative, einen Jom haScho’a einzuführen stammt von David Ben Gurion und Jitzchak Ben Zwi.  Der Tag beginnt entsprechend der jüdischen Tradition am Vorabend (5.5.) mit dem Entzünden von sechs Fackeln in Yad Vashem. Sie stehen für die sechs Millionen jüdischen Opfer des Holocaust. Am nächsten Morgen (6.5.) folgt dort eine Gedenkveranstaltungen. Am Fuß der sechs Fackeln werden Kränze von Vertretern verschiedener Institutionen und Gruppen Überlebender niedergelegt. Das traditionelle jüdischen Trauergebet El male rachamim, „Gott voller Erbarmen“ wir gebetet.  Im ganzen Land ertönen um 10 Uhr für zwei Minuten die Sirenen, der öffentliche Nahverkehr und alle anderen Fahrzeuge halten an, Passanten bleiben schweigend stehen, öffentliche Einrichtungen sind geschlossen, Fahnen wehen auf halbmast.  Außerhalb Israels findet besonders von jüngeren Juden traditionell der Gedenkmarsch nach Auschwitz und Birkenau statt als Marsch der Lebenden, zur Erinnerung an die von der SS angeführten Todesmärsche von KZ-Häftlingen. Auch in Deutschland wird der Tag in den jüdischen Synagogen begangen. Es werden die Namen aller vorgelesen, die aus den jeweiligen Gemeinden im KZ oder den Ghettos ermordet wurden. Das Gebet ‚El male Rahamim‘:

G’tt voller Erbarmen, in den Himmelshöhen thronend, 

es sollen finden, die verdiente Ruhestätte

unter den Flügeln Deiner Gegenwart.

in den Höhen der Gerechten und Heiligen,

strahlend wie der Glanz des Himmels, alle Seelen der Sechs Millionen Juden,

Opfer der Shoah in Europa,

ermordet, geschlachtet,

verbrannt, umgekommen in Heiligung Deines Namens,

durch die Hände der deutschen Mörder

und ihrer Helfer aus den weiteren Völkern.

Sieh die gesamte Gemeinde betet für das Aufsteigen ihrer Seelen,

so berge sie doch Du, Herr des Erbarmens,

im Schutze deiner Fittiche in Ewigkeit

und schließe ihre Seelen mit ein in das Band des ewigen Lebens.

 

Apostel Philippus und Jakobus 3. Mai

Am 3. Mai feiern die Kirchen den Tag der Apostel Philippus und Jakobus. Die Verehrung beider Apostel an einem Tag hängt möglicherweise mit der Weihe der römischen Zwölfapostelkirche zusammen, die unter Papst Julius I. (337–352) gebaut wurde.  Die Reliquien der beiden sollen sich dort befinden. Ihr Fest war ursprünglich der 1. Mai, nach einer Liturgiereform wurde ihr Gedenktag auf den 3. Mai festgelegt. Der 1. Mai gehörte von nun an dem Heiligen Josef, dem Schutzpatron der Arbeiter. Frauen waren 1956 und sind bis heute nicht wirklich im Blickpunkt der katholischen Kirche. Sie sollen am Herd stehen und dem Arbeiter eine kräftige Suppe kochen.  Historisch sind die beiden Apostel wenig fassbar. Aber es gibt ja immer fromme Legenden. So soll Philippus Fischer am See Genezareth gewesen sein. Zuerst ein Jünger Johannes des Täufers, dann wechselt er in das Team von Jesus. Ob eine Ablösesumme geflossen ist, ist nicht bekannt. Nach der Auferstehung Jesu geht er zurück an den See Genezareth, später betätigt er sich lange Zeit in Skythien (heutiges Südrussland) als Missionar. Die Legende erzählt: Als er vor dem Standbild des Mars opfern soll, kam ein Drache, tötete den Sohn des Priesters und zwei Tribunen, alle Teilnehmenden erkranken durch seinen Gifthauch. Philippus vertreibt den Drachen, heilt Kranke, erweckt Toten und bekehrt alles, was da kreucht und fleucht. Diese wunderbaren Taten retten ihn jedoch nicht vor dem Tod als Märtyrer am Kreuz. Undank ist eben der Welten Lohn.  Jakobus wird als Sohn des Alphäus in den Evangelien genannt. Weitere Informationen über ihn gibt es nicht. Die katholische Tradition identifiziert ihn als „Herrenbruder“. Diese Gleichsetzung ist aber, wie auch seine Autorschaft für den Jakobusbrief wenig überzeugend.  Die Alte Kirche (Hieronymus) meint, Jakobus sei der in Markus 15,40 genannte ‚Jakobus der Kleine‘. Auch das, mehr oder weniger Spekulation.  Seine Legende erzählt, Jakobus sollte im Jahr 62 von der Zinne des Tempels für alle hörbar seinen Glauben widerrufen. Er weigert sich, und wird auf Antrag des Hohenpriesters Hannas zum Tod verurteilt. Er wird von der Mauer des Tempels gestürzt und mit einem Knüppel erschlagen. Doppelt hält besser. In Süddeutschland und Österreich gibt es den Brauch des „Philippeln“. Die Walpurgisnacht vom 30. April zum 1. Mai war nach heidnischem Brauch eine Unruhnacht. Mit dem 30. Mai ging für die Kelten die dunkle Jahreszeit zu Ende, der Sommer begann.  Sie feierten das Fest ihres Lichtgottes Belenus. Dieses Fruchtbarkeitsfest bezog sich auf Natur und Menschen. Junge Leute, fest umarmt, rollten sich paarwiese Wiesen hinunter. Das soll gut sein für die Fruchtbarkeit. Auf Bergen wurden Feuerräder entzündet und brennend ins Tal gerollt. Das Philippeln selbst könnte auf fränkisches Recht zurückgehen. In dieser Nacht wurden auch Schiedsverfahren entschieden. Im Berchtesgadener Land nennt man diese Nacht Dugnacht, in der viel Unfug getrieben wird. Junge Leute ziehen durch Dorf, nehmen alles mit, was nicht niet- und nagelfest ist und werfen es auf den Dorfplatz. Der Apostel Philippus, sagt man, ist im Himmel für Ordnung zuständig. Da hat er dann am nächsten Morgen viel zu tun.  Natürlich gibt es auch Bauernregeln:  Auf Philippi und Jacob Regen folgt ein großer Erntesegen. Und: An Jacobi heiß und trocken, kann der Bauersmann frohlocken.

 

Evangelist Markus 25. April

Am 25. April gedenken die Kirchen des Evangelisten Markus. In diesem Jahr fällt in die Woche nach dem Sonntag Jubilate. Markus gilt als Verfasser des wohl ältesten der vier kanonischen Evangelien, obwohl sich der Verfasser nirgendwo zu erkennen gibt.  Über seine Person, die genau Zeit und den Abfassungsort wissen wir nichts Sicheres. Die Alte Kirche hat ihn mit einem Mitarbeiter von Paulus und Barnabas als Johannes Markus identifiziert.  Als Abfassungszeit gilt das Jahr 70 n. Chr., also kurz vor oder nach der Zerstörung Jerusalems durch die römischen Truppen. Manche meinen, es sei in Rom entstanden, andere verweisen auf Syrien. Mehr Einigkeit herrscht darüber, dass wohl die junge Gemeinde in Rom als Adressat gilt. Die Evangelisten Matthäus und Lukas, so ergibt ein Vergleich, müssen sein Evangelium gekannt haben. Eine weitere Unsicherheit. Die Hauptbotschaft des Markusevangeliums ist vielleicht in Markus 1,15 zusammengefasst: „Die Zeit ist reif, Gottes Herrschaft steht vor der Tür. Ändert euren Sinn, und glaubt dem Evangelium.“  In Alexandria wurden die Gebeine und der Mantel des Markus verehrt. Bei jeder Weihe wurde dem neuen Bischof sein Mantel umgelegt. Noch heute gilt Markus in der koptischen Kirche als Schöpfer der der sonntäglichen Liturgie. 828 wurden die Gebeine des Markus von venezianischen Kaufleuten geklaut und nach Venedig gebracht. Markus gilt noch heute als Schutzheiliger dieser Stadt. Der erste Markusdom brannte 978 vollständig nieder. 1094, nach der Fertigstellung des heutigen Markusdom, wurden seine Gebeine wie zufällig wiederentdeckt und in einem Sarkophag im Hauptaltar niedergelegt. Anlässlich der 1900 Jahrfeier der koptischen Kirche hat man einige Reliquien dem koptischen Bischof zurückgegeben. Sie befinden sich seitdem in der Kathedrale des Heiligen Markus in Kairo. Und natürlich gibt es auch für diesen Tag einige Bauernregeln, wie diese: Gibt’s an Markus Sonnenschein, hat der Winzer guten Wein.

18. April Albert Einstein

Wer kennt diesen Namen nicht. Albert Einstein. Sein Todestag jährt sich am 18. April. 1905 schreibt er, als Angestellter im Berner Patentamt, einen Artikel „Zur Elektrodynamik bewegter Körper“ und einen Nachtrag „Ist die Trägheit eines Körpers von seinem Energieinhalt abhängig?“ Hier erscheint die Formel E = mc² erstmals. (Energie ist gleich Masse mal Lichtgeschwindigkeit zum Quadrat, Äquivalenz von Masse und Energie). Beide Arbeiten werden heute als spezielle Relativitätstheorie bezeichnet. 1915 formulierte er seine allgemeine Relativitätstheorie. Seine Erkenntnisse stellen nicht nur die Physik auf eine neue Grundlage, sie haben weitreichende Folgen für unser praktisches Leben. Vieles, was wir heute schätzen, Fernseher, Handys, GPS, oder die Nutzung der Atomkraft. Er selbst hat einmal seine Relativitätstheorie nicht ohne Ironie so erklärt: „Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.“  Tatsächlich ist sie ziemlich schwer begreifbar. Man denke nur an die Quantenphysik. Sie ist in weiten Teilen unanschaulich und liefert doch ein Modell, wie die kleinsten Teile unserer Materie miteinander interagieren.  Zum Verhältnis von Wissenschaft und Religion war Einstein der Meinung: „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind.“ Das passt gart nicht zu dem modernen Mythos, Glaube und Wissenschaft schlössen einander aus. Wissenschaft war lange Zeit Teil der Theologie. Die Klöster des Mittelalters vermittelten das Wissen der Zeit, Universitäten wurden mit dem Segen der Kirche gegründet. Sie haben damit Renaissance und Reformation befördert. 1543 entwirft der Domherr Nikolaus Kopernikus ein ganz neues Weltbild, Keppler Gesetze der Himmelsmechanik führten zu Issac Newton klassischer Mechanik, die dann Einstein revolutionierte. Newton war auch ein guter Theologe. Ebenso wie Darwin. 1873 sagte der englische Pastor John Michel die Existenz sogenannter ‚schwarzer Löcher‘ voraus. Und ausgerechnet der Priester Georges Lemaitre bewies mathematisch die Ausdehnung des Raumes. Eine Erkenntnis, die Einstein nicht gefiel. Denn sie bedeutete im Umkehrschluss, dass der Kosmos einstmals in einem einzigen Punkt zusammengepresst sein musste. Heute wissen wir es besser. Den Urknall scheint es gegeben zu haben, obwohl wir bis hinter eine gewisse Marke nicht zurücksehen können. Der Raum dehnt sich aus. Ironie der Geschichte. War es im 16. Jahrhundert die Kirche, die die Beobachtungen Keppler und Galileos ablehnte, war es 1951 Papst Pius XII., der als einer der ersten die Ausdehnung des Kosmos anerkannte. Noch vor Einstein. Im März 2019 hat ein internationales Team von Wissenschaftlern zum ersten Mal das Bild eines ‚schwarzen Lochs‘ veröffentlicht.  Man rufe sich in Erinnerung, dass bis weit in das 12. Jahrhundert hinein die chinesische Astronomie der westlichen weit voraus war. Sie sammelten unzählige, noch heute verwertbare Daten.  Aber einen Kopernikus oder Keppler hat sie nicht hervorgebracht. Das, so vermutet man, habe auch mit dem Weltbild der damaligen chinesischen Wissenschaftler zu tun. Für sie war die Welt und der Kosmos ein komplexer Organismus, der Himmel voller Geister, alles war miteinander verwoben. Die monotheistische jüdische Religion (und in ihrer Nachfolge der christliche Glaube) haben schon 700 Jahre vor Christus die Welt mit ihrer Version der Genesis entzaubert. Sie beschreibt die Schöpfung ganz rational. Wunder bleiben in der Bibel ausdrücklich eine Ausnahme. Mond und Sterne sind einfach Lichter. Der Kosmos hat keinen eigenen, geisterhaften Willen, sondern geht auf Gott den Schöpfer zurück. Er ist der Ursprung aller Dinge, der immer war, immer ist und immer sein wird. Das ist eine Glaubensaussage, aber sie formuliert eine der wichtigsten Grundlagen der modernen Physik, nämlich die Verlässlichkeit der Prinzipien, die der Natur zugrunde liegen. Erst mit dieser (Glaubens-)Aussage macht Wissenschaft überhaupt erst Sinn. Prof. Dr. H. Falke, der maßgeblich an der Entstehung des ersten Bildes eines ‚schwarzen Lochs‘ beteiligt war, schreibt in seinem Buch ‚Licht im Dunkeln‘: „Künstlern gelingt es, das Abstrakte in Wörter und Bilder zu fassen und daraus Wirklichkeit zu schaffen – und Wirklichkeit wird durch die Kunst verändert und interpretiert. Insofern ist Wissenschaft auch ein Stück Kunst. Die Bilder der Wissenschaft sind nie die Wirklichkeit selbst, sie zeugen nur von ihr und schaffen durch ihre Geschichte eine neue abstrakte Wirklichkeit, stimulieren ganz andere Gedanken, Weltsichten und neue Fragen.“ (aa.O. 277). Er schließt sein Buch mit den Worten: „Wir Menschen sind nur Staubkörner… Sterne können wir nicht explodieren lassen, am Rad der Galaxien drehen wir nicht … Aber wir können das Weltall bewundern. Wir können in dieser Welt glauben, hoffen und lieben – das macht uns zu besonderem Sternenstaub.“

12. April Petrus Waldus

Der 12. April ist Gedenktag von Petrus Valdes, wie er seit 1350 genannt wurde. Sein Vorname ist nicht bekannt. Geboren um 1140, gestorben ist zwischen 1205 und 1218. Valdes war ein wohlhabender Bürger in Lyon. Im Jahre 1173 ließ er die lateinische Bibel in den provenzialischen Dialekt übersetzen, damit sie auch von einfachen Menschen gelesen werden konnte. Wohl aufgrund eines Bekehrungserlebnisses während einer Hungersnot (1167/7) gab er seinen Besitz den Armen, trennte sich von seiner Frau und gab seine Töchter in ein Kloster.  Er begann öffentlich zu predigen. Die Gedanken der Bergpredigt waren dabei leitend. Er organisierte Armenspeisungen in Lyon. Viele folgten seinem Beispiel, wollten in freiwilliger Arbeit fromm leben. Immer mehr Menschen zogen predigend und von Almosen lebend durch das Erzbistum Lyon. Man nannte sie die „Armen von Lyon“. Da er an einem Konflikt mit der Amtskirche nicht interessiert war, erwirkte er von Papst Alexander III. eine Predigterlaubnis, die jedoch vom jeweiligen Ortsbischof bestätig werden sollte. Unter dem Lyoner Erzbischof Guichard († 1181) gab es keine Probleme. Doch mit dem Nachfolger Jean Bellesmains kam es zum Konflikt. Es gab wohl eine Beschwerde, dass bei ihnen auch Frauen predigen würden. Valdes bestand auf seiner päpstlichen Erlaubnis. Dabei soll dem Bischof mit dem Bibelzitat geantwortet haben: „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“ (Apg 5,29). Valdes und seine Gemeinde wurden exkommuniziert und als Ketzer verurteilt (1184). Sie mussten Lyon verlassen. Als Wanderprediger gingen sie ihrer Mission im Untergrund nach. Die Waldenserbewegung bereitet sich im Laufe des 13. Jahrhunderts in ganz Europa aus. Ihre Botschaft: Halte dich an die Bergpredigt! Schon 1218 sind die Ablehnung des Fegefeuers, der Heiligenverehrung, der Kirchensatzungen sowie der weltlichen Strafgerichtsbarkeit der Kirche und der Eidesleistung dokumentiert. Die Kirche antwortete darauf mit der Inquisition. Sie verfolgte die Waldenser und rottete sie beinahe vollständig aus. Nur in wenigen Gebieten überlebten sie die Verfolgungen. Ihr wichtigstes Zentrum waren schwer zugängliche Bergtäler in den Cottischen Alpen, dem Grenzgebiet zwischen Frankreich und dem Herzogtum Savoyen-Piemont. In diesem Grenzgebiet fanden die Wanderprediger einen sicheren Rückzugsraum. Von hier aus zogen waldensische Siedler nach Südfrankreich und nach Kalabrien. Auch dort wurden sie jedoch verfolgt und komplett ausgerottet, 1545 im Massaker von Louberon und 1561 in Kalabrien.

1532 schlossen sich die Waldensergemeinden der Reformation an, besonders der Genfer Reformation unter Calvin. Im 17. Jahrhundert kam es unter Ludwig dem XIV. zu einer weiteren Vertreibung, die Waldenser auch nach Deutschland führte, nach Württemberg und Hessen. Gemeinden wir Gottestreu und Gewissensruh an der Weser sind ursprünglich waldensische Siedlungen. Ortsnamen wie Pinache, Serres, Perouse, Groß- und Kleinvillars in Württemberg zeugen von waldensischer Herkunft. Die calvinistisch-reformierten Waldensergemeinden in Württemberg wurden 1823 in die lutherische Landeskirche integriert. Damit mussten sie ihre Gottesdienste in der deutschen Sprache halten. Ihr eigentlicher Dialekt, Alpenprovenzalisch, verschwand gegen Ende des 19. Jahrhunderts. Die deutschen Waldenser verloren damit ihre ursprüngliche Identität. Einige Waldenser versuchten jedoch, die Erinnerung an ihre Herkunft und Vergangenheit zu bewahren. Dabei wurden sie von den deutschen lutherischen Pfarrern in den Waldensergemeinden unterstützt. Das führte 1936 zur Gründung der Deutschen Waldenservereinigung. Ihr Sitz ist im ehemaligen Pfarrhaus von Henri Arnaud in Schönenberg. (Württemberg) Ich selbst hatte die Gelegenheit während meines Vikariats mit einer Gruppe von Jugendlichen die Waldensergemeinden in Sizilien zu besuchen. Dort leisten sie in von der Mafia kontrollierten Gebieten wichtige Sozialarbeit.

 

9. April  Dietrich Bonhoeffer

Von guten Mächten treu und still umgeben, behütet und getröstet wunderbar,
so will ich diese Tage mit euch leben und mit euch gehen in ein neues Jahr.
Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist bei uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

Dieses bekannte Lied ist der letzte Text, den Dietrich Bonhoeffer vor seiner Ermordung im KZ Flossenbürg am 9. April 1945 geschrieben hat. Bonhoeffer stammt aus einer großbürgerlich-konservativen Familie. Der Vater ein renommierter Neurologe, zuletzt an der Berliner Charite tätig.  Die Mutter eine geborene v. Hase, Enkelin des Theologen Alfred v. Hase. Unter ‚normalen‘ Umständen hätte Dietrich Bonhoeffer eine glatte Karriere an der Universität oder in kirchlichen Lehrämtern machen können. 1923 beginnt er sein Theologiestudium in Tübingen. Mit 21 Jahren wurde er mit der noch heute aktuellen Arbeit Sanctorum Communio (Gemeinschaft der Heiligen) zum Doktor der Theologie promoviert. Es folgten ein Vikariat in Barcelona. 1930 folgt das zweite Examen. Dann ein weiterer Auslandsaufenthalt am Union Theological Seminary in New York.  1931 zum Pfarrer in Berlin-Tiergarten (St. Matthäuskirche) zum Pfarrer ordiniert. Bonhoeffer begrüßte die Ernennung Adolf Hitler zum Kanzler nicht, wie der größte Teil der evangelischen Kirche. Ihm war von Anfang an klar: Dieser Kanzler und Führer bedeuten Krieg. „Führer und Amt, die sich selbst vergotten, spotten Gott.“ Sagte er in einer Rundfunkansprache zwei Tage vor der sogenannten Machtergreifung 1933. Es begann der ‚Kirchenkampf‘, in dem die Anhänger der Nazis, die ‚Deutschen Christen‘ die evangelische Kirche gleichschalten wollten. Nach Einführung des ‚Arierparagraphen‘ im September 1933 gründete Bonhoeffer mit Martin Niemöller den Pfarrernotbund zum Schutz der Pfarrer jüdischer Herkunft. Nach einem erneuten Aufenthalt in London 1933 bis 1935 war er Leiter des Predigerseminars in Finkenwalde (Stettin), das 1937 von den Nazis verboten wurde und noch einige Zeit in der Illegalität weiterarbeitete.

Bonhoeffer schloss sich dem konservativen Widerstand um Canaris und Hans von Dohnanyi. Im April 1943 wird er verhaftet. Auf Hitlers persönlichen Befehl hin wird er wenige Wochen vor Ende des Krieges hingerichtet. In der Haft schrieb Bonhoeffer weiter theologische Schriften, Gebet und Gedichte. Das theologische Denken Bonhoeffer ist auf Christus zentriert und betont, dass Kirche eine Kirche in der Welt sein müsse. „Je ausschließlicher wir Christus als den Herrn bekennen, desto mehr enthüllt sich die Weite seines Herrschaftsbereiches […] Die Welt gehört zu Christus und nur in Christus ist sie, was sie ist. Sie braucht darum nichts geringeres als Christus selbst. Alles wäre verdorben, wollte man Christus für die Kirche aufbewahren, während man der Welt nur irgendein, vielleicht christliches, Gesetz gönnt. […] Seit Gott in Christus Fleisch wurde und in die Welt einging, ist es uns verboten, zwei Räume, zwei Wirklichkeiten zu behaupten: Es gibt nur diese eine Welt.“  Wirkmächtig sind auch seine Überlegungen zur Ethik. „Die Kirche darf also keine Prinzipien verkündigen, die immer wahr sind, sondern nur Gebote, die heute wahr sind. Denn, was ‚immer‘ wahr ist, ist gerade heute nicht wahr. Gott ist uns ‚immer‘ gerade ‚heute‘ Gott.“ Aber Bonhoeffer kannte auch den Zweifeln im und das Suchen des Glaubens. Das macht sein Gedicht ‚Wer bin ich‘ deutlich.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich träte aus meiner Zelle gelassen und heiter und fest,
wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft, ich spräche mit meinen Bewachern frei und freundlich und klar, als hätte ich zu gebieten. 
Wer bin ich? Sie sagen mir auch, ich trüge die Tage des Unglücks gleichmütig lächelnd und stolz, wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen? Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß? Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig, ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle, hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe, zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung, umgetrieben vom Warten auf große Dinge, ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne, müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen, matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?

Wer bin ich? Der oder jener? Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer? Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling? Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer, das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?

 Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott. Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Ostern

Johannes von Antiochien (349 -407), Chrysotomus (Goldmund) genannt war Asket, Bischof von Konstantinopel. Ein streitbarer Kirchenmann, der Kirche einen radikalen Sparkurs verordnete, wichtige soziale Werke ins Werk setzte. Am Ende geriet er mit der Kaiserin in Streit. Er starb auf dem Weg in die Verbannung. Seine einladende Osterpredigt ist bekannt:

Wenn jemand fromm und gottliebend ist, komme und erquicke er sich an dieser schönen und glänzenden Feier.

Wenn jemand ein wohlgesinnter Anhänger ist, gehe er fröhlich ein in die Freude seines Herrn.
Wenn jemand sich beim Fasten abgemüht hat, empfange er jetzt nach seinem Verdienst.
Wenn jemand von der ersten Stunde an gearbeitet hat, empfange er heute seinen gerechten Lohn.
Wenn jemand nach der dritten Stunde gekommen ist, feiere er dankend.
Wenn jemand zur sechsten Stunde angelangt ist, so zweifle er nicht, denn er wird nichts missen.
Wenn jemand bis in die neunte Stunde säumte, trete er unverzagt hinzu, ohne sich zu fürchten.
Wenn jemand erst zur elften Stunde eingelangt ist, fürchte er sich nicht ob seiner Saumseligkeit.

 Denn der Gebieter ist freigebig und nimmt den Letzten auf wie den Ersten. Er erquickt den, der um die elfte Stunde gekommen ist, ebenso wie den, der von der ersten Tagesstunde an gearbeitet hat.
Zum Späterkommenden ist Er gnädig und freundlich zu dem Ersten. Jenem schenkt Er und diesen belohnt Er.
Die Werke nimmt Er an und die Absicht lobt Er. Die Tat ehrt Er und der Entschluss ist Ihm willkommen.

Gehet also in die Freude unseres Herrn ein, ihr Alle. Die Ersten und die Letzten: empfanget den Lohn.
Die Reichen und die Armen, freuet euch miteinander. Ausdauernde und Nachlässige, ehret den Tag.
Die ihr gefastet und die ihr nicht gefastet habt; freuet euch heute.
Der Tisch ist beladen, genießet alle. Das Kalb ist gemästet, niemand gehe hungrig hinaus. Alle geniesset vom Gastmahl des Glaubens. Alle geniesset vom Reichtum der Güte.

Niemand beklage Armut, denn erschienen ist das gemeinsame Reich. Niemand betrauere die Übertretungen, denn die Vergebung ist aus dem Grabe aufgestrahlt. Niemand fürchte den Tod, denn des Erlösers Tod hat uns befreit.
Vernichtet hat den Tod, Der von ihm umfangen ward. Die Beute hat ER dem Hades abgenommen, der zu ihm herabkam.
Er ließ Bitterkeit erfahren ihn, der gekostet hat von Seinem Fleische.
Diese vorausschauend rief Jesaja aus:
"Der Hades, ´spricht er,´ war voll Bitterkeit, als er Dir unten begegnete´."
Er war voll Bitterkeit, denn er war verhöhnt; er ward voll Bitterkeit, denn er ward hinweggerafft; er war voll Bitterkeit, denn er wurde gefesselt. Er nahm den Leib und geriet an Gott.
Er nahm die Erde und traf auf den Himmel. Er nahm, was er sah, und fiel durch das, was er nicht sah.
Tod, wo ist dein Stachel?
Hades, wo ist dein Sieg?
Auferstanden ist Christus und du bist gestürzt.
Auferstanden ist Christus und gefallen sind die Dämonen.
Auferstanden ist Christus und die Engel freuen sich.
Auferstanden ist Christus und das Leben triumphiert.
Auferstanden ist Christus und kein Toter im Grabe.

Denn Christus ist von den Toten auferstanden, der Erstling der Entschlafenen geworden.
Ihm sei die Ehre und die Macht in alle Ewigkeit. Amen.

Eine schöne, einladende Auslegung zur Auferstehung Jesu Christi. Sie hat allerdings einen Haken. Johannes von Antiochien war Vertreter eines aggressiven Antijudaismus. Weil Juden Jesus getötet hätten, gäbe es keine Entschuldigung und Verzeihung. Christen verbot er, den Sabbat zu feiern, sich überhaupt in der jüdischen Gemeinde aufzuhalten. Aus heutiger Sicht sollte gelten: Die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi, seine großzügige Einladung gilt allen Menschen, - oder sie gilt gar nicht.

Karfreitag

Karfreitag – Tag der Kreuzigung Jesu in Jerusalem. Für die, die ihn begleitet haben, bricht eine Welt zusammen. Wie sollen sie seinen Tod verstehen? Eine Frage die bis heute offen ist. Wenn man sie sich denn heute noch stellen will. Friedrich Nietzsche, der Pfarrerssohn aus Röcken in Sachsen, hat sich damit auseinandergesetzt.  „Mit dem Christentum werde ich nicht fertig“ – schrieb er in seinem Nachlass. Kritisch hat er die Glaubensvorstellungen und die damals real existierende Kirche in Frage gestellt. In seinen ‚Fröhlichen Wissenschaften‘ schreibt er: „Gott ist tot! Gott bleibt tot! Und wir haben ihn getötet! Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder? Das Heiligste und Mächtigste, was die Welt bisher besaß, es ist unter unseren Messern verblutet.“ Der Satz ist zur Parole geworden. Dabei stammt der Gedanke gar nicht von Nitzsche. In einem Kirchenlied (EG 80) heißt es in der Originalfassung: „O große Not! Gott selbst ist tot, Am Kreuz ist er gestorben, Hat dadurch das Himmelreich. Uns aus Lieb' erworben. (V2) O Menschenkind, Nur deine Sünd' Hat dieses angerichtet, Da du durch die Missetat Warest ganz vernichtet.“ (V3) 1641 von Johann Rist geschrieben. Die mörderischen Erfahrungen des 30jährigen Krieges finden sich in seinem Lied wieder.  Rist versucht mit poetischen Mitteln der Braut- und Blutmystik die harten Herzen der Menschen seiner Zeit zu erweichen.  Nachfolgenden Generationen war das anstößig. Besonders die Zeile „O große Noth! Gott selbst ligt todt“. Das scharfe Fallbeil der Theologie fiel hernieder und dichtete im 19. Jahrhundert um: „O große Not, Gotts Sohn liegt tot“.  So singen wir es heute. Auch, oder gerade?, Theologen können offenbar das Fremde, Verstörende dieses Ereignisses schlecht ertragen. Dabei hatte doch Hegel noch in seinen Vorlesungen über die Philosophie der Religion (III,247) ihnen ins Gewissen geschrieben. Genau diesen Vers zitierend. Angesichts des Kreuzes gelte es zu begreifen, dass „das Menschliche, Endliche, Gebrechliche, die Schwäche, das Negative göttliches Moment sind, dass es in Gott selbst ist, dass die Endlichkeit, das Negative, das Anderssein nicht außer Gott und als Anderssein die Einheit mit Gott nicht hindert ..., [dass] es Moment der göttlichen Natur selbst [ist]“. Hegel schreibt, Gott selbst sterbe in seinem Sohn am Kreuz. Er riskiere die Einsamkeit und Verlassenheit. Als Gott Vater aber lasse er in Liebe den endgültigen Tod seines Sohnes nicht zu und erwecke ihn als ‚Heiligen Geist‘ von den Toten. Hegels Versuch einer Antwort. Die Frage bleibt offen und an uns gerichtet: Wie begreifen wir diesen gebrechlichen, von Menschen gebrochenen Jesus, seine Schwäche, sein Anderssein und die scheinbare Verneinung Gottes, wenn er am Kreuz stirbt?

Meister Eckhart 27. März 

Am 27. März gedenken die protestantischen Kirchen eines Dominikaners, der unter dem Namen Meister Eckhardt bekannt ist. Geboren ist er in Hochheim, einem Ort bei Gotha. Sein Todestag ist nicht genau bekannt. Sicher ist, dass er zwischen Juli 1327 und April 1328 in Avignon gestorben ist. Am 27. März 1329, also etwa ein Jahr nach seinem Tod, verurteilt Papst Johannes XXII in der Bulle ‚in agro domenico‘ 28 Aussagen Eckhardts als häretisch. Nicht seiner theologischen Gedanken wegen, sondern weil sie Menschen in die Irre führen könnten. Mit etwa 15 Jahren trat Eckhardt dem Dominikanerorden in Erfurt bei. Dort durchläuft er eine klassische Ausbildung als Theologe in den sogenannten 7 freien Künsten (Grammatik, Rhetorik, Dialektik, Arithmetik, Geometrie, Musik und Astronomie). Zweimal hat er eine Professur an der damals berühmten Universität in Paris inne (1293/4 und 1311). Er ist Prior des Dominikanerklosters in Erfurt, wird später Provinzial, also Chef der Ordensprovinz Sachen. 1325 lebt er in Köln und wird dort von Mitbrüdern, die selber einen zweifelhaften Ruf haben, der Häresie angeklagt. Es geht hin und her, schließlich wird der Prozess an den Papst in Avignon delegiert, wo der Papst residierte. Es sind die Jahre des avignonesischen Papsttums. (bis 1377) Magister Eckahrdt kennt die Mechanismen der Kirche. Er weiß sich zu verteidigen. So lässt er im Januar 1327 einen ‚Widerruf‘ aller seiner Lehren öffentlich verlesen. Der ist jedoch ganz allgemein und endet mit dem Satz, er widerrufe jeden Irrtum, den man ihm nachweisen könne. Eine ähnliche Strategie wendet Luther auf dem Reichstag in Worms an: „…wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, dass sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der Heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!“ Magister Eckhardt predigt auf Deutsch. Er will, dass auch einfache Menschen Gott verstehen. Freilich versteht er Gott anders als die Mainstreamtheologie, deren Vorbild die Philosophie des Aristoteles ist. Eckhardt folgt der ‚negativen‘ Theologie des Platonismus. Für die aristotelisch geprägte Scholastik war Gott ein ‚Forschungsobjekt‘, über das mittels theologischer Offenbarung und der Vernunft der philosophischen Argumentation positive Aussagen gemacht werden konnten. Die platonische Vorstellung von Gott ist ‚negativ‘.  Menschen können über Gott keine Aussagen machen, Gott ist ‚grundloser Grund‘. Gott ist Ursprung von Allem. Man kann ihm keine Merkmale zuschreiben. Jedes Merkmal wäre nämlich eine Begrenzung und als solche dem Charakter des Einen unvereinbar. Gott weist keine Begrenzungen auf. Es gibt nichts, was er nicht ist. Er ist das Verneinen des Verneinens. Einfacher beschreibt Dietrich Bonhoeffer diese theologische Erkenntnis in seiner Habilitationsschrift (Akt und Sein). „Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht.“ Und er meint: Einen Gott - der von uns Menschen objektiv erkennbar und beschreibbar ist - einen, den es in Anführungszeichen „gibt", der berührt mich nicht, den will ich auch gar nicht kennen, der schwebt fernab meiner Lebenswelt. Das gibt ziemlich genau die Meinung von Magister Eckhardt wieder. Er wollte, dass die Menschen von Gott berührt werden. Denn alle Menschen hätte einen göttlichen Anteil in ihrer Seele. Dieser göttliche Anteil könne direkt mit Gott kommunizieren, vorausgesetzt ein Mensch mache sich frei von allem, was das direkte Sprechen hindert. Das nennt er die Gottesgeburt der Seele. Wo ich nichts für mich will, da will Gott für mich. Nun gibt Acht! Was will er für mich, wenn ich nichts für mich will? Wo ich von mir lasse, da muss er für mich notwendigerweise alles wollen, was er für sich selbst will, nicht mehr und nicht weniger, und in derselben Weise, in der er für sich will. Täte Gott dies nicht, bei der Wahrheit, die Gott selbst ist, dann wäre er nicht gerecht, und er wäre nicht Gott – was doch sein natürliches Wesen ist. Darum fange bei dir selbst an und lass dich. Je mehr die Menschen nach außen gehen, umso weniger finden sie Frieden. Sie gehen wie jemand, der den Weg nicht findet. Je weiter er geht, umso mehr verirrt er sich. Was soll er also tun? Er soll sich selbst erst einmal lassen, dann hat er alles gelassen.“ Deshalb kann Magister Eckehardt auch sagen, es gibt prinzipiell keinen Unterschied zwischen Jesus und uns, beide sind wahrer Gott und wahrer Mensch. Damit sei grundsätzlich sei jeder befähigt, das zu verwirklichen, was Christus verwirklicht und vollbracht hat. Es mögen Gedanken wie dieser gewesen sein, an denen die vatikanischen Theologen Anstoß nehmen. Denn die Konsequenz wäre ja, eine das Heil vermittelnde Institution wie die Kirche braucht es nicht unbedingt. Wir beten im Vater unser die Worte „… dein Wille geschehe“, lateinisch: fiat voluntas tua. Eckhardt übersetzt Wort für Wort „werde Wille dein“ und setzt erläuternd hinzu: mein Wille dein Wille werde. Darum geht es Magister Eckhardt, dass Gottes Wille durch mich geschehe. Mystische Menschen finden bei Eckhardt viele anregende Gedanken für ihre Gotteserfahrungen. Er selbst war keiner. Für ihn galt: Ein einziges Werk, was auch immer, in der richtigen Intention getan, das ist besser als irgendeine (mystische) Übung.

Ankündigung der Geburt Jesu 25. März

Am 25. März, neun Monate vor Weihnachten, feiern die Kirchen den Tag Mariä Verkündigung. Lukas (1,26-38) berichtet, wie der Engel Gabriel Maria die Geburt eines Kindes ankündigt. Auf die Frage, wie das vor sich gehen solle, antwortet er: „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“  Diese Stelle ist Grundlage für das Ave Maria: „Gegrüßet seist Du Maria“.  Selbst der Koran erwähnt die Verkündigung Mariens. Dieses Fest erscheint relativ spät im christlichen Kalender, nämlich erst, nachdem sich der 25. Dezember als Geburtstag Jesu durchgesetzt hatte, etablierte die Kirche den 25. März als Tag der Verkündigung der Geburt Jesu. Dieser Prozess war im 7. Jahrhundert abgeschlossen. Sinnigerweise liegt der Termin auf dem Tag des antiken, römischen Weltfrauentages.  Interessant ist, dass die christliche Lehre fünf Stadien als Reaktion auf die Verkündigung kennt: auf die Conturbatio folgen Cogitatio, Interrogatio, Humilitatio und Meritatio, also Verwirrung, Nachdenken, Nachfragen, Unterwerfung und Wertschätzung. Das entspricht ziemlich genau dem, was Elisabeth Kübler-Ross für die Abfolge der Trauerphasen beschreibt: Leugnen, Wut, Feilschen und Verhandeln, Depression und Annahme. וְאֵין כָּל חָדָשׁ תַּחַת הַשָּׁמֶשׁ – v’ein cal chadash tachat ha shämäsh – Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Ich denke, es ist überhaupt ein Grundmodell psychischer Verarbeitungsweise von innerseelischen Konflikten und Herausforderungen. Die Verkündigung der Mariä ist immer wieder musikalisch bearbeitet worden. Bach schreibt zwei Kantaten „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ und „Himmelkönig sei willkommen“.  Das „Ave Maria“ ist von vielen Komponisten vertont worden. Charles Gounod und Schubert sind hier stellvertretend zu nennen. Selbst Karl May soll ein Ave Maria geschrieben und vertont haben. Ebenso in der Malerei. Jede Epoche malt ihre Deutung. Das Gemälde stammt von Gaudenzio Ferrari (1512). Er hat es als Liebesszene gemalt. Der Engel überreicht die Blume seiner Angebeteten. Maria neigt ihr Gesicht dem Ankömmling zu, keine Spur von Fremdheit. Und natürlich gibt es auch eine Bauernregel: „Mariä Verkündigung kommen die Schwalben wiederum."  Denn früher war der 25. März der Beginn des Frühjahres.

 

Cyrill von Jerusalem 18. März

Cyrill wächst in einem christlichen Elternhaus auf. Es gibt Hinweise, dass er Mönch war, bevor er von Makarios I. 335 zum Diakon und 345 zum Priester geweiht wird. Nach dessen Tod 351 wird er zum Bischof von Jerusalem wohl durch den Metropoliten Achatius von Cäsarea geweiht. Zur Zeit Cyrills tobt der theologische Streit zwischen den Arianer und den Orthodoxen. Goethe dichtet später: Zwei Parteien sind es, die sich boxen, die Arianer und die Orthodoxen. Da wird mit ziemlich harten Bandagen gekämpft. Deshalb muss Cyrill mehrmals in die Verbannung gehen. Das erste Mal 357 bis 359. Das zweite Mal 360 bis 362. Achatius von Caesarea, ein Arianer, wirft ihm Ketzerei vor, und weil das nicht reicht, kommt der Vorwurf der Unterschlagung von Kirchengütern zugunsten der Armen hinzu.  Wo käme die Kirche denn hin, wenn sie ihren Besitz zugunsten der Armen verkaufte?! Eine weiter Verbannung trifft ihn 367 bis 378 unter Kaiser Valens. Cyrill verbringt also fast die Hälfte seiner Amtszeit im Exil. Ob er seine Bezüge in der Verbannung weiter erhält, ist Gegenstand der Forschung. Belegt ist, dass er 359 an der Synode in Seleukia in Isaurien, dem heutigen Silifke, teilnimmt. 362 widersetzte er sich dem Versuch von Kaiser Julian Apostata, den zerstörten Tempel in Jerusalem wiederaufzubauen, was Grund für eine weitere Zeit in der Verbannung war. Cyrill schlägt sich wohl längere Zeit auf die Seite der Arianer, aber auf der Synode von Alexandria 362 schließt er sich der Mehrheitsmeinung der Orthodoxen, an. Das 2. ökumenischen Konzil in Konstantinopel 381 stuft ihn als rechtgläubig ein und anerkennt seine Bischofswahl als rechtmäßig. Cyrill ist der Schöpfer der sogenannten Jerusalemer Liturgie, die durch die zahlreichen Pilger schnell zum Vorbild für andere Messformulare der Kirche wird.  Insgesamt sind 24 Predigten erhalten, gerichtet an Taufanwärter, in denen er das Glaubensbekenntnis auslegt, auf das er detailreich eingeht. Prägend für die katholische Kirche ist seine Beschreibung über ihren Auftrag und ihr Wesen: 

Die Kirche heißt katholisch, weil sie auf dem ganzen Erdkreis, von dem einen Ende bis zum anderen, ausgebreitet ist, weil sie allgemein und ohne Unterlass all das lehrt, was der Mensch von dem Sichtbaren und Unsichtbaren, von dem Himmlischen und Irdischen wissen muss, weil sie das ganze Menschengeschlecht, Herrscher und Untertanen, Gebildete und Ungebildete, zur Gottesverehrung führt, weil sie allgemein jede Art von Sünden, die mit der Seele und dem Leibe begangen werden, behandelt und heilt, endlich weil sie in sich jede Art von Tugend, die es gibt, besitzt, mag sich dieselbe in Werken oder Worten oder in irgendwelchen Gnadengaben offenbaren.“ 

Der sogenannte arianische Streit im 4. Jahrhundert dreht sich im wesentliche um die Frage ob der in Jesus Christus inkarnierte Logos göttlich, gottähnlich oder anders als Gott, nämlich geschöpflich sei. Arius vertritt die Meinung, dass Jesus Christus als Sohn Gottes ‚geschaffen‘ und so Gott untergeordnet sei. Das Gegenteil vertreten die sogenannten Nizäner. Ihr auch heute noch verwendetes Glaubensbekenntnis hält fest, dass der Sohn wahrer Gott, gezeugt aus dem Wesen des Vaters, aber nicht geschaffen und daher nicht Teil der Schöpfung sei. Der theologische Streit wird auf dem Konzil in Konstantinopel 381 mit der Neuformulierung des sogenannten Nicäno-Konstantinopolitanum beigelegt.

14. März Johann Salomo Semmler 

Am 14. März 1791 stirbt in Halle der evangelische Theologe Johann Salomo Semmler. Muss man/frau ihn kennen? Nein. Und doch ist das, was wir Heutigen unter wissenschaftlicher Theologie und Religion verstehen ohne ihn nicht vorstellbar. Geboren wurde er am 18. Dezember 1725 in Saalfeld. Sein Vater war Pfarrer und Superintendent, die Familie fromm, vom Pietismus geprägt. Der Pietismus will dem vermeintlich laschen, mangelhaften Alltags- und Kirchenglauben durch eine streng christliche Lebensführung und Ernsthaftigkeit eines persönlichen Glaubens entgegenwirken.  Ab 1743 studiert Semmler an der Universität Halle, der Hochburg pietistischer Theologie. Nach Beendigung des Studiums 1750 geht er als Lehrer für arabische Sprache an das Gymnasium in Coburg. 1752 kehrt er mit Hilfe seines Lehrers Sigmund Jacob Baumgarten als Professor für Theologie nach Halle zurück. Aber als Professor setzt sich Semler kritisch mit dem Pietismus auseinander, am Ende distanziert er sich davon.  Sein von der Aufklärung geprägte theologisches Denken beendet den Einfluss des Pietismus auf die Universitätstheologie. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass wissenschaftliche Methoden in die universitäre Ausbildung von Theologen und Pfarrern eingeführt wurden.  Standartwerk für lange Zeit wird seine vierbändige „Abhandlung von freier Untersuchung des Canons“. Semlers Forschungen zeigen, dass biblischen Texte, also die Überlieferung der göttlichen Offenbarung, eine Sammlung unterschiedlichster Schriften und Autoren aus verschiedenen Zeiten handele. Er konzentrierte die exegetische (die Auslegung eines Textes) Arbeit auf ‚Textkritik‘ und legt den Grundstein für die moderne historisch-kritische Exegese. Bis heute wissenschaftliche Strandartmethode. Der Text wird befragt: wann ist er entstanden? Hat er eine Vorgeschichte oder Vorläufer? Aus welchem Anlass ist er entstanden? Wer ist der Adressat? Welche Frage will ein Text beantworten? Wie ist seine Traditions- und Überlieferungsgeschichte? Und viele mehr. Semmlers Forschungen entziehen der von der lutherischen Orthodoxie, aber nicht nur von ihr, vertretenen Auffassung von der Verbalinspiration der Schrift den Boden. Der Auffassung also, die Texte der Bibel seien dem Schreiber vom Heiligen Geist direkt in die Feder diktiert worden. Ganz verschwunden ist diese Ansicht bis heute nicht. In pietistischen Kreisen und in fundamentalistischen Strömungen gilt sie bis heute. Ach im Diskurs, wie man den Koran zu lesen habe. Mit Semmlers Forschungen entsteht freilich ein neues Problem. Semmler und andere Aufklärungstheologen trennen nun zwischen einer wissenschaftlichen Theologie, der christlichen Religion bzw. der Privatreligion. Die Theologie habe sich mit den Texten der Bibel (und anderen Religionen) und der Dogmengeschichte nach wissenschaftlichen, rational nachvollziehbaren Methoden der Auslegung (Hermeneutik) auseinanderzusetzen.  Sie wird an Universitäten gelehrt. Gelebte Religion, privater Glaube bildet sich in selbständiger, individueller Auseinandersetzung mit den Texten, sei erfahrungsgeleitet und verfolge andere (existentielle) Fragestellungen. Der eigene Glaube sei innerliche Religion des mündigen Individuums, die keiner Konfession bedarf. Semmler setzte sich für Gewissensfreiheit und Toleranz nicht nur in Fragen der Religion ein. Wenn wir in unseren heutigen Gesellschaften sagen, Religion sei eine Privatsache, dann zitieren wir damit die Aufklärung. Und tun gut daran. Damit ist aber die Frage, welche Rolle Religion in unserem gesellschaftlichen und politischen Denken und Handeln spielt, bzw. wo ihr Grenzen zu ziehen sind, nicht beantwortet. Sie muss immer wieder neu verhandelt werden. Für die Ausbildung unseres privaten Glaubens ist es fruchtbar, wenn wir die wissenschaftliche theologische Forschung zur Kenntnis nehmen und sich von ihr befragen lassen.  Das Umgekehrte gilt ebenfalls. Wissenschaftliche Theologie muss mit unserem Erfahrungshorizont konfrontiert werden. „Sapere aude.“ Wage es, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Wobei das Wort ‚sapere‘ eigentlich ‚schmecken, riechen‘ bedeutet. Also wäre das alte Horazzitat auch übersetzbar mit: ‚Wage es, dir einen eigenen Geschmack zu bilden.‘ Daniel Friedrich Schleiermacher, Nachfolger von Semmler Professur in Halle, wird in seiner Hauptschrift ‚Über die Religion‘ diese als „Sinn und Geschmack für das Unendlich“ beschreiben.

12. März Gregor der Grosse

Der 12. März ist für die reformatorischen Kirchen Gedenktag für Papst Gregor I. Geboren 540 als Sohn der alten römischen Patrizierfamilie der Anicier. Seine Familie stellte im ausgehenden weströmischen Reich zwei Kaiser und einen Papst (Felix II). Gregor begann seine Karriere als stadtrömischer Verwaltungsfachmann, die ihn bis in das höchste Amt des Stadtpräfekten von Rom führte. Nach dem Tod seines Vaters 575 entschied er sich für ein Leben als Mönch und gründete in der Villa seiner Familie das Kloster Santi Andrea e Gregorio al Monte Celio. Dieses Kloster besteht noch heute. Weiter Klostergründungen in Italien folgten. Vier Jahre später schickt ihn Papst Pelagius als Botschafter des Bischofs von Rom nach Konstantinopel. Griechisch hat er nicht gut verstanden, weshalb wohl seine Mission nicht so richtig erfolgreich war. Jedenfalls gelang es ihm nicht, von Kaiser Justinian militärische Unterstützung für die Abwehr der Langobarden zu erhalten. Was er aber aus Konstantinopel mitbrachte, waren große Bußprozessionen zu Ehren der Maria, die er als späterer Papst in Rom erstmals 590 anlässlich eines Ausbruchs der Pest durchführen ließ. An dieser Pest starb Pelagius, Gregor wurde sein Nachfolger. Er führte den Titel ‚servus servorum dei‘ (Diener der Diener Gottes), den auch die heutigen Päpste noch führen. Auf seinem Grab steht der Titel ‚consul dei‘. Dieser Titel, den er sich selber gab, weist auf seinen Machtanspruch hin, denn Gregor betreibt den Alleinvertretungsanspruch des römischen Bischofs für die ganze Christenheit. Das brachte ihn natürlich in Konflikt mit den Patriarchen in Konstantinopel Johannes IV. Nesteutes, der den Titel eines ökumenischen Patriarchen führte. In Italien hat Gregor sich die Vormacht wohl durch gezielte Bestechung kaiserlicher Beamter in Ravenna gesichert. Dass die kaiserliche Macht in Italien schwach war, spielte Gregor in die Hände. Er verhandelte eigenmächtig mit den Langobarden über einen Abzug, organisierte die Getreideversorgung von Rom und schaffte durch geschickte Zusammenlegung der Besitztümer der Kirche in Süditalien und Sizilien die Grundlage dessen, was später der Vatikanstaat wurde.  Am Monatsanfang wurden Lebensmitteln an Arme und Bedürftige verteilt. Seine Mitbischöfe ermahnte er, der Hungernde sei nur dann für eine Predigt empfänglich, wenn ihm zuvor eine „helfende Hand“ gereicht worden sei. Brecht fasst das später in das Bonmot: „Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral.“ Kirchenpolitisch war Gregor sehr erfolgreich. So schaffte er die ‚Simonie‘ (Ämterkauf) und die Laienordination ab. Durch regelmäßige Treffen der Bischöfe zu Synoden verfestigte er seinen Anspruch auf die Führung der lateinischen Kirche.  Er initiierte die Rekatholisierung Britanniens und Spaniens und bewirkte die Abkehr der Langobarden vom Arianismus. Manche Fortscher sehen Gregor daher als ersten mittelalterlichen Papst. Über die von ihm gegründeten Klöster konnte er überall seinen Machtanspruch durchsetzen.  Dabei war Gregor nicht zimperlich. Anlässlich der Christianisierung Sardiniens gab er den Ukas aus: „Wenn ihr feststellt, dass sie nicht gewillt sind, ihr Verhalten zu ändern, so befehlen wir, dass ihr sie mit größtem Eifer verfolgt. Sind sie unfrei, so züchtigt sie mit Prügeln und Folter, um sie zur Besserung zu zwingen. Sind sie aber freie Menschen, so sollen sie durch strengste Kerkerhaft zur Einsicht gebracht werden, wie es angemessen ist, damit jene, die sich weigern, die heilsamen Worte zu hören, welche sie aus den Gefahren des Todes erretten können, durch körperliche Qual der erwünschten geistigen Gesundheit zugeführt werden.“ Zusammengefasst: Und willst du nicht mein christlicher Bruder sein, dann hau ich dir die Fresse ein. Diese Haltung wurde ein probates Mittel kirchlichen Handelns gegenüber Andersdenkenden und Andersglaubenden für viele Jahrhunderte. Eine Strategie, die Putin in diesen Tagen gegenüber seinen ukrainischen Brüdern anwendet und von Diktatoren aller Couleur gerne angewendet wird. Gregor führte eine Reform der Liturgie durch. Die ‚gregorianischen Choräle‘ stammen allerdings nicht von ihm. Sie gehen auf das Konto von irischen Mönchen. Die Liste der noch heute gültigen Todsünden stammt wohl von ihm: Hochmut, Völlerei, Neid, Zorn, Trägheit, Geiz, Wollust. Und er war Verfasser von zahlreichen Schriften, die in der katholischen Kirche noch heute große Bedeutung haben.  Am 12. März 604 stirb Gregor. 1295 wird er heiliggesprochen. Er gilt als Patron des kirchlichen Schulwesens, der Bergwerke, des Chor- und Choralgesanges, der Gelehrten, Lehrer, Schüler, Studenten, Sänger, Musiker, Maurer, Knopfmacher. Und hilft gegen Gicht und Pest (nicht wirklich). Natürlich gibt es auch Bauernregeln wie: „Gregor zeigt dem Bauern an, / dass im Feld er säen kann.“ – „Um den Tag des St. Gregor, / da kommen auch die Schwalben vor.“

 

3. März Beginn der Woche der christlich-jüdischen Zusammenarbeit

(bis 2023 Woche der Brüderlichkeit)

 

(Igor Levit)

Am 3. März beginnt die Woche der christlich-jüdischen Zusammenarbeit, die bis 2023 „Woche der Brüderlichkeit“ hieß, mit einem Festakt im Residenzschloss Mainz. In vielen lokalen Veranstaltungen in den folgenden Monaten geht es um die Verständigung zwischen Christen und Juden, den Kampf gegen Antisemitismus und Diskriminierung, sowie das friedliche Zusammenleben der Religionen. Schirmherr der „Woche der Brüderlichkeit“ ist der Bundespräsident. In der Eröffnungsfeier wird seit 1968 die Buber-Rosenzweig-Medaille durch den Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit verliehen. Die Medaille wird in Erinnerung an die jüdischen Philosophen Martin Buber und Franz Rosenzweig verliehen. Nach dem Zweiten Weltkriegs wurde die Initiative zur Gründung der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit in Deutschland angeregt. Solche Gesellschaften gab es schon in den USA, Großbritannien, Frankreich und der Schweiz. Beim Aufbau der ersten Gesellschaften waren Angehörige der amerikanischen Besatzungsmacht im Rahmen ihres Erziehungsprogramms der Deutschen zur Demokratie beteiligt. In München, Wiesbaden, Frankfurt/M., Stuttgart und Berlin wurden 1948/49 die ersten Einzelgesellschaften gegründet. Der Deutschen Koordinierungsrat mit Sitz in Bad Nauheim koordiniert die mehr als 80 lokalen Einzelgesellschaften mit über 20.000 Mitgliedern.  An vielen Orten in der Bundesrepublik entstanden weitere Gesellschaften, nach 1989 auch in den neuen Bundesländern. Der Schwerpunkt der Aktivitäten hat sich mehrfach verlagert. So standen am Anfang erzieherische, dann theologische oder politische Fragen im Vordergrund. Mit Erfolg traten die Gesellschaften für eine Revision des christlichen Religionsunterrichts, die Überwindung von Antijudaismus in Theologie und Kirche, die Anerkennung Israels, die Aussetzung der Verjährung von NS-Verbrechen und immer wieder für eine angemessene „Wiedergutmachung” an den Überlebenden des Holocaust ein.

In diesem Jahr wird die Buber-Rosenzweig Medaille an den Pianisten Igor Levit überreicht. Die Laudatio hält Katharina von Schnurbein, Antisemitismusbeauftragte der Europäischen Kommission.  Im Text des deutschen Koordinierungsrates lesen wir folgendes: „Citizen. European. Pianist.“ – mit diesen Stichworten beschreibt Igor Levit sich selbst auf seiner Website. Die Reihenfolge ist Programm. Zuallererst begreift sich der als einer der besten Pianisten der Welt geltende Künstler als „Citizen“ – als Bürger. Dabei ist er nicht nur ein Bürger Deutschlands, sondern als „European“ einer, der sich als Teil dieses Kontinents mit seiner historischen Verantwortung versteht. Levit möchte vor allem als ein Mensch wahrgenommen werden, der politisch mitgestalten will. Entsprechend gehören für Igor Levit seine Musik und politisches Engagement zusammen. Er ist Pianist und Aktivist. Dafür hat er bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten.  Die politische Dimension von Musik wird auch das Jahresthema des DKR prägen: „The Sound of Dialogue – Gemeinsam Zukunft bauen“ steht als Überschrift über der Arbeit der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit im Jahr 2024. Musik vermag Menschen jenseits von Worten und über kulturelle, religiöse und soziale Barrieren hinweg zu berühren. Beispielhaft zeigt sich diese Wirkung in den vielen interreligiösen und interkulturellen Chor- und Musikprojekten, die es mittlerweile gibt. Musik kann  zusammenführen, aber auch missbraucht werden, um Menschen gegeneinander aufzubringen. Die Macht der Musik zeigt sich in der Bedeutung von National- und Sporthymnen, in ihrer Rolle bei revolutionären Bewegungen wie in Diktaturen. Sie transportiert Botschaften der Liebe, wie des Hasses – in der Vergangenheit bis heute. Wenn die Menschen eine Zukunft haben sollen, dann nur wenn sie den Dialog suchen, aufeinander zugehen und gemeinsam an einer Welt arbeiten, in der alle frei und ohne Angst leben können. Deshalb gehen wir im nächsten Jahr dem „Klang des Dialogs“ nach mit dem Ziel gemeinsam Zukunft zu gestalten.

28. Februar Dreikaiseredikt

Am 28. Februar 380 unterzeichnen die regierenden Kaiser des römischen Reiches Theodosios I (347-395), Valentinian II. (371-392) und dessen mitregierender Bruder Gratian (359-383) in Thessaloniki das Edikt ‚Cunctos populos‘ – an alle Menschen. Darin wird das Christentum zur Staatsreligion erklärt: "Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen sich … zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat … und zu dem sich der Pontifex Damasus klar bekennt wie auch Bischof Petrus von Alexandrien … Das bedeutet, dass wir gemäß apostolischer Weisung und evangelischer Lehre eine Gottheit des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes in gleicher Majestät und heiliger Dreifaltigkeit glauben. Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen … katholische Christen heißen dürfen. Die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen. Auch dürfen ihre Versammlungsstätten nicht als Kirchen bezeichnet werden. Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist." Das Edikt war ein geschickter politischer Schachzug. Denn außen- wie innenpolitisch war das Imperium geschwächt. Zwei Jahre vorher wurde die gesamte oströmische Armee von den terwingischen Goten in der Schlacht von Adrianopel (378, heute Edirne) vernichtend geschlagen. Konstantinopel wurde nur deshalb nicht erobert, weil eine arabische (!) Söldnerarmee die Stadt gegen Goten unter grausamstem Einsatz verteidigte.  Es folgte ein jahrelanger Kleinkrieg der Kaiser gegen die Goten auf dem Balkan. Innenpolitisch sah es nicht besser aus.  In der Hauptstadt Konstantinopel gab es 380 Straßenkämpfe zwischen ‚Nizänern‘ und ‚Arianern‘. Ihr theologischer Streit dreht sich um die Frage, wie man die ‚Natur‘ Christi fassen könne. Die Nizäner beschrieben ihn als ‚wahren Menschen und wahren Gott‘. Christus sei wesensgleich mit Gott. Für die Arianer war Christus das vornehmstes Geschöpf Gottes, aber nicht wesensgleich. Das Edikt war der Versuch, die innenpolitische Lage im Imperium zu stabilisieren. Die Westhälfte war mehrheitlich nizänisch, in der Osthälfte hielten sich Nizäner und Arianer in etwa die Waage. Wie auch immer, das Edikt stärkte die Macht der nizänischen Kirche, insbesondere die Macht ihrer Bischöfe, unter denen sich Ambrosius von Mailand (339-397) besonders hervortat. Sein Leitsatz: „Der Kaiser ist in der Kirche, nicht über der Kirche.“ Das machte er Theodosius mehrfach deutlich. 388 verhinderte Ambrosius die Bestrafung eines Bischofs, der iKallinikon (am Euphrat)  ein Massaker an Juden und das Niederbrennen der Synagoge geleitet hatte. Ambrosius argumentierte, das sei ein Konflikt zwischen Juden und Christen, und ein christlicher Kaiser könne sich nicht auf die Seite der Juden stellen. Zwei Jahre später 390 zwang er den Kaiser zur öffentlichen Reue während einer Messe für das Massaker von Thessaloniki. Theodosius hatte einen Volksaustand blutig mit Hilfe der germanischen Legion niedergeschlagen. Im Jahr 391 kam es in Alexandria zu einer blutigen Auseinandersetzung zwischen Heiden, wie sie nun genannt wurden, und Christen. Ein paar Heiden verschanzten sich im Serapion, zwangen einige Christen zum Opfern, wenige sollen gekreuzigt worden sein. So jedenfalls die christliche Version. Um die Situation zu beruhigen, begnadigte der Kaiser die Mörder, ordnete aber als Warnung an die Heiden die Zerstörung des Tempels an. Bischof Theophilos  fragte sich, warum nur einer und nicht alle, und initiierte die Zerstörung aller Tempel in Alexandrien. In der Folge wurden viele vorchristliche Tempel und Heiligtümer im ganzen Imperium zerstört oder verwüstet. Das Edikt ‚cunctos populos‘ hat also eine enorme, blutige Wirkungsgeschichte. Bis in die Neuzeit hinein. Denn im 13. Jahrhundert diente es als Rechtfertigung für die Etablierung der Inquisition. Die übrigen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen ... Endlich soll sie vorab die göttliche Vergeltung, dann aber auch unsere Strafgerechtigkeit ereilen, die uns durch himmlisches Urteil übertragen worden ist." Die ersten Opfer der Inquisition waren die Laienbewegungen der Katharer, Waldenser und Humiliaten. Mit der Laienbewegung hat die katholische Amtskirche bis heute ihre Schwierigkeiten. 1536 wurde die Inquisition auch in Portugal in Coimbra, Lissabon und Evora staatskirchlich etabliert. Sie richtete sich zuerst gegen Conversos, jüdische getaufte Christen, später auch gegen andere.  Bis 1821 war sie offiziell tätig. Am Ende ein Selbstbedienungsladen für die Kirche, denn die Vermögen der Verurteilten fielen an den Klerus.  Was bleibt, wenn wir uns an das Edikt erinnern? Das Verhältnis von Religion und Gewalt ist auch heute präsent, im Judentum, Christentum und Islam. Wir müssen uns dazu verhalten. Luther verlangte von der Religion ‚non vi, sed verbo‘ (nicht durch Gewalt, sondern durch das Wort) solle man anderen Menschen begegnen. Lutheraner haben sich oft genug einen Teufel darum geschert. Die Psychoanalytikerin Tülay Özbek gibt uns folgenden Hinweis: „Nicht was jemand glaubt, sondern wie er es glaubt, entscheidet darüber, ob es zu Destruktivität (Gewalt) kommt oder nicht; entscheidend ist nicht, was man liest, sondern wie man es liest, sei es nun die hebräische Bibel, die christliche Bibel, der Koran oder das Kapital.“  Entscheidend auch, wie man sich selber gegenüber anderen sieht. Kommen zwei Menschen in den Tempel. Der eine fromm, rühmt sich dafür und dankt Gott, dass er besser sei als andere. Der andere stellt sich hin und sagt offen, er habe Schwierigkeiten, Gott zu vertrauen. Mit letzterem bleibt Gott in Verbindung, erzählt Jesus.

25. Februar Apostel Matthias

Der 24. Februar ist Gedenktag des Apostels Matthias. Über diese Apostel weiß man sehr wenig. Aber, und das macht ihn für die Kirchen in Deutschland wichtig: Er ist der einzige Apostel, dessen Gebeine in Deutschland aufbewahrt werden. Sie liegen In der Benediktinerabtei St. Matthias der ehemaligen Kaiserresidenz Trier. Ursprünglich gehörte Matthias wohl in den engeren Kreis um Jesus, aber nicht zu den sogenannten 12 Apostel. Diese Zahl ist ohnehin fiktiv. Sie verweist auf die 12 Stämme Israels und soll die Kontinuität zwischen jüdischem und christlichen Gottesvolk herstellen. Judas Iskariot hatte Jesus nach den Geschichten des Neuen Testament ausgeliefert und war damit aus dem Kreis der Apostel ausgeschieden. Lukas berichtet in seiner Apostelgeschichte (Apg 1,24-25) über die Nachwahl, die eigentlich ein Losentscheid war. Petrus rief nach der Himmelfahrt Christi den Apostelrat zusammen. Sie nominierten Joseph Barnabbas und Matthias und beteten: "Herr, du kennst die Herzen aller; zeige, wen von diesen beiden du erwählt hast, diesen Dienst und dieses Apostelamt zu übernehmen. Denn Judas hat es verlassen und ist an den Ort gegangen, der ihm bestimmt war." Das Los fiel auf Matthias. Unklar bleibt die Stellung des Paulus in und zu dem Apostelkreis. Er hat sich selbst einen Apostel Jesu Christi genannt. (Galater 1,13-17) Zählt man ihn, wären es 13 Apostel. Wer jetzt an die ‚Wilde 13‘ denkt, liegt nicht richtig. Die Apostel waren schon ein eigenartiger Haufen. Pikanterweise berichtet Paulus, dass er bei seinem Besuch in Jerusalem nur Petrus und den Herrenbruder Jakobus angetroffen hätte. Wahrscheinlich befanden sich die anderen gerade auf Dienstreise. Man weiß es nicht. Über Matthias ist weiter nichts bekannt. Es gibt verschiedene Legenden zu seinem Tod im Jahr 63. Die eine erzählt, er habe den Märtyrertod in Äthiopien erlitten, wo man ihn erst gesteinigt und dann enthauptet habe. Sicher ist sicher. Deshalb wird er in der Ikonographie oft mit einem Beil dargestellt.  Die andere berichtet er sei in Jerusalem eines natürlichen, altersgemäßen Todes gestorben. Wie auch immer, irgendwie kommen seine Gebeine nach Rom in die Kirche Santa Maria Maggiore. Vor dort werden sie von Helena, der Mutter Kaiser Konstantins I., im 4. Jahrhundert nach Trier verschickt.  Dort waren sie offenbar lange ‚vergessen‘. 1127 wurden sie dann in der Benediktinerabtei St. Matthias plötzlich ‚wiedergefunden‘. Wen wundert‘s, dass sofort ein lebhafter Heiligenkult entstand. Die Pilgerfahrten, eine ältere Form des Massentourismus, spülten viel Geld in die Kassen der Abtei. Wallfahrten zum Grabe des Apostel Matthias finden bis heute statt, besonders aus dem Rheinland. Ob dabei auch Rufe wie ‚De Zug kütt‘ laut werden, ist nicht bekannt. Laut Bauernregel entscheidet sich am Matthiastag, ob der Frühling vor der Tür steht oder der Winter länger dauert: "Matheis bricht's Eis. Hat er keins, so macht er eins." Auch wurden in manchen Landstrichen am Matthiastag Obstbäume geschüttelt, um die Ernte des Jahres positiv zu beeinflussen. Ob dieses Tun den Obstschnitt ersetzt, ist nicht bewiesen. Aber es ist der Vollständigkeit halber zu berichten, dass man auch hier im Algarve gegen Bäume tritt oder sie schüttelt, wenn sie keine rechte Ernte mehr bringen. Das soll tatsächlich wirken. Wahrscheinlich handelt es sich um eine Art Wachrütteln. Soll ja manchmal bei Menschen auch helfen.

Michael Prätorius 15. Februar

 Am 15. Februar 1571 wurde Michael Prätorius unter seinem eigentlichen Namen Schultheis in Creuzburg bei Eisenach geboren. Sein Vater war Pfarrer daselbst, er das letzte von sechs Kindern. Auch Prätorius sollte Pfarrer werden. Mit 14 begann er in Frankfurt mit dem Studium der Theologie. Dort lebten zwei seiner Brüder.  Offenbar bricht er das Studium nach dem Tod der Brüder ab, und nimmt eine Stelle als Organist an. Dann verliert sich seine Spur für 6 Jahre. 1594 wird er von Herzog Julius, Herzog von Braunschweig-Lüneburg und Bischof von Halberstadt als Musiker angestellt. Bis zu seinem Tod am 15. Februar 1621 wird er in welfischen Diensten bleiben. Damals wurden Hofbeamte in verschiedenen Funktionen eingesetzt. So war er auch Privatsekretär der Herzogin und immer wieder in diplomatischen Missionen unterwegs. Ab 1604 war er Hofkapellmeister in Wolfenbüttel. Als solcher war er verantwortlich für das musikalische Leben des fürstlichen Hofes. So komponierte er die Musik für die Hundertjahrfeier der Reformation, die unter der Leitung von Heinrich Schütz in Dresden uraufgeführt wurde. Neben der weltlichen Musik für den Fürsten, schrieb er auch zahlreiche Musik für Kirchenlieder. Im heutigen Gesangbuch sind noch 8 Lieder, die von ihm komponiert wurden. Zu den bekanntesten zählen die Weihnachtslieder „Es ist ein Ros entsprungen“ (EG30) und „Quem pastores laudavere“ (EG 29): Aber auch andere Lieder wie „Mein erst Gefühl sei Preis und Dank“ (EG 451) oder „Mein Seel o Herr muß loben dich“ (EG 308).  Prätorius war kein armer Mann, er hatte mehrere Pfründe als Abt des Kloster Ringelheim oder Konventual des Klosters Amelungsborn. So hinterließ er eine Stiftung zur Unterstützung junger Theologen. Begraben wurde Michael Prätorius in der Kirche „Beatae Mariae Virginis“ in Wolfenbüttel. Diese Kirche war der erste protestantische Großkirchenbau nach der Reformation und lange Grablege der welfischen Herzöge von Braunschweig-Lüneburg.  Sie wurde erst 3 Jahre nach dem Tod von Michael Prätorius fertiggestellt.  Die ursprüngliche Orgel wurde von Prätorius geplant.

Daniel Friedrich Schleiermacher 12. Februar

Am 12. Februar 1834 stirbt der Theologe Friedrich Schleiermacher in Berlin. Für die protestantische Theologie ist er eine Art ‚Kirchenvater‘ des 19. Jahrhunderts. Aber er ist nicht nur Theologe. Er ist Altphilologe, übersetzt Platon, schreibt Grundlegendes über die Hermeneutik, die Lehre des Verstehens von Texten: „Das Missverstehen ist die Regel, das Verstehen, die glückliche Ausnahme.“  Er ist Mitgründer der Berliner Humboldtuniversität und begleitet die preußische Schulreform, als Kirchenreformer arbeitet er an der preußischen Union, der Vereinigung der reformierten und lutherischen Kirchen. Im „Agendenstreit“ wendet er gegen den Anspruch des preußischen Königs, sich in innerkirchliche Angelegenheiten einzumischen. Worauf er auch geheimdienstlich beobachtet wurde. Geboren ist Schleiermacher als Sohn eines preußischen Feldpredigers am 21. November 1768 in Breslau. Nach dem Willen des Vaters sollen er und seine Geschwister in die Erziehung der Herrenhuter Gemeinde in Niesky gegeben. Später besucht er das Seminarium in Barby. Doch kommt er mit der strengen pietistischen Frömmigkeit, also der Konzentration auf Innerlichkeit, in Konflikt, als ihm verboten wird, die Schriften Kant‘s zu lesen. Darauf verlässt er gegen den Willen des Vaters die Schule. In seinem Brief an den Vater äußert er Zweifel an der kirchlichen Lehre von der Gottheit Christi und seines stellvertretenden Leidens. In Halle, einem Zentrum der Aufklärung, beginnt er Theologie zu studieren, wird  daselbst Professor und wechselt, nach Auflösung der Universität durch Napoleon,  nach Berlin. Hier ist er bis zu seinem Tod Pastor der Dreifaltigkeitskirche und, nach Gründung der Humboldt Universität, Professor für Theologie. Er verkehrte im Salon von Henriette Herz (1764–1847), mit der ihn eine enge Freundschaft verband. Henriette Herz, geborene Lemos, entstammte einer aus Portugal stammenden jüdischen Familie. In ihrem Salon kam Schleiermacher mit den Brüdern Humboldt, Tieck, Jean Paul und August Ferdinand Bernhardi zusammen. Er war befreundet mit August Wilhelm und Friedrich Schlegel, mit dem er 1797/98 sich sogar eine Wohnung teilte. Schleiermachers Zeit war geprägt von Umbrüchen und Neuorientierungen. Die Aufklärung hatte die Plausibilität der lutherischen Orthodoxie hinweggefegt. Der Pietismus hatte keine Antworten auf die gesellschaftlichen Herausforderungen. Das Zusammengehen von Thron und Altar wird durch die französische Revolution in Frage gestellt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, Anfang des 19.Jahrhunderts lehnen immer mehr Bildungsbürger die in der Kirche überlieferten Glaubens- und Gottesvorstellungen ab. Menschen bedienen sich ihres Verstandes und nehmen auch ihren Glauben selbst in die Hand. Die Kirche soll ihnen nichts mehr diktieren. Aber, nur vernünftig zu denken, ist dürr und bringt, was Lebendig ist, nicht in Gang. Und, Menschen, die nur moralisch und ethisch daherkommen, sind auf Dauer unerträglich. Das ist der Ausgangspunkt des theologischen Denkens Schleiermachers. Nach seinem Verständnis ist Religion „Sinn und Geschmack für das Unendliche“, ist Religion weder ein Wissen noch ein Tun. Keine objektiven kirchlichen Lehrsätze, sondern moderne Erfahrungstheologie. Gefühl als das Organ, mit dem das Göttliche begriffen wird. Das Göttliche. Nicht Gott. Wer ein Gefühl für den Kosmos hat und für das Lebendige, das überall wirkt, der ist beteiligt an der Lebendigkeit des Kosmos und beteiligt an der Lebendigkeit und Ursprünglichkeit des Göttlichen. Das nennt er Frömmigkeit. Das Bewusstsein, das Gefühl der „schlechthinnigen Abhängigkeit“. Seine Gedanken sprechen viele Menschen an.  Glauben ist Unterwegssein mit Geschichten, mit der eigenen Seele, mit eigenen Gefühlen.  Ist individuelle Geschichte und Traditionsgeschichte, die sich begegnen. Wenn meine Seele unterwegs auf ihrem Lebensweg und eine biblische Geschichte liest, dann vermengen sie die beiden Sie regen sich gegenseitig an.

Philipp Jacob Spener, 5. Februar 

Am 5. Februar denkt die evangelische Kirche an Philipp Jacob Spener. Sein Todestag im Jahr 1705 in Berlin. Geboren wird er am 13. Januar 1635 in Rappoltsweiler (heute Ribeauville, Elsaß) als erstes von insgesamt 9 Kindern. Sein Vater ist Jurist des Grafen von Rappoltstein. Noch tobt der 30-jährige Krieg. Längst kein Konfessionskrieg mehr. Im September 1634 siegen die katholisch-habsburgischen Truppen bei Nördlingen über die protestantisch-schwedische Koalition. Sie gibt Süddeutschland auf. Die habsburgischen Truppen ziehen plündernd und mordend durchs Land. Wer fliehen kann, überquert den Rhein, ins lutherische Straßburg. Flucht und Elend der Flüchtlinge, wie es gerade wieder vieler Orts erleben. Im westfälischen Frieden von Münster und Osnabrück wird Deutschland konfessionell aufgeteilt. Cuius regio eius religio – wessen Gebiet, dessen Religion. Der Krieg hat das ganze Land wirtschaftlich und kulturell verwüstet. Politische Gewinner sind die Fürsten, die von nun an absolutistisch regieren. l'état c'est moi, der Staat, das bin ich, verkündet Ludwig XIV selbstbewusst. Thomas Hobbes liefert mit seinem ‚Leviathan‘ die philosophische Rechtfertigung. Theologen sind mit ihrer konfessionellen Rechthaberei als Kriegstreiber entlarvt und als moralisch-ethische Berater diskreditiert. Ihre Stelle nehmen an den Höfen nun die Juristen ein. Da sitzen sie heute noch. Verlierer sind, wie heute auch, die kleinen Leute. Das Lebensgefühl der Menschen beschreibt Andreas Gryphius in seinem Sonett ‚Tränen des Vaterlandes‘: Doch schweig ich noch von dem / was ärger als der Tod /Was grimmer denn die Pest / und Glutt und Hungersnoth Das auch der Seelen Schatz / so vielen abgezwungen. Mit 16 Jahren beginnt Spener in Straßburg Theologie zu studieren. Es folgen Bildungsreisen nach Basel, Genf und Lyon. 1662 wieder in Straßburg. Er wird zum Doktor der Theologie promoviert, heiratet und wartet auf eine Professur. 1666 wird er zum Senior (eine Art Hauptpastor) nach Frankfurt gerufen. Die Pastoren sind völlig zerstritten. Speners ganzes theologisches Denken und Handeln ist eine Antwort auf die Ereignisse des großen Krieges und seinen Folgen.  Er ist Zeit seines Lebens überzeugter Lutheraner, weiß aber auch, die lutherische Orthodoxie hat theologisch abgewirtschaftet. Er konstatiert, dass die Menschen wenig bis gar keine Kenntnis der Bibel haben, ihre Frömmigkeit nur äußerlich und Nächstenliebe für viele nur ein Fremdwort ist. Nicht verwunderlich für durch 30 Jahre Krieg traumatisierte Menschen. Seine Antwort ist exercitia pietatis (Frömmigkeitsübungen), eingeübt in Hauskreisen. Das macht ihn zu einem Begründer des ‚Pietismus‘. Der versteht sich als Reformbewegung innerhalb des Protestantismus, besonders der laschen, blutleeren lutherischen Variante. Auf die Frömmigkeit, das Glauben(ser)leben des Einzelnen kommt es an. Hauskreise sind für ihn eine ecclesiola in eccleisa, ein Kirchlein in der Kirche. Feld der Inneren Mission. In diesen Hauskreisen haben auch einfache Leute Wort und Stimme. Sehr zum Ärger und gegen den Widerstand der Bürger und Adligen. 1675 schreibt er seine noch heute viel gelesene ‚Pia desideria‘ (Fromme Wünsche). In dieser Schrift entwickelt er sein Reformprogramm. Die wichtigsten Punkte: Bibelstudium in Hauskreisen (nach 1 Korinther 14); Allgemeines Priestertum durch Förderung der Mitarbeit von Laien in den Gemeinden, Tatchristentum durch bewussten christlichen Lebenswandel, weniger kleinkarierte theologische Streitigkeiten um Worte und Begriffe, Reform des Theologiestudiums durch ein enges Mentor-Schüler Lernverhältnis. Aber in Frankfurt erlebt Spener auch die Kehrseite dieses pietistischen ‚Kirchenmodells‘. Der sogenannte ‚Saalhofkreis‘ radikalisiert sich immer mehr. Will nur noch Männer und Frauen zulassen, die wirklich fromm und gläubig sind. (Wer entscheidet das?) Der Kreis löst sich immer mehr von der Amtskirche, von Laienbildung und Volksmission will man nichts mehr wissen. Allein das persönliche Erweckungserlebnis, das man auf Tag und Stunde benennen kann, zählt. Schließlich löst der Frankfurter Magistrat den Kreis auf. Viele Mitglieder wandern in die USA aus. Dort treiben ihre Nachfahren noch heute ihr Unwesen. 1686 wird Spener Oberhofprediger in Dresden, und damit einer der wichtigsten Theologen des deutschen Luthertums. Hauskreise richtet er nicht mehr ein, jetzt setzt er mehr auf katechetische Übungsstunden. Aber er versteht sich nicht wirklich mit der sächsischen Pastorenschaft (was wahrscheinlich wirklich schwer ist), hinzu kommt ein Streit mit dem Kurfürsten.  1691 geht er als Propst und Konsistorialrat nach Berlin an die Nikolaiskirche. Das Konsistorium bildet damals die ‚Kirchenregierung‘, als Ministerium direkt dem Kurfürsten unterstellt. Als Konsistorialrat förderte Spener kräftig den Aufbau der theologischen Reformfakultät in Halle, als bewusstes Gegenmodell zu lutherisch-orthodoxen Fakultäten.

Mariä Lichtmess 2. Februar

Am 2. Februar begehen die Kirchen Mariä Lichtmess, so sein volkstümlicher Name. Eigentlich ist es das Fest der Darstellung des Herrn, praesentatio Jesu in templo, griechisch ὑπαπαντὴ τοῦ Κυρίου. Dahinter steht der jüdische Brauch, dass eine Mutter nach den Vorschriften vierzig Tage nach der Geburt eines Sohnes als unrein galt. Bei Töchtern sogar 80 Tage. Zur Reinigung musste die Frau ein Reinigungsopfer bringen. In der Regel ein oder zwei Tauben. Der erstgeborene Sohn galt zudem als Eigentum Gottes und musste von den Eltern ausgelöst werden.  Früher war für diesen Tag deshalb auch die Bezeichnung Mariä Purificatio (Reinigung) gebräuchlich. Mit dem 2. Februar sind es vierzig Tage nach Weihnachten. 40 Tage beträgt der Zeitraum für kirchliche Festzeiten. Mit dem 2. Februar findet der Weihnachtsfestkreis seinen Abschluss: Weihnachtsbaum und Krippen wurden abgebaut bzw. eingepackt.  Das Lukasevangelium (2,21-40) erzählt, wie Maria und Josef mit Jesus in den Tempel gehen. Sie begegnen dem alten Simeon und der Prophetin Hanna. Beide erkennen, Jesus ist kein gewöhnliches Kind. Sie preisen ihn als den Erlöser Israels.  Ein  anderer Ursprung dieses Festes liegt in einer heidnischen Sühneprozession, die alle fünf Jahre in Rom abgehalten wurde. In dessen Verlauf kam es zu einer Kerzenweihe und Lichterprozession. Daher der Name Mariä Lichtmess genannt. Erstmals erwähnt wird das Fest im 4. Jahrhundert in Jerusalem. In Rom ist eine Lichterprozession ab dem 7. Jahrhundert bekannt. Zunächst am 14. Februar - 40 Tage nach dem früheren Weihnachtsfest am heutigen Epiphaniastag gefeiert. Heute ist der 14. Februar aber der Valentinstag. An Lichtmess wurde der Jahresbedarf an Kerzen für die Kirchen geweiht. Kerzen für den häuslichen Gebrauch wurden ebenfalls gesegnet. Die gesegneten Kerzen sollten das Gebetbuch erleuchten oder als schwarze Wetterkerzen Unwetter abwehren. An Mariä Lichtmess endete für die Bauern die Winterpause, die Arbeit auf den Feldern wurde wieder aufgenommen. Dieser Tag war auch Zahltag für die Dienstboten, die bis St. Agatha (5. Februar) frei hatten bzw. zu ihren neuen Dienstherren umzogen. Denn die Verträge wurden entweder für ein Jahr erneuert oder das Gesinde suchte sich eine neue Stelle. Der letzte allgemein so gehaltene Zahltag war der 2. Februar 1938.  Die Nazis schafften den Tag ab. Sie organisierten den sogenannten Bauernstand nach ihren Regeln. Ab Mariä Lichtmess werden die Tage (im Norden) spürbar länger. Das hält der alte Vers fest:  Zu Stephani a Muckngahn, zu Neujahr a Hahnentritt, zu Heilig Drei König a Hirschensprung und zu Maria Lichtmess a ganze Stund. Gemeint ist die Verlängerung der Tage. Es gibt natürlich auch Bauernregeln, wie: Ist's zu Lichtmess mild und rein, wirds ein langer Winter sein. Oder: Wenn's an Lichtmess stürmt und schneit, ist der Frühling nicht mehr weit; ist es aber klar und hell, kommt der Lenz wohl nicht so schnell. Oder ganz kurz: Lichtmess im Klee, Ostern im Schnee.

Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, 27. Februar

Am 27. Januar 1945 befreit die Rote Armee das Todeslager Auschwitz. Es ist geräumt, nur die, die gar nicht mehr laufen konnten, wurden zurückgelassen. Die Gaskammern sind gesprengt. Langsam wird das ganze Ausmaß des Mordes an den europäischen Juden, Sinti, Polen und Gegnern des Regimes deutlich. Unfassbar, unbegreifbar bis heute. Nicht aufhören zu erinnern schulden wird den unschuldigen Opfern. Wir beten:

Vor dir Gott, gedenken wir heute der Opfer des Nationalsozialismus.

Wir gedenken der Entrechteten, Bedrängten und Beraubten. Wir werden still und erinnern uns.

Wir gedenken der Gejagten, Geflohenen und Gefangenen. Wir werden still und erinnern uns.

Wir gedenken der Geschlagenen, Gefolterten und Getöteten. Wir werden still und erinnern uns.

Wir gedenken der Opfer des Nationalsozialismus – Kinder, Frauen und Männer – in Deutschland, Europa und der ganzen Welt. Wir werden still und erinnern uns.

Gott, wir stehen vor dem Abgrund des Bösen. Unfassbar, unbegreiflich, was Menschen Menschen antun können. Wir stehen vor der Schuld unserer Väter und Mütter. Wir erleben unser Schämen. Gott, lass uns nach Zeichen des Guten suchen. Wir erinnern uns der Gerechten unter den Völkern, der wenigen Mutigen, Barmherzigen und Aufrechten, die anderen unter Lebensgefahr trotzdem geholfen haben. Sie mögen uns ermutigen, ebenso zu handeln, wenn es darauf ankommt. Und gerade jetzt kommt es auf uns an, die neuen Nazis um Höcke, Seidel & Co zu verhindern. Möge wir durch unser Erinnern zur Einsicht kommen, wachbleiben im Herzen, mutig sein zur rechten Zeit, für alle Menschen in Not einzutreten und politischen Gewalttätern entgegenzutreten. Amen.

 

Berufung des Paulus 25. Januar 

Was ein ‚Damaskuserlebnis‘ ist oder, wie wir sagen, wenn jemand vom Saulus zum Paulus wird – das kennt man noch. Es meint ein Ereignis, wo jemand sein Leben total umkrempelt. Erinnert wird an das Erlebnis, das Saulus vor Damaskus widerfahren ist. Saulus stammt aus Tarsos, wo er 10v.Chr geboren wird. Er besitzt das römische Bürgerrecht, ist Seilmacher und studierter rabbinischer Theologe und zwar ein streitbarer. Jedenfalls will er die ersten Christen, die sich in den Synagogen versammeln, auf Linie bringen. Deshalb geht er ihnen an den Kragen. Wenn man den Geschichten des Lukas traut, einem Vertrauten des Saulus, dann ist er bei der Steinigung des Stephanus dabei. Und hat daran, wie es heiß ‚Wohlgefallen‘. Er dringt in Häuser der Christen ein, verschleppt Männer und Frauen und zögert auch sonst nicht, Gewalt anzuwenden. Solche Methoden assoziieren wir heute vielleicht mit der Hamas, dem Islamischen Staat oder den Taliban. Schließlich besorgt Saulus sich vom Hohen Rat in Jerusalem einen Auftrag, auch in und um Damaskus für Ordnung zu sorgen. Die Apostelgeschichte (9,3ff) erzählt, wie er vor der Stadt eine Lichterscheinung hatte, vom hohen Ross fällt und erblindet. Der Auferstandene sei ihm erschienen, berichtet er später, und habe ihn gefragt: „Warum verfolgst du mich?“ Ausgerechnet Christen sammeln den Hilflosen auf und pflegen ihn gesund. „Da fiel es ihm wie Schuppen von den Augen.“ (9,18) Saulus lässt sich taufen. „Was mir Gewinn war, habe ich um Christi willen als Verlust angesehen…“, schreibt er im Philipperbrief (3,7) Und wird fortan zur zentralen Figur der Mission des Christentums unter den Heiden, vornehmlich in Kleinasien, später auch in Griechenland. Es ist übrigens ein Irrtum, mit dem ‚Damaskuserlebnis‘ hätte Saulus seinen Namen in Paulus geändert. Er nennt sich weiterhin Saulus. Erst auf Zypern anlässlich eines Treffens mit dem römischen Statthalter Sergius Paulus, verwendet er den anderen, ähnlich klingenden, den Römern leichter über die Lippen gehenden Namen Paulus. Lukas berichtet: „Saulus aber, der auch Paulus heißt…“ (Apg. 13,9). Er nennt sich also je nach Zielgruppe Saulus oder Paulus. Er gründet Gemeinden wie Philippi, Thessaloniki und Korinth.  Mit derselben Energie, mit dem er die Christen verfolgte, betreibt er seine Mission. Die Heiden durch den Messias Jesus zum Gott Israels zu führen, so versteht er seinen Auftrag. Streitbar bleibt er. Ein Konflikt in der jungen Gemeinde ist, ob sich die zum Christentum bekehrten Heiden dem jüdischen Ritualgesetz inclusive Beschneidung unterwerfen sollen. Petrus verlangt das. Auch er ein Hardliner. Saulus/Paulus meint, wer nach den jüdischen Ritualgesetz leben wolle, solle das tun, für die sogenannten Heidenchristen sei das nicht zwingend. Saulus/Paulus bleibt überzeugter Jude und Christusanhänger, steht in beiden und für beide Traditionen. Sieht keinen Widerspruch zwischen jüdisch sein und Jesus als den Messias (Christus) zu bekennen. So kommt es zu einem Kompromiss auf dem sogenannten Apostelkonzil. Saulus/Paulus missioniert die Heiden. Wer nicht will, kann auf die Beschneidung als Zeichen der Anerkennung der jüdischen Ritualgesetzen verzichten. Die Taufe und ein entsprechender Lebenswandel sind wichtiger und entscheidend. Die Gemeinde um Petrus schmort weiter im eigenen Saft. Sie verschwindet in den Wirren der Belagerung und Eroberung Jerusalems im Jahre 70.  Böse Zungen behaupten, Saulus habe sich den Kompromiss erkauft. Denn er brachte der hungernden und bedrängten Gemeinschaft um Petrus eine schöne Summe als Spende mit nach Jerusalem. Zuerst kommt das Fressen und dann die Moral, wird Bert Brecht sagen. Die Spannungen bleiben. Und es gibt den Verdacht, dass ihn Christen an die Römer verraten haben, so dass es zu Verhaftung, Prozess und schließlich Hinrichtung in Rom kommt. Saulus bleibt auch nach Damaskus ein Jude, mit dem Glauben an Christus. Verbunden ist damit jedoch eine gravierende Verhaltensänderung. Nie wieder wird er physische Gewalt gegen andere Menschen anwenden. Er vertraut nun einzig und allein auf die Kraft seiner Worte. „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Römer 12,21). Das ist sein Verhaltensgrundsatz, den Luther übernommen hat, wenn er sagt: non vi, sed verbo – nicht mit Gewalt, sondern durch Worte, Argumente soll man Menschen überzeugen. Leider ist diese Haltung auch im 21. Jahrhundert keine allgemeingültige. Eben weil religiöse und politische Überzeugungen immer ein gewisses Gewaltpotential bergen, gilt die Frage des Christus vor Damaskus auch uns: Warum bist du aggressiv gegen andere, die nicht so glauben und denken wie du? Gewaltlosigkeit und Toleranz sind uns nicht einfach gegeben, wir müssen sie uns immer wieder erarbeiten und verteidigen. So werden auch wir das eine oder andere Damaskuserlebnis brauchen. Möge es uns erspart bleiben, vom hohen Ross zu fallen.

Antonius 17. Januar 

Am 17. Januar erinnern die Kirchen an den Vater des christlichen Mönchtums, Antonius dem Großen. Geboren 250 in damaligen Come, heute Qiman el Arus (Ägypten). Seine Eltern waren Großgrundbesitzer. Sie sterben sehr früh. Mit 18 Jahren übernimmt er den elterlichen Betrieb, sorgt für sich und seine jüngere Schwester.  Die strenge Ethik des Matthäusevangeliums verändert sein Leben. Wenn Du vollkommen sein willst, dann verkaufe alles, was Du hast, und gib es den Armen. (19, 21) Also verkauft er mit 25 seinen Besitz, sorgt für das Auskommen seiner Schwester, verteilt den Rest an die Armen, und zieht in die Wüste zu einigen Eremiten.  Dort lebt er ein streng asketisches Leben, zunächst in der Nähe seines Heimatortes, später in einer alten Grabkammer. Noch mehrmals wechselt er seinen Aufenthaltsort, zuletzt haust er auf dem Berg Kolzim (Safarna) am Roten Meer. 311 kommt er nach Alexandria, um die durch Kaiser Maxentius verfolgten Christen zu trösten. Viele Menschen kommen in seine Einsiedelei, erbitten Rat und Heilung. Viele bleiben und bauen sich kleine Einsiedeleien. Diese Menschen um Antonius gelten als der Beginn des christlichen Klosterwesens, deshalb wird er Vater des Mönchtums genannt. Sein Mönchtum ist streng asketisch, bezogen auf die Einsiedelei. Er selbst hat keine Klosterregeln aufgestellt, das besorgt Athanasios, selbst ein Mönch und späterer Bischof von Alexandrien. Er schreibt auch eine Biografie. Antonius wird in der Ikonographie oft mit Schweinen dargestellt, im Orient damals wie heute unreine Tiere.  Sie sind Sinnbild für seine Versuchungen. Der Legende nach versucht ihn der Teufel in Gestalt einer oder mehrerer schöner Frauen; in anderen Fällen wird er mit Krallen, Zähnen oder Hörnern verwundet, zu Boden geschlagen, an den Haaren gerissen und, während seine Zelle in Flammen aufgeht, schließlich unter bedrohlichen Angriffen von allen Seiten in die Lüfte gehoben. Der im Mittelalter gegründete Antoniterorden, der in der Armen- und Krankenpflege tätig war, hielt deshalb bevorzugt Schweine.  Sie hatten das Recht frei in den Städten herumzulaufen, worauf der Ausspruch ‚Frech wie ein Antoniusschwein‘ zurückgeht. Diese Schweine wurden am 23. Dezember geschlachtet, das Fleisch den Armen gegeben. Antonius stirbt im Alter von 105 Jahren, man nennt das Jahr 365. Sein Grab wird zuerst geheim gehalten. Irgendwann sollen seine Gebeine zuerst nach Alexandria, dann nach der Eroberung durch die Muslime nach Konstantinopel gekommen sein. 1089 sollen sie nach La-Motte-aux-Bois gebracht worden sein. Dort entstand das Stammkloster des Antoniterordens, später in St-Antoine-l'Abbaye umbenannt. Matthias Grünewald  hat seinen berühmten Isenheimer Altar für den Antoniterorden angefertigt. Auf Mallorca werden in der Nacht vor dem Gedenktag Scheiterhaufen angezündet. Dämonen und Teufel tanzen um das Feuer. Sie stellen die Versuchungen, die Antonius in seiner Einsamkeit quälten, dar. Bunte Umzüge, mit Reitern und Wagen finden am 17. Januar statt. Der Heiligen selbst tritt im Mönchsgewand mit Maske auf, von roten Teufeln gejagt. Auch in der Region um Valencia, in Aragonien und in Madrid, wird Antonius mit Festen gefeiert. Von Antonius sind viele Anekdoten überliefert, wie diese: Ein Bruder sprach zu Antonius: Bete für mich! Der antwortete: Weder ich habe Erbarmen mit dir, noch Gott, wenn du dich nicht selbst anstrengst und Gott bittest. Und natürlich gibt es Bauernregeln: Wenn Antoni die Luft ist klar / gibt's bestimmt ein trocknes Jahr. Große Kälte am Antoniustag, / machmal nicht lange halten mag.

 

Epiphanias 6. Januar

Der 6. Januar ist in allen christlichen Kirchen ein Festtag. Unsere katholischen Schwestern und Brüder feiern das Fest der Heiligen drei Könige. Ihren Besuch beim Kind in Betlehem, wie er bei Matthäus erzählt wird (Matth. 2, 1-12). Dort sind sie keine Könige, sondern werden Weise und Magier genannt. Vielleicht sogar antike Wissenschaftler, denn die Beobachtung der Sterne hatte sie zum Kind geführt. Ihre Namen, Kaspar, Melchior und Balthasar erhalten sie erst im 8. Jahrhundert. Aber daher rührt der Brauch der Sternsinger, die am 6. Januar von Haus zu Haus ziehen, den Menschen ein Lied singen und den Segen des Christus bringen. Christus Mansionem Benedicat. Unsere orthodoxen Schwestern und Brüder feiern am 6./7. Januar ihr Weihnachtsfest. Bekanntlich hat die Orthodoxie den gregorianische Kalenderreform nicht mitgemacht.  Der 6. Januar ist nach dem alten Julianischen Kalender der 25. Dezember. Das Fest beginnt mit einem langen, etwa 3-Stündigen Gottesdienst, an den sich oft eine Lichterprozession anschließt. Die liturgischen Farben sind grün für das ewigen Leben und weiß für die Reinheit und den Triumpf des Geistes über das Fleisch. Die Fastenzeit wird mit einem großen Festmahl beendet.  Die aus Mandeln, Mohn, Honig und Getreide gekochte Speise symbolisierte Ruhe und Unsterblichkeit. In den evangelischen Kirchen wird der 6. Januar Epiphanias genannt. Das kommt vom griechischen Wort "epiphaneia" (Erscheinung). Gott erscheint in Jesus in der Welt. Er erleuchtet sie. Mit Epiphanias beginnt der zweite der Teil der Weihnachtszeit. Sie endet mit dem Fest der Verklärung Jesus. Das ist in diesem Jahr der 29. Januar. Jesus hat auf dem Berg eine Erscheinung mit Mose und Elia. Eine Stimme spricht vom Himmel: Das ist mein lieber Sohn, an dem ich meine Freude habe. Hört auf ihn! (Matth 17, 1-9) Historisch ist das christliche Fest wohl aus antiken Festen, besonders dem Divus Julius, herausgewachsen, die ebenfalls am Anfang des Jahres begangen wurden. Spätestens im 2. Jahrhundert, also sehr früh, ist das Fest der göttlichen Epiphanie Christi bezeugt. Natürlich gibt es auch Bauernregeln für diesen Tag: „Dreikönigsabend hell und klar, verspricht ein gutes Weinjahr.“ Und: „Ist bis Dreikönig kein Winter, folgt keiner dahinter.“

Silvester, 31. Januar 

 Am 31. Dezember feiern wir Silvester, aber nur wenige wissen, dass Silvester I. der erste römische Papst nach der sogenannten Konstantinischen Wende war. Silvester, sein Name bedeutet wörtlich übersetzt "Waldbewohner". Geboren in der Mitte des 3. Jahrhunderts in Rom. Noch vor Beginn der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian (284 bis 305) empfing er die Priesterweihe. Während der Verfolgungszeit gehörte Silvester zur Gruppe der "Confessores", einer Gruppierung, die sich trotz der bedrohlichen Lage weiterhin zum Christentum bekannte. Deswegen musste er einige Zeit im Exil leben. Im Toleranzedikt von Mailand 313, vom (West-) Kaiser Konstantin und dem (Ost-)Kaiser Licinius erlassen, wurde das Christentum offiziell als rechtmäßige Religion neben den anderen anerkannt. Am 31. Januar 314 wurde Sylvester zum Papst gewählt. Viel Einfluss auf die Politik hat er nicht gehabt, aber er hat viele Kirchen in Rom und Umgebung gegründet. Gestorben ist Papst Silvester am 31. Dezember 335. Nachdem er zunächst in den Priscilla-Katakomben begraben worden war, wurden seine Gebeine im 8. Jahrhundert in die römische Kirche San Silvestro in Capite überführt. 813 ist er in den Heiligenkalender aufgenommen worden. Der Legende nach soll er Kaiser Konstatin vom Aussatz geheilt haben. Mit seinem Namen verbunden ist die sogenannte Konstantinische Schenkung. Auf das Jahr 315 (oder 317) zurückdatiert, hielt die um 800 verfasste Urkunde fest, dass Papst Sylvester und seine sämtlichen Nachfolger usque in finem saeculi, bis ans Ende der Zeit, eine geistliche und politisch Oberherrschaft über Rom, Italien, und die gesamte Westhälfte des Römischen Reiches, aber auch das gesamte Erdenrund mittels Schenkung haben sollten. Aus dieser Urkunde bezogen die Päpste bis heute ihre religiösen und weltlichen Machtansprüche. Der heutige Vatikanstaat ist der letzte Rest dieses Territoriums. Der geistliche Allmachtanspruch besteht bis heute fort. Das Luthertum ist keine eigene Religionsgemeinschaft sui generis, sondern eine Versammlung verirrter Trottel.

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